Heute laufen fast 2,5 Mrd. USD an Bitcoin- und Ethereum-Optionen aus. Dies könnte das Monatsende sehr volatil machen, weil Trader einerseits auf steigende Kurse setzen, sich aber auch stark gegen sinkende Kurse absichern.
Oberflächlich betrachtet sieht die Positionierung positiv aus. Aber darunter gibt es eine auffällige Besonderheit: Eines der größten offenen Positionen bei Bitcoin liegt weit unter dem aktuellen Kurs – nämlich bei der 40.000-USD-Marke.
Calls bestimmen den Markt, doch der Max-Pain-Kurs liegt höher
Bitcoin wird zurzeit bei etwa 67.924 USD gehandelt, der Max-Pain-Wert liegt bei 70.000 USD. Beim offenen Interesse gibt es 19.412 Call-Kontrakte und 11.044 Put-Kontrakte. Das ergibt ein Put-zu-Call-Verhältnis von 0,57 und zeigt eine bullische Grundstimmung. Das gesamte Nominalvolumen zum Ablauf beträgt ungefähr 2,05 Mrd. USD.
Auch Ethereum zeigt eine ähnliche, aber ausgewogenere Richtung. ETH steht fast bei 1.960 USD, mit einem Max-Pain-Wert bei 2.025 USD.
Calls (124.109 Kontrakte) sind mehr als Puts (90.017), was ein Put-zu-Call-Verhältnis von 0,73 ergibt. Das Nominalvolumen liegt bei etwa 417 Mio. USD.
„… Die Positionierungen sind bei beiden Assets auf Calls fokussiert, wobei BTC die größere bullische Tendenz zeigt. Die Max-Pain-Werte liegen unter den Bereichen mit den meisten Calls bei BTC, während die ETH-Positionen ausgeglichener, aber weiter konstruktiv sind”, erklärten Analysten von Deribit .
Max Pain ist der Kurs, bei dem die meisten Optionen am wertlosesten verfallen. So werden Zahlungen an Käufer möglichst gering gehalten.
Da BTC und ETH unter ihren jeweiligen Max-Pain-Marken gehandelt werden, könnte eine Bewegung zu diesen Werten bis zum Ablauf die Verluste für die Optionsverkäufer verringern.
Die 40.000-USD-Put-Option: Warnsignal für Risiken
Trotz des bullischen Trends fällt eine große Menge an Puts bei der 40.000-USD-Marke auf.
Das 40.000-USD-Bitcoin-Put ist jetzt die zweitgrößte Marke beim offenen Interesse und hat ein Volumen von rund 490 Mio. USD. Dies geschieht nach Bitcoins starkem Rücksetzer von den vorherigen Höchstständen, der die Nachfrage nach Absicherungen verändert hat.
„Auch wenn die Gesamt-Positionierungen zum Ablauf auf Calls ausgerichtet sind, sticht ein Bereich heraus: Der 40K-BTC-Put bleibt vor dem Verfall im Februar weiter unter den größten offenen Positionen. Die Nachfrage nach starkem Schutz weit unten bleibt klar, obwohl Put/Call-Verhältnisse auf einen bullischen Markt hindeuten“, sagten die Deribit-Analysten und wiesen auf die ungewöhnliche Größe dieser Position hin.
Kurz gesagt, Trader setzen zwar auf steigende Kurse, schließen aber einen plötzlichen Kurseinbruch nicht aus.
Absicherung, Aufschlag und strukturelle Auswirkungen
Dieses Verhalten zeigt, dass sich der Markt für Bitcoin-Derivate insgesamt wandelt. Optionen werden immer öfter genutzt, um auf Kursrichtungen zu setzen, Erträge zu erzielen oder Schwankungen abzusichern.
Analyst Jeff Liang meint, durch gezielte Prämien-Strategien in den Optionen könne man den strukturellen Verkaufsdruck reduzieren.
„Wenn wir stabil die Prämien aus dem Optionsmarkt holen und damit Bitcoin-HODLer stärken, bedeutet das: HODLer müssen ihre Bitcoin nicht mehr verkaufen, um ihr Leben zu verbessern … Der Verkaufsdruck auf Bitcoin sinkt … Das treibt den Bitcoin-Kurs weiter nach oben“, sagte er .
Der Analyst beschrieb die Optionsprämien als „lokalen Pump“, der durch Angst und Gier entsteht. Diese Prämien werden an langfristige Halter verteilt, ohne dass das feste Angebot von Bitcoin verletzt wird.
Insgesamt gibt es bei BTC und ETH mehr Calls als Puts: Die Trader setzen meist auf einen Anstieg. Allerdings zeigt die große Menge an weit aus dem Geld liegenden Absicherungen, dass der Markt weiter vorsichtig bleibt.
Bei einem Ablaufvolumen von mehreren Mrd. USD ist entscheidend, ob sich die Kurse dem Max-Pain annähern – oder ob die versteckte Nachfrage nach Absicherung recht behält und für neue Schwankungen sorgt, obwohl viele mit Ruhe rechnen.