Asiens Märkte sind am Montag stark gefallen, weil die Angriffe der USA und Israels auf den Iran weitreichende Auswirkungen hatten: Öl wurde teurer, Aktienkurse sanken und Anleger suchten sichere Anlagen. Allerdings hat sich Bitcoin besser gehalten als gedacht. Der Kurs lag bei rund 66.500 USD, nachdem er am Wochenende zwischen 63.000 und 68.000 USD schwankte.
Da die Straße von Hormus nahezu geschlossen ist und der Brent-Ölpreis zeitweise um 13 Prozent gestiegen ist, zeigt sich im Moment, ob die ständige Handelbarkeit von Bitcoin ein Vorteil in einer Krise ist oder ob der Coin nur zusammen mit anderen risikoreichen Anlagen fällt.
Asien startet im Minus und macht Verluste wieder wett
Der Nikkei in Japan ist zum Start um 2,15 Prozent eingebrochen und hat mehr als 1.260 Punkte verloren. Bis zur Mittagszeit war der Rückgang auf 1,66 Prozent geschrumpft. Der Index stand bei 57.875. Der Hang Seng in Hongkong verlor 2,54 Prozent, der Straits-Times-Index in Singapur 2,13 Prozent. Der Shanghai-Index hielt sich besser und sank nur um 0,45 Prozent.
Fluggesellschaften in der Region wie Qantas, Singapore Airlines und Japan Airlines verzeichneten Verluste von über 5 Prozent, weil die Schließung der Straße von Hormus Flugrouten störte und die Treibstoffpreise stiegen. Auch chinesische Airlines standen stark unter Druck.
Der starke Anstieg beim Ölpreis ließ im Tagesverlauf nach. Brent hatte zu Beginn um bis zu 13 Prozent zugelegt, aber die US-Öl sorte WTI lag am Mittag nur noch 4,24 Prozent im Plus. Auch die Futures auf die wichtigsten US-Aktienindizes erholten sich: Der S&P 500 war 0,67 Prozent im Minus, der Dow 0,71 Prozent – beide deutlich über den Tagestiefs von über 1 Prozent Verlust. Gold stieg um 1,76 Prozent.
Chinas Energiesektor entwickelte sich gegen den Trend. PetroChina startete mit einem Plus von 7 Prozent in den Handel in Shanghai, und der CSI Energy Index gewann 5 Prozent. In Südkorea blieb der Kospi-Index am Montag wegen eines nationalen Feiertags geschlossen – dort könnte die Reaktion am Dienstag heftig ausfallen.
Bitcoin lag im Tagesverlauf zwar bei 2,2 Prozent im Minus, hat sich damit aber besser entwickelt als viele Aktienindizes und Futures in Asien.
Die Auswirkungen für Krypto
Die Unruhe begann am Samstag, als US- und israelische Angriffe Ziele im Iran trafen und dabei den iranischen Führer Ajatollah Ali Khamenei töteten. Bitcoin fiel kurz nach den Angriffen unter 64.000 USD, und der gesamte Krypto-Markt verlor etwa 128 Mrd. USD an Wert. Viele riskante Positionen im Derivatehandel wurden zwangsliquidiert.
Die Erholung kam schnell. Nachdem iranische Staatsmedien Khameneis Tod bestätigten, spekulierten Händler, dass das Macht-Vakuum für eine Entspannung sorgen könnte. Bitcoin stieg am Sonntag bei wenig Handel auf über 68.000 USD. Doch dieser Optimismus schwand wieder, als Iran mit Raketen und Drohnen zurückschlug und Ziele in Israel, den VAE und Bahrain traf. Am Sonntagabend (Ortszeit New York) fiel der Kurs wieder unter 66.000 USD.
Am frühen Montag in Asien lag der Bitcoin-Kurs dann bei rund 66.543 USD mit einer 24-Stunden-Spanne zwischen 65.149 und 68.043 USD. Das Handelsvolumen betrug in 24 Stunden über 43,6 Milliarden USD – ein Zeichen für viel Aktivität, weil Anleger ihre Positionen vor US-Börsenstart anpassten.
Hormus: Das echte Risiko
Die größte Gefahr für die Märkte besteht in der Schließung der Straße von Hormus. Durch diese Wasserstraße werden etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels verschifft. Schiffsverfolgungsdaten zeigen, dass sich viele Tanker kaum bewegen. Mindestens drei Schiffe wurden nahe der Meerenge angegriffen. Laut Ökonomen könnte eine längere Blockade den Ölpreis auf bis zu 108 USD pro Barrel treiben.
