Bitcoins jüngste Erholung hat die „Buy the Dip“-Meinung wiederbelebt, doch die Daten zeigen, dass es nicht so einfach ist. Nachdem der Bitcoin-Kurs fast 15 Prozent gefallen ist und kurz die 60.000-USD-Zone berührte, stieg er um mehr als 11 Prozent. Das lockte Händler zurück in Long-Positionen.
Auf den ersten Blick sieht diese Erholung gut aus. Allerdings sprechen bärische Chartmuster, steigende Hebel und eine schwache Nachfrage am Spot-Markt dafür, dass das Risiko noch nicht vorbei ist. Es besteht weiterhin die Möglichkeit eines Rückgangs von rund 25 Prozent. Deshalb wird der neueste Anstieg jetzt stark hinterfragt.
Bear-Flag, steigende Hebelwirkung und sinkendes Börsen-Angebot: Gefährlicher Optimismus beim Krypto-Markt
Bitcoins kurzfristiges Risiko siehst du bereits im 4-Stunden-Chart.
SponsoredNach dem starken Ausverkauf in Richtung 60.000 USD hat der Bitcoin-Kurs eine Erholung gezeigt, die nun wie ein bärisches Flaggenmuster aussieht. Solche Muster zeigen sich meist, wenn nach einem starken Fall eine kurze Pause folgt, bevor es noch weiter nach unten geht. Wenn die untere Trendlinie bricht, könnte der Kurs fast 25 Prozent verlieren und auf die 48.000–49.000-USD-Zone zusteuern.
Trotz dieser technischen Warnzeichen steigt der Hebel wieder an.
Nach der 11,18-Prozent-Erholung wurden allein auf Binance über 540 Mio. USD an neuen Long-Positionen eröffnet. Das zeigt, dass Händler wieder viel Hebel einsetzen und darauf wetten, dass der Tiefpunkt erreicht ist. Ähnliches Verhalten gab es in anderen Abschwüngen oft vor großen Liquidierungen.
Gleichzeitig zeigt das Verhalten am Spot-Markt einen wachsenden „Buy the Dip“-Ansatz.
Das Bitcoin-Angebot auf Börsen sank zwischen dem 5. Februar und dem 6. Februar von etwa 1,23 Mio. BTC auf rund 1,22 Mio. BTC. Das deutet darauf hin, dass Händler Coins abziehen, wahrscheinlich um sie kurzfristig zu halten und auf steigende Kurse zu setzen.
Auch öffentliche Personen und die Stimmung in sozialen Medien sind optimistischer geworden. Das stärkt die „Buy the Dip“-Meinung.
Insgesamt könnten diese Zeichen zu viel Vertrauen zeigen.
Ein schwaches Chartmuster, steigender Hebel und frühes Kaufen treffen jetzt zusammen. Baut sich Optimismus auf, bevor die strukturellen Schwächen vorbei sind, erhöht sich oft das Risiko weiterer Verluste statt abzunehmen.
Langfristige Bitcoin-Halter verkaufen weiter – Realisierter Kurs rückt in den Fokus
Kurzfristige Händler werden zwar bullisch, jedoch handeln langfristige Halter – also die stabilsten Investoren – ganz anders.
Der „Long-Term Holder Net Position Change“, der Veränderungen in den Beständen von Investoren misst, die länger als ein Jahr halten, ist seit Anfang Januar stark negativ. Am 6. Januar wurden netto etwa 2.300 BTC verkauft. Bis zum 5. Februar waren es sogar rund 246.000 BTC.
Dies ist ein Anstieg der Verkäufe um fast 10.500 Prozent innerhalb nur eines Monats. Einfach erklärt: Selbst die Investoren mit dem größten Durchhaltevermögen verringern ihre Positionen weiterhin.
SponsoredBesorgniserregender wird dieses Verhalten, wenn man auf den durchschnittlichen Einstandspreis dieser langfristigen Anleger schaut.
Der sogenannte Realized Price steht für die durchschnittlichen Anschaffungskosten der Coins von Langzeit-Haltern. In der Vergangenheit war es so: Nähern sich der Bitcoin-Kurs oder fällt er unter dieses Niveau, deutet das auf große Unsicherheit am Markt hin. In früheren Zyklen starteten große Kursanstiege meist erst, nachdem der Kurs längere Zeit in dieser Zone stabil blieb – aber nicht sofort.
Momentan liegt der Realized Price der langfristigen Halter bei etwa 40.260 USD.
Wenn sich Bitcoin diesem Bereich nähert, erreichen mehr langfristige Anleger ihren Einstandspreis. Fällt der Kurs darunter, geraten viele in Verlustzonen. Das führt oft dazu, dass viele verkaufen. Dieses Verhalten war Ende 2022 zu sehen, bevor das finale Tief des Bärenmarktes entstanden ist.
Bisher ist diese Bereinigung nicht erfolgt.
Langfristige Anleger verkaufen weiter und sammeln derzeit nicht. Ihr durchschnittlicher Kaufpreis wird immer mehr zu einem wichtigen Bereich nach unten. Dies bedeutet, dass der Markt die Phase der Entschuldung und Verteilung noch nicht abgeschlossen hat.
Sponsored SponsoredWichtige Bitcoin-Kursmarken: Darum sind 48.000- und 40.000-USD-Marke jetzt entscheidend
Momentan treffen sich alle technischen und On-Chain-Signale bei wenigen wichtigen Kursbereichen.
Nach unten liegt die erste große Unterstützung bei 53.350 USD. Fällt Bitcoin hier durch, rückt der Bereich um 48.800 USD in den Fokus. Dort liegen das Ziel der Bärenflagge sowie frühere Zonen mit seitlicher Bewegung.
Wenn 48.800 USD unterschritten werden, schauen viele auf den Bereich um 40.260 USD. Das ist der durchschnittliche Kaufpreis der langfristigen Halter.
Dieser Bereich ist die stärkste Unterstützung in diesem Zyklus. Kommt der Kurs dorthin, würde das bedeuten, dass viele langfristige Anleger kapitulieren. Dann könnte eine tiefere Bärenphase bestätigt werden.
Im schlimmsten Fall könnte längere Schwäche sogar den Weg in Richtung 37.180 USD öffnen. Das zeigen langfristige Prognosen und alte Unterstützungsbereiche.
Nach oben muss Bitcoin 69.510 USD auf Schlusskurs-Basis über vier Stunden zurückerobern, um kurzfristig wieder etwas Vertrauen zu holen. Ein Anstieg über 73.320 USD wäre nötig, um das bärische Muster komplett aufzuheben.
Bis dahin bleiben Erholungen anfällig.
Da der Hebel im Markt wieder wächst, langfristige Anleger weiter verkaufen und wichtige Unterstützungen nahe sind, fehlt dem aktuellen Aufschwung eine feste Grundlage. Unter diesen Bedingungen bleibt „Buy the Dip“ riskant und kann jederzeit eine starke Gegenbewegung auslösen, statt einen anhaltenden Anstieg zu bringen.