Binance sorgt gerade in den sozialen Medien für Aufsehen. Ein Bericht von Forbes zeigt, dass die Börse und ihre Nutzer die große Mehrheit an USD1 kontrollieren. USD1 ist ein Stablecoin von World Liberty Financial (WLFI).
Das Projekt WLFI steht in Verbindung mit US-Präsident Donald Trump und seiner Familie. Dadurch gibt es jetzt Diskussionen über Konzentrationsrisiko, Einfluss von Börsen und die wachsenden Verbindungen zwischen Krypto-Märkten und Politik.
Binance: USD1-Dominanz entfacht neue Diskussion um Stablecoin-Zentralisierung
Eine Forbes-Untersuchung vom 9. Februar zeigt, dass Binance etwa 87 Prozent des zirkulierenden Angebots von USD1 hält. Das sind rund 4,7 Milliarden USD von insgesamt etwa 5,4 Milliarden USD.
SponsoredLaut Bericht ist das die höchste Konzentration von Stablecoins auf einer einzigen Krypto-Börse bei großen Stablecoins. Daten von Arkham Intelligence aus der Blockchain-Analyse bestätigen dies zudem.
Diese Erkenntnisse sorgen für Diskussionen. Viele fragen sich, ob eine so hohe Konzentration zu systemischen Risiken führen oder die Idee von Dezentralisierung bei Stablecoins schwächen könnte.
CZ wehrt sich gegen Vorwürfe zur Zentralisierung
Changpeng Zhao (CZ), der Gründer und frühere CEO von Binance, reagierte öffentlich auf die Debatte. Er findet die Sorgen übertrieben. In Beiträgen auf X (Twitter) sagte CZ, dass Binance durch ihre Größe als größte Börse bei vielen Stablecoins traditionell große Anteile hält.
Sponsored Sponsored„Binance (Nutzer) halten den größten Prozentanteil bei den meisten Stablecoins (USDT, USDC, USD1, U… du kannst sie alle nennen) im Vergleich zu anderen CEXs. Keine Neuigkeit“, schrieb CZ.
Weiter erklärte der Binance-Manager, dass Binance generell 60 bis 70 Prozent der Stablecoins auf zentralen Börsen hält. Das gilt für mehrere Vermögenswerte.
Auch Unterstützer teilen diese Ansicht. Sie sagen, die Vermögenswerte gehören größtenteils den Kunden und nicht der Börse. Hohe Konzentrationen bei großen Handelsplätzen seien zudem in Krypto-Märkten nicht unüblich.
Politische Verbindungen heizen die Debatte an
USD1 steht in enger Verbindung zu World Liberty Financial. WLFI wurde 2024 gegründet und nennt Trump als „Mitgründer emeritus“ – zusammen mit Donald Trump Jr., Eric Trump und Barron Trump.
Eine Firma, die mit Trump verbunden ist, besitzt demnach einen großen Anteil am Unternehmen. Finanzberichte zeigen, dass Trump durch das Projekt mehrere Dutzend Mio. USD verdient hat.
Außerdem berichtet Forbes, dass Aktionen rund um USD1 zur Konzentration beigetragen haben könnten. Ende Januar startete Binance Aktionen und Belohnungen für WLFI-Token. Damit wurden vor allem Halter von USD1 belohnt. Solche Kampagnen steigern die Liquidität oft schnell auf einer Plattform – besonders, wenn neue Handelspaare und Marketing dazukommen.
SponsoredWegen dieser Entwicklungen hinterfragen manche Analysten, ob Börsen-Anreize die Verteilung von Stablecoins stärker beeinflussen als die eigentliche Nachfrage am Markt.
Analysten warnen vor Konzentrationsrisiken
Viele finden, dass eine starke Konzentration auf einer einzigen Börse zumindest theoretische Risiken mit sich bringt – auch wenn es aktuell keine direkten Gefahren für die Stabilität gibt.
Zu diesen Risiken könnten etwa Gegenparteiausfälle in Extremsituationen gehören. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Börsen dann die Kontrolle über Liquidität und Markstruktur erhalten.
Die unabhängige Krypto-Forscherin Molly White nannte die Konzentration zwar auffällig, allerdings habe Binance USD1 auch stark beworben. Das sei nicht ganz überraschend.
Sponsored SponsoredSie erklärte, hohe Konzentrationen könnten Hebelwirkungen auslösen. Zudem entstehe dadurch Unsicherheit, wem die großen Bestände wirklich gehören.
Andere waren noch kritischer. Corey Frayer, früher Berater bei der SEC, sagt: Die Struktur und Verteilung von USD1 wirft größere Fragen zum Zweck und der Führung des Stablecoins auf. Außerdem sei unklar, wer hinter den großen Börsen-Beständen steckt.
„USD1 sollte nie ein echter Stablecoin sein“, berichtete Forbes unter Berufung auf Frayer.
Binance und World Liberty Financial sagen beide, dass eine Konzentration nicht bedeutet, dass sie alles kontrollieren oder zu viel Einfluss haben.
Binance erklärt, dass sie nur normale Dienstleistungen wie Listings, technische Infrastruktur und Zugänge zum Markt bieten. Vertreter von WLFI sagen, dass Listings auf Börsen einfach ein üblicher Vertriebsweg sind.
Dennoch gibt es durch diesen Vorfall wieder eine wichtige Diskussion in der Krypto-Community: Können Stablecoins wirklich als neutrale Finanz-Infrastruktur dienen, wenn Liquidität und Nutzer-Aktivität vor allem bei zentralen Plattformen liegen?