OPEC+ versuchte am Sonntag, die Sorgen vor zu wenig Öl zu verringern. Die Organisation kündigte an, ab April 206.000 Barrel pro Tag zusätzlich zu fördern – das ist mehr als viele Fachleute erwartet hatten. Saudi-Arabien, Russland, Irak, die VAE und vier weitere Mitglieder erhöhen ihre Produktion. Allerdings warnten viele Experten, dass diese Maßnahme nur wenig helfen könnte. Wenn weiterhin weniger Öl durch den Golf transportiert werden kann, wäre die zusätzliche Menge kaum relevant. Für die Preise sind die Transportwege wichtiger als die Gesamtfördermenge.
Für Krypto bringt der Ölschock ein doppeltes Problem: Höhere Energiepreise erhöhen die Inflationserwartungen. Dadurch könnten Zinssenkungen der US-Notenbank später kommen, obwohl der Markt darauf gehofft hatte. Selbst mit dem Eingreifen von OPEC+ könnte eine dauerhafte Störung in Hormus dafür sorgen, dass Ölpreise lange hoch bleiben. Das würde die Inflation weiter anfeuern und ist schlecht für risikoreiche Anlagen wie Bitcoin.
Druckventil oder Risiko-Asset: Was steckt dahinter?
Das Wochenende hat gezeigt, dass sich die Rolle von Bitcoin in geopolitischen Krisen verändert. Wenn traditionelle Märkte geschlossen sind, nimmt Krypto den Abgabedruck aus Aktien, Anleihen und Rohstoffen auf. Fachleute nennen das den „Druckventil-Effekt”. Bitcoin ist die einzige große liquide Anlage, die rund um die Uhr gehandelt wird. Am Wochenende hat der Coin die meisten Verkäufe aufgesogen. Die wirklichen Kursbewegungen dürften aber für Montag erwartet werden, wenn die US-Aktienmärkte und Bitcoin-ETFs wieder öffnen.
Diese ETFs sind ein neuer wichtiger Faktor. In den letzten drei Handelstagen in der vergangenen Woche flossen fast 254 Mio. USD netto in die Spot-Bitcoin-ETFs. Zum Wochenstart am Montag wird sich zeigen, ob institutionelle Anleger auch bei noch mehr geopolitischem Stress an ihren Positionen festhalten.
Die Finanzierungssätze bei Bitcoin-Futures sind stark ins Negative gerutscht. Der CMC Crypto Fear and Greed Index lag bei 15 – das ist klar in der Zone „Extreme Angst“, wo er schon seit Wochen liegt. Einige Marktbeobachter sehen in dieser Stimmung ein Gegensignal: Wenn die Angst groß ist und viele auf fallende Kurse setzen, werden Long-Positionen besonders belohnt.
Wie geht es weiter?
Etwas Beruhigung kam auf, nachdem US-Präsident Trump der New York Times sagte, er könne sich vorstellen, die Sanktionen gegen den Iran aufzuheben, wenn die neue Führung einen pragmatischen Kurs einschlägt. Auch ein hoher Berater des Weißen Hauses sagte gegenüber Journalisten, dass Irans neue Übergangsregierung zu Gesprächen bereit sei und Trump zugestimmt habe, sich darauf einzulassen.
Einige Strategen an der Wall Street warnten jedoch davor, zu früh auf eine rasche Erholung zu setzen. Dieses Mal könnte die angespannte Lage länger andauern als die geopolitischen Krisen, die Anleger sonst gewöhnt sind.
Für Bitcoin, der schon 47 Prozent seit seinem Allzeithoch im Oktober bei 126.000 USD verloren hat, bleibt die Unterstützung bei 60.000 USD sehr wichtig. Fällt der Kurs darunter, könnte es bis auf die Mitte der 50.000er-Spanne gehen. Schafft es der Coin dagegen, über längere Zeit hinweg über 70.000 USD zu steigen, könnte ein Short Squeeze ausgelöst werden, weil so viele auf fallende Kurse setzen.
Da die neuesten US-Inflationsdaten am 11. März veröffentlicht werden und die Fed am 18. März ihre Zinsentscheidung bekanntgibt, stehen Krypto und vor allem Bitcoin vor wichtigen Ereignissen. Der Konflikt mit Iran macht das alles noch viel schwieriger.