Der in Singapur ansässige Bitcoin-Miner Bitdeer hat seine gesamte Bitcoin-Reserven verkauft und damit die übliche Haltestrategie der Branche aufgegeben.
Dieser Schritt kommt, weil die Gewinne beim Mining stark gesunken sind. Wegen dieser Lage muss das Unternehmen seine Schulden neu ordnen und den Wechsel in den KI-Bereich beschleunigen.
Warum hat dieser Bitcoin-Miner seine Coins verkauft?
Am 20. Februar gab das Krypto-Mining-Unternehmen bekannt, dass es keinen einzigen Bitcoin mehr hält. Die eigenen Reserven sind also komplett leer. Kundeneinlagen sind davon jedoch nicht betroffen.
Die Firma bestätigte, dass sie ihre gesamte aktuelle Produktion von 189,8 Bitcoin verkauft hat. Insgesamt verringerte sich der Bestand dadurch um 943,1 Bitcoin.
Mit diesem Verkauf zeigt sich, wie groß die Krise in der Branche ist. Die Betreiber geraten immer stärker unter Druck durch niedrige Margen.
Nachdem Winterstürme in den USA einen Teil der Mining-Geräte vorübergehend abgeschaltet hatten, erlebte das Bitcoin-Netzwerk eine sehr schnelle V-förmige Erholung.
In dieser Woche stieg die Schwierigkeit beim Mining um 14,7 Prozent. Das ist die größte Anpassung nach oben seit Mai 2021 und macht die Entlastung der Miner vom Jahresanfang wieder zunichte.
Dadurch ist die Mining-Profitabilität, gemessen am Hashpreis, auf unter 30 USD pro Petahash und Tag gefallen. Der wichtige Wert liegt damit nur knapp über dem Allzeittief und verschärft die Situation, weil die Produktionskosten steigen.
Bitdeer will Millionen für KI-Strategie sichern
Um die Krise zu meistern, sucht Bitdeer jetzt verstärkt finanzielle Unterstützung an der Wall Street, um den Wandel in Richtung künstliche Intelligenz zu ermöglichen.
Am 20. Februar kündigte das Unternehmen einen vergrößerten privaten Verkauf von wandelbaren Schuldverschreibungen im Wert von 325 Mio. USD an.
Der Verkauf, der bis zum 24. Februar abgeschlossen sein soll, enthält für Erstkäufer die Option, weitere Schuldverschreibungen im Wert von 50 Mio. USD zu erwerben.
Die Finanzstrategie ist sehr vorsichtig gewählt. Bitdeer wird 138,2 Mio. USD nutzen, um eigene bestehende Schuldverschreibungen mit 5,25 Prozent Zinsen, die 2029 fällig wären, zurückzukaufen. Damit gewinnt der Miner mehr Zeit und ordnet seine Schulden neu.
Weitere 29,2 Mio. USD werden für sogenannte Capped-Call-Transaktionen genutzt. Das ist eine Art Versicherung, die bestehende Aktionäre schützt, falls der Aktienkurs steigt und eine Verwässerung droht.
Mit dem verbleibenden Geld will Bitdeer neue Wege gehen und nicht mehr nur auf Krypto-Mining setzen.
Bitdeer teilte mit, das frische Kapital in den Ausbau der Geschäfte für Hochleistungsrechner und KI-Cloud zu investieren. Außerdem sollen eigene ASIC-Mining-Geräte entwickelt und Datenzentren erweitert werden.
Gleichzeitig erfolgt die Auflösung der Reserven und die neue Strategie, als Bitdeer einen Rekord aufstellt: Das Unternehmen ist nun der größte öffentlich gehandelte Selbst-Miner weltweit.
Neue Berichte zeigen, dass Bitdeers eigenes Mining aktuell bei 63,2 Exahash pro Sekunde liegt. Damit überholt das Unternehmen den Konkurrenten Marathon Digital mit 60,4 EH/s. Die Firma aus Singapur ist somit das größte börsennotierte Unternehmen mit dem höchsten eigenen Bitcoin-Hashrate.