Die Erlaubnis für Kraken, auf die wichtigsten Zahlungssysteme der US-Notenbank zuzugreifen, hat eine heftige Reaktion aus dem Bankensektor ausgelöst.
Am Mittwoch äußerten sich die Independent Community Bankers of America (ICBA) und das Bank Policy Institute (BPI) klar gegen die Entscheidung der Fed. Sie argumentierten, die Entscheidung gefährde die Stabilität des Finanzsystems.
Banken stellen Krakens US-Lizenz in Frage
Nur wenige Stunden nachdem bekannt wurde, dass Kraken das erste Krypto-Unternehmen mit direktem Zugang zur Notenbank geworden ist, veröffentlichte die ICBA eine Stellungnahme.
„Nichtbanken und Krypto-Unternehmen Zugang zu den Masterkonten zu geben, die sonst nur streng regulierten Banken zustehen, ist ein Risiko für das Bankensystem”, sagte ICBA-Geschäftsführerin Rebeca Romero und ergänzte: „Die Fed sollte Masterkonto-Zugang weiterhin auf Institute beschränken, die die höchsten Standards im Finanzbereich erfüllen.“
Auch das BPI zeigte sich besorgt über den Entscheidungsprozess.
„Diese Entscheidung ignoriert das öffentliche Feedback, zu dem die Notenbank selbst aufgerufen hat. Sie wurde zudem ganz ohne Einblick in den Genehmigungsprozess oder die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen die erheblichen Risiken getroffen.“
In den Aussagen wird deutlich: Kraken hat nun direkten Zugang zu denselben Zahlungssystemen wie Tausende US-Banken und Kreditgenossenschaften. So kann Kraken USD-Transaktionen direkt über die Notenbank abwickeln und muss keine Zwischenbank nutzen.
Möchtest du noch mehr Token-Infos, News und Expertenmeinungen? Dann melde dich gerne für den täglichen Krypto-Newsletter und für den BeInCrypto Youtube-Kanal an.
Kraken bekommt allerdings nicht alle Vorteile, die klassische Banken bei der Notenbank genießen, zum Beispiel Zinsen auf ihre Reserven. Dennoch ist die Genehmigung ein großer Erfolg für die Krypto-Branche.
Der Konflikt zwischen Banken und der Kryptobranche geht weit über die Genehmigung für Kraken hinaus. Das macht deutlich, dass es weiterhin Sorgen wegen der wachsenden Rolle von Krypto im traditionellen Finanzsystem gibt.
Der Streit um Zinsen auf Stablecoins geht weiter
Bereits vor dem GENIUS Act im letzten Juli machten Banken massiv Lobbyarbeit gegen die lockere Regulierung von Stablecoins. Ihr Hauptargument war, das Gesetz könne eine Gefahr für klassische Bankeinlagen bedeuten.
Diese Sorge war berechtigt. Ein Bericht des US-Finanzministeriums schätzte im April, dass Stablecoins zu Abflüssen von bis zu 6,6 Billionen USD an Einlagen führen könnten.
Schon einen Monat nach der Verabschiedung des GENIUS Act schrieben fünf Bankverbände —darunter ICBA und BPI— einen Brief an den Kongress. Darin forderten sie, eine Gesetzeslücke zu schließen, durch die Stablecoin-Anbieter Zinsen über Börsen zahlen können.
Die Verbände warnten außerdem, dass so auch höhere Kreditzinsen und weniger verfügbare Kredite für Unternehmen und Familien drohen könnten.
„Solange Börsen, die als Vertriebsweg für Stablecoin-Anbieter oder deren Partner agieren, nicht explizit einbezogen werden, können die Vorschriften des GENIUS Act leicht umgangen werden, indem Zinszahlungen indirekt an Stablecoin-Besitzer geleistet werden”, heißt es im Brief.
Diese Uneinigkeit spiegelt sich inzwischen auch in den Diskussionen um den CLARITY Act wider. Vor allem geht es darum, ob Kryptobörsen Erträge in Form von Zinsen auf Stablecoins anbieten dürfen.
Für die Banken ist die Lage noch schwieriger geworden, da US-Präsident Donald Trump zuletzt die Krypto-Branche unterstützt hat.
Trump kritisiert Banken: Verzögern sie das CLARITY-Gesetz?
Am Dienstagabend warf der Präsident den US-Banken vor, den GENIUS Act zu untergraben und den CLARITY Act zu blockieren.
„Amerikaner sollten mehr Ertrag auf ihr Geld bekommen. Die Banken machen Rekordgewinne, und wir werden nicht zulassen, dass sie unsere starke Krypto-Agenda blockieren. Sonst geht sie nach China oder in andere Länder, falls wir den Clarity Act nicht regeln“, schrieb Trump auf Truth Social.
Mit dieser Aussage griff ein US-Präsident erstmals so deutlich in den Streit um Stablecoin-Erträge ein.
Trump, dessen Familie in vielen Kryptoprojekten aktiv ist, will, dass der Kongress das Gesetzespaket noch vor den Zwischenwahlen im November beschließt. Diese Wahl könnte die aktuelle Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat beenden.
Der Beitrag auf Trumps Social-Media-Kanal erschien nur wenige Stunden, nachdem POLITICO berichtete, dass der Präsident im Weißen Haus ein vertrauliches Treffen mit Brian Armstrong, dem CEO von Coinbase, hatte.