Strategy (früher MicroStrategy) wird die Quartalszahlen für das vierte Quartal 2025 nach Börsenschluss am 5. Februar veröffentlichen. Daher ist es für Bitcoin mehr als nur ein technischer Kampf, den Bereich um 76.000 USD zu halten.
Der Bitcoin-Kurs beeinflusst jetzt direkt die Gewinnsituation von Strategy, die Stimmung der Anleger und die Glaubwürdigkeit des kreditfinanzierten Bitcoin-Treasury-Modells.
Bitcoin-Kurs: Hält die 76.000-USD-Marke? Auswirkungen auf Strategie und Bilanzen der Bären
Am 4. Februar, zum Zeitpunkt dieses Artikels, notiert Bitcoin bei 76.645 USD. Zuvor fiel der Kurs während der Sitzung kurzzeitig auf ein Tagestief von 72.945 USD.
Diese Kursbewegung bringt Bitcoin sehr nah an den durchschnittlichen Kaufpreis von Strategy von 76.052 USD bei ihren 713.502 BTC. Damit wird die 76.000-USD-Marke zu einer entscheidenden Bilanzgrenze und ist nicht nur eine weitere Chartmarke.
So entscheidend ist die Break-even-Linie für Gewinne
Seit 2025 muss Strategy nach den neuen Fair-Value-Bilanzierungsregeln die Bitcoin-Bestände jedes Quartal zum aktuellen Marktwert bewerten. Das bedeutet, dass nicht realisierte Gewinne und Verluste direkt auf das Ergebnis wirken.
Die Ergebnisse für das vierte Quartal spiegeln zwar die hohen Bitcoin-Kurse im Dezember wider – damals lag der BTC häufig über 80.000 USD –, allerdings steht bei anhaltender Schwäche vor allem diese Entwicklung im Fokus der Diskussionen zum Ergebnis.
Bei den aktuellen Preisen ist die Bitcoin-Position von Strategy in etwa ausgeglichen. Ein längerer Rückgang unter 76.000 USD würde jedoch nicht realisierte Verluste in der Treasury deutlich machen. Als Bitcoin kürzlich kurz bei rund 74.500 USD notierte, war Strategy mit einem Buchverlust von fast 1 Mrd. USD konfrontiert.
Obwohl diese Verluste nicht direkt in den Q4-Zahlen sichtbar sind, beeinflussen sie stark die Stimmung vor dem Earnings Call und auch die Einschätzungen von Michael Saylor.
Schon wieder teuer kaufen – warum das Imageproblem bleibt
Erschwert wird die Situation durch das jüngste Kaufverhalten von Strategy. Ende Januar und Anfang Februar kaufte das Unternehmen zusätzliche Bitcoin zu deutlich höheren Kursen als aktuell am Markt.
Die letzte Tranche bestand aus 855 BTC, gekauft zu durchschnittlich etwa 87.974 USD pro Coin. Kurz darauf kam es am Wochenende zu einem starken Rückgang, bei dem Bitcoin unter 75.000 USD fiel.
Frühere Käufe im Januar erfolgten sogar zu noch höheren Durchschnittspreisen, darunter eine Tranche bei etwa 90.000 USD und eine weitere über 95.000 USD.
Dieses Muster ist typisch für Strategy. Das Unternehmen kauft bevorzugt während starker Aufwärtsphasen und finanziert dies oft über Aktienausgaben sowie zinslose Wandelanleihen.
Diese Strategie hat sich zwar über vollständige Marktzyklen ausgezahlt, allerdings führte sie immer wieder zu kurzfristigen starken Verlusten. Immer wieder gibt es Kritik in der Community, dass Strategy häufig genau am Hoch kauft, bevor Korrekturen einsetzen.
Krypto-Flashbacks: Erinnerungen an 2021 und 2022
Viele vergleichen die aktuelle Lage mit dem aggressiven Kaufverhalten von Strategy aus dem Jahr 2021. Damals kaufte das Unternehmen zehntausende Bitcoin nahe den Höchstständen des Zyklus. In der Folge verlor Bitcoin über 70 Prozent im Jahr 2022. Strategy hatte dadurch Milliarden an unrealisierten Verlusten und der Aktienkurs fiel um mehr als 80 Prozent.
