Nouriel Roubini sagt, dass die überwältigende Mehrheit aller Krypto-Projekte auf nichts basiert und dass fast zwei Jahrzehnte Blockchain-Entwicklung seit Bitcoin genau einen echten Anwendungsfall hervorgebracht haben.
In dem BeInCrypto Expert Council Podcast, gemeinsam mit Atlas Capital CEO Reza Bundy und dem Securitize-Gründer Carlos Domingo, äußerte der als „Dr. Doom” bekannte Ökonom eine deutliche Kritik an der ICO-Ära und dem gesamten Altcoin-Markt.
Eine massive Ausfallquote mit Betrug von Anfang an
Roubinis Bilanz des ICO-Booms fällt fast durchweg negativ aus. Von den 20.000 gestarteten Initial Coin Offerings (ICOs), so sagte er, seien die Schäden erheblich größer als reine Markteinbußen.
„Es gab 20.000 ICOs, 80% davon waren schon von Beginn an Betrug… Vieles ist durch nichts gedeckt. Es ist reines Luftgeschäft. Es basiert nur auf Glauben.”
Die Rechnung geht noch weiter. Von den verbleibenden nicht betrügerischen Projekten, so Roubini, haben 70% ihren gesamten Wert verloren. Sogar unter dem sehr kleinen Teil, der noch existiert, einschließlich der meisten Top-10-Kryptowährungen, seien Verluste von 50 bis 60% gegenüber den jeweiligen Höchstständen üblich.
Tatsächlich fiel der Bitcoin-Kurs am 24. Juni kurzzeitig unter 60.000 USD, was einem Rückgang von mehr als 50% gegenüber dem Allzeithoch von 126.080 USD entspricht.
Sein Fazit: Fast alles, was auf der Blockchain gebaut wird, ist eine spekulative Investition, die lediglich auf Glauben basiert, ohne Bezug zu realen Vermögenswerten oder Nutzen. Die Geschichte von ICO-Betrug unterstreicht dies — von Pump-and-Dump-Plänen beim Start bis hin zu Projekten, die nach der Kapitalaufnahme einfach verschwanden.
Roubini hat ähnliche Kritik an der Krypto-Branche seit Jahren geäußert, unter anderem in einer Debatte mit Ethereum-Gründer Vitalik Buterin im Jahr 2019, in der er das Ökosystem als überzentralisiert und voller Manipulation bezeichnete. Er hat zudem vor dem US-Kongress ausgesagt und die Blockchain als die nutzloseste Technologie der Menschheitsgeschichte beschrieben.
Stablecoins: Eine Anwendung bleibt übrig
Obwohl er den größten Teil des Marktes abschreibt, erkennt Roubini ein Produkt an, das tatsächlich funktioniert.
„Nach fast 20 Jahren Bitcoin, was ist die große Anwendung in Krypto? Stablecoins.”
Seine Zustimmung hat jedoch Einschränkungen. Stablecoins, so argumentiert er, seien lediglich digitale Hüllen für Fiatgeld und bergen daher dieselben Entwertungsrisiken. Sie funktionieren als Zahlungsweg, vor allem für Nutzer in Volkswirtschaften mit hoher Inflation, aber sie erwirtschaften keinen echten Ertrag und bieten keinen Schutz gegen die monetären Risiken, die Kryptowährungen ursprünglich attraktiv machten.
Diese Unterscheidung — nützlich für Zahlungen, aber begrenzt als Wertaufbewahrungsmittel — ist für ihn die Basis dafür, dass tokenisierte reale Vermögenswerte der nächste Schritt sein könnten.
Der Podcast-Auftritt markiert eine erkennbare Entwicklung bei Roubini, der zuvor jedwede Krypto öffentlich als Betrug abgetan hat. Nun differenziert er zwischen spekulativen Token, die weiterhin auf nichts basieren, und tokenisierten Vermögenswerten mit überprüfbaren, realen Sicherheiten.
Wenn Roubinis Zahlen stimmen, stellt sich die Langzeitbilanz des Altcoin-Marktes als nahezu vollständiger Verlust über 20.000 Projekte dar, wobei nur Stablecoins als beständiges Ergebnis dieses Experiments verbleiben.









