Der Bitcoin-Kurs schwankt in den letzten Wochen zwischen etwa 70.000 und 60.000 USD. Viele Händler sind daher unsicher, wohin sich der Kurs als Nächstes bewegt.
Die BeInCrypto-Expertengruppe, zu der unter anderem Personen mit Verbindungen zu Standard Chartered und Kraken gehören, sieht aktuell Anzeichen für eine Phase der Stabilisierung am Markt. Ein weiterer starker Einbruch wird im Moment nicht erwartet. Das Kurs-Tief der letzten Zeit liegt in der Nähe von 60.000 USD. Marktdaten auf der Chain und der Marktaufbau deuten darauf hin, dass sich in diesem Bereich eine Basis bilden könnte. Allerdings ist auch ein weiterer Rückgang möglich, sollten wichtige Signale ausbleiben.
Sinkende Volatilität und weniger Verschuldung: Entspannt sich der Markt?
Ein erstes Zeichen für eine beginnende Stabilisierung ist oft eine sinkende Volatilität. Wenn die Schwankungen abnehmen, lässt der Verkaufsdruck meist nach, und der Markt könnte eine Basis ausbilden.
Die annualisierte, reale Volatilität von Bitcoin lag im Juni 2022, auf dem Höhepunkt eines früheren Bärenmarkts, bei rund 93,2 Prozent.
Im Vergleich dazu fiel die Volatilität im Januar 2026 bis auf 25,8 Prozent. Inzwischen ist sie zwar wieder auf etwa 60 Prozent gestiegen, dennoch zeigt der vorherige Rückgang, dass die extremen Panikphasen, wie man sie von den stärkeren Bärenmärkten kennt, weitgehend vorbei sind.
Michael Walsh, Vorsitzender einer Tochtergesellschaft von Standard Chartered und einer Kraken-Einheit, hat auf diese Entwicklung hingewiesen.
„Die reale Volatilität bewegt sich aktuell wirklich am unteren Ende im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren.”
Blickt man zudem auf die historischen Daten der ‚Realized Volatility‘ (erstes Bild), sieht man: Das Maß sinkt, wenn der Boden im Bärenmarkt stärker wird. Das lässt sich auch derzeit beobachten.
Ein weiteres Anzeichen für bessere Marktbedingungen ist der Rückgang bei der Nutzung von Hebelprodukten im Derivatebereich.
Während der Bodenbildung am Markt im Jahr 2022 lag das Open Interest der Bitcoin-Derivate bei rund 33 Milliarden USD. Heute sind es etwa 22,6 Milliarden USD.
Die Entspannung beim Hebel ist nicht nur im Vergleich zu den letzten Monaten deutlich. Das wird auch klar, wenn man die Hebelquoten auf den Plattformen betrachtet.
Laut CryptoQuant ist das geschätzte Bitcoin-Hebelverhältnis auf Binance seit Februar von 0,198 auf 0,152 gefallen. Das zeigt, dass deutlich weniger spekuliert wird.
Solche Anpassungen beim Hebel passieren häufig, wenn Händler mit großem Risiko durch Liquidationen gezwungen werden, ihre Positionen zu schließen. Kurzfristig kann das schmerzhaft sein. Aber meist stabilisiert es die Kurse, da zu viel Spekulation verschwindet.
Zusammengefasst deuten sinkende Volatilität und fallender Hebel darauf hin, dass der Markt sich von Panik entfernt und eher in eine Phase der Stabilisierung oder Bodenbildung übergeht.
Der Realisierte Kurs zeigt, wo eine strukturelle Unterstützung entstehen könnte
Ein weiteres wichtiges Maß für Analysten auf der Suche nach einem Markttief ist der Realized Price von Bitcoin. Dieser gibt an, zu welchem durchschnittlichen Preis alle Bitcoin im Umlauf zuletzt auf der Chain bewegt wurden. Einfach gesagt, ist es die durchschnittliche Kostenbasis des gesamten Netzwerks.
Der Realized Price von Bitcoin liegt aktuell bei rund 55.000 USD (genau 54.465 USD).
In der Vergangenheit begannen Anleger oft in den Markt einzusteigen, wenn Bitcoin auf diesen Bereich zusteuerte. An diesem Punkt liegt der Preis für viele Investoren nahe am eigenen Einstiegskurs. Die Folge: Der Realized Price dient häufig als langfristiges Gleichgewicht, an dem die Nachfrage wieder steigt.
Fällt die aktuelle psychologische 60.000-USD-Unterstützung, könnte der Bereich zwischen 55.000 und 50.000 USD die nächste Zone sein, in der wieder mehr Käufer auftreten.
Allerdings reicht der Realized Price für eine Bodenbildung nicht aus. Auch das Verhalten der Anleger, besonders der langfristigen Investoren, liefert wichtige Hinweise.
Langfristige Anleger starten gerade mit der Bitcoin-Akkumulation
Langfristige Halter sind Anleger mit großer Überzeugung, die ihren Bitcoin in der Regel länger als 365 Tage behalten (nicht nur 155 Tage wie normale Hodler).
Ein wichtiger Messwert, um dieses Verhalten zu verfolgen, ist der Netto-Positionswechsel der langfristigen Halter. Dieser Wert zeigt, ob Langzeit-Anleger ihre Bitcoin-Bestände erhöhen oder verringern. In den vergangenen drei Monaten war dieser Indikator meist negativ. Das bedeutet, dass die langfristigen Halter ihre Coins während der Korrektur weiterhin abgegeben haben.
In letzter