Strategy musste trotz dieser Verluste nicht verkaufen und profitierte später stark von der bullischen Phase 2024–2025. Dennoch wurde so sichtbar, wie volatil und riskant die Strategie samt Verwässerung durch neue Aktienausgaben ist.
Sponsored„MicroStrategy besitzt die meisten Bitcoin aller börsennotierten Unternehmen. Es hat gerade einen Verlust von 299 Mio. USD gemeldet, weil der Krypto-Crash stattfand. So sieht es aus, wenn man in extrem volatile und aus wirtschaftlicher Sicht wertlose Werte investiert. Schon wenig Nachrichten können zu RIESIGEN Verlusten führen”, meinte der Wirtschaftswissenschaftler Steve Hanke.
Diese Geschichte spielt jetzt wieder eine Rolle. Bitcoin liegt derzeit etwa 42 Prozent unter dem Höchstwert von Oktober 2025 bei 126.000 USD. Dadurch sind in den letzten vier Monaten über eine Bio. USD an Marktkapitalisierung verschwunden.
Cramer erhöht den Druck
Diese Diskussion wird dadurch verstärkt, dass Jim Cramer Michael Saylor öffentlich dazu aufforderte, erneut zu handeln. Für Cramer liegt die „Grenzlinie“ für Bitcoin bei 73.802 USD. Daher fordert er, dass Strategy nochmals eine zinslose Wandelanleihe oder eine Zweitplatzierung durchführt, um den Kurs vor den Quartalszahlen zu stabilisieren.
„Die Gewinne von Strategy hängen davon ab“, schrieb Cramer in einem Kommentar und fragte sich, worüber Saylor sprechen werde, falls sich der Bitcoin-Kurs nicht erholen sollte.
Cramer bekräftigte seine Sicht wenige Stunden später noch einmal. Er stellt Strategy als einen automatischen Verteidiger des Bitcoin-Kurses dar, was allerdings Saylors strikter Weigerung widerspricht, kurzfristige Kursbewegungen zu steuern.
Wachsende Kritik und steigende Systemrisiken
Der Druck kommt nicht nur von Cramer. Zum Beispiel hat Bull Theory den starken Rückgang als Beweis dafür beschrieben, dass etwas Grundlegendes in Krypto kaputtgehen könnte. Andere sehen die Situation sogar noch viel kritischer.
Der bekannte Skeptiker Michael Burry warnt außerdem, dass längere Bitcoin-Kursverluste Firmen mit großen BTC-Beständen schwer treffen könnten. Seiner Meinung nach hat sich Bitcoin nicht als sicherer Hafen gezeigt und könnte folglich für Probleme in Unternehmen sorgen.
Einige Kritiker gehen noch weiter und bezeichnen die Strategie sogar als grundsätzlich unsicher. Sie sagen, dass zu viel Hebel und Verwässerung das gesamte Modell zerstören könnten, falls die Kursschwäche lange anhält.
Darum bleibt die 76.000-USD-Marke entscheidend
Am wichtigsten ist aber im Moment: Wenn der Kurs über 76.000 USD bleibt, kann das Team die eigenen Gewinne als Zeichen von Stabilität, Überzeugung und einer klaren Strategie in bewegten Zeiten zeigen.
„Volatilität ist Satoshis Geschenk an die Gläubigen”, sagte Saylor dazu.
Fällt der Kurs aber unter diese Marke, ändert sich die Stimmung schnell. Dann stehen folgende Themen im Vordergrund:
- Verluste, die noch nicht realisiert wurden
- Verwässerungen durch frühere Kapitalerhöhungen und
- Fragen, ob Strategy überhaupt noch genug Spielraum hat, weitere Bitcoin zu kaufen, ohne dabei den Wert für Aktionäre zu gefährden.
MSTR gilt als Bitcoin-naher Wert mit besonders hohen Schwankungen. Da die nächste Gewinnmeldung kurz bevorsteht, schauen viele jetzt ganz genau hin.
Egal, ob sich der Bitcoin-Kurs jetzt stabilisiert oder weiter fällt: Die langfristige Grundidee von Strategy bleibt zwar gleich. Trotzdem entscheidet sich in dieser Woche, wie die Anleger diese Strategie aktuell bewerten.