Die Krypto-Börse Binance weist Vorwürfe zurück, bei der Umgehung von Iran-Sanktionen geholfen zu haben. Ein US-Senator fordert nun detaillierte Unterlagen zu Milliardenüberweisungen und stellt die Compliance-Systeme von Binance infrage.
Diese Reaktion folgt auf eine formelle Anfrage von Senator Richard Blumenthal, der Unterlagen zu knapp 2 Milliarden USD an Überweisungen an sanktionierte Einrichtungen verlangte. In dem Schreiben wurden zudem Antworten zur Entlassung von Ermittlern angefordert, die auf diese Vorgänge aufmerksam machten.
Binance weist Iran-Vorwürfe zurück: Illegale Aktivitäten gehen um 97 % zurück
Teng äußerte sich direkt über soziale Medien zu Blumenthals Schreiben vom 24. Februar und wies den Vorwurf zurück, Binance habe bewusst die Umgehung von iranischen Sanktionen ermöglicht. Die Börse veröffentlichte eine detaillierte Stellungnahme in einem Blogbeitrag, um ihr Compliance-System zu verteidigen.
Darin wies Binance unter anderem auf einen Rückgang der Kontakte zu angeblich illegalen Wallets um 97 Prozent zwischen Anfang 2024 und Mitte 2025 hin. In den vergangenen drei Jahren habe das Unternehmen zudem Strafverfolgungsbehörden bei der Sicherstellung von mehr als 752 Millionen USD an illegalen Geldern unterstützt.
Binance bestätigte außerdem, sowohl Hexa Whale als auch Blessed Trust ausgeschlossen zu haben. Diese beiden Börsen-Partner sollen als Zwischenstationen für iranisches Geldwäschegeschäft fungiert haben. Die Maßnahmen folgten auf eigene interne Untersuchungen von Binance.
Auch wies die Börse den Vorwurf zurück, sie habe Mitarbeiter bestraft, die Bedenken hinsichtlich der Compliance äußerten. Laut Binance wurden diese Beschäftigten entlassen, weil sie interne Vertraulichkeitsregeln verletzt hätten, nicht wegen ihrer Meldungen von Compliance-Verstößen.
Binance hat zudem dem Wall Street Journal mit rechtlichen Schritten wegen des ursprünglichen Berichts gedroht und der Publikation Verleumdung vorgeworfen sowie eine Zurücknahme gefordert.
Senator wirft Binance Unterstützung bei Umgehung iranischer Sanktionen vor
Senator Blumenthal warf Binance nicht nur vor, amerikanische und internationale Sanktionen in erheblichem Umfang umgangen zu haben, sondern behauptete außerdem, dass die Börse diese Aktivitäten aktiv unterstützt habe.
„Binance scheint eindeutige Warnzeichen ignoriert, bewusst illegale Accounts erlaubt und sogar direkte Unterstützung für Organisationen geleistet zu haben, die in Geldwäsche verwickelt sind”, so Blumenthal.
Außerdem hob er hervor, dass Mitarbeiter von Binance mehr als 2.000 Konten mit Bezug zum Iran gemeldet hätten, obwohl die Börse Anwender aus dem Iran ausschließt.
Der Senator ordnete die Vorwürfe in ein längerfristiges Fehlverhalten ein, das sich laut ihm über mehrere Jahre erstrecke.
Im Jahr 2023 bekannte sich Binance vor einem Bundesgericht schuldig, fast 1 Milliarde USD vorsätzlich an iranische Unternehmen und Terrororganisationen überwiesen zu haben. Der Gründer Changpeng Zhao erhielt dafür eine Freiheitsstrafe von vier Monaten.
Statt die Compliance-Probleme zu beheben, so Blumenthal, habe Binance den politischen Einfluss durch eine Partnerschaft mit World Liberty Financial gesucht. Dieses Krypto-Projekt steht in Verbindung zur Familie von Präsident Donald Trump. Rund 85 Prozent der Stablecoins dieser Initiative werden aktuell auf Binance-Konten gehalten.
Die SEC ließ ihre Klage gegen Binance im Mai vergangenen Jahres fallen, und Zhao erhielt wenige Monate später eine Begnadigung durch den Präsidenten.
Kongress nimmt in heikler Phase genauer unter die Lupe
Am Freitag endete die Frist für Binance, die angeforderten Unterlagen an den Unterausschuss zu übergeben. Zwar veröffentlichte die Börse eine öffentliche Antwort im hauseigenen Blog, blieb jedoch die Erfüllung der konkreten Forderungen von Blumenthal schuldig.
Die Auseinandersetzung findet zudem zu einem sensiblen Zeitpunkt für die größere Branche statt.
Laut einem aktuellen Chainalysis-Bericht flossen mindestens 154 Milliarden USD im Jahr 2025 an illegale Adressen. Das entspricht einem Anstieg um 162 Prozent zum Vorjahr. Wesentlicher Treiber war vor allem eine Zunahme um 694 Prozent bei Überweisungen an sanktionierte Einrichtungen.
Chainalysis beschrieb diese Entwicklung als Beginn einer neuen Ära groß angelegter, staatlich gesteuerter Krypto-Kriminalität. Stablecoins machten 2025 bereits 84 Prozent des gesamten illegalen Transaktionsvolumens aus; im Jahr 2020 lag dieser Wert noch bei 15 Prozent.
Diese Anlageklasse steht auch im Zentrum der Vorwürfe gegen Binance. Dabei wurde Tether als entscheidendes Mittel für Geldwäsche identifiziert.
Für Börsen wie Binance erhöhen diese Zahlen die Bedeutung der Ermittlungen durch den Senat deutlich. Davon, wie robust das Compliance-System im politischen Prüfverfahren ist, könnte unter anderem abhängen, wie die Gesetzgebung zur Regulierung von Krypto fortentwickelt wird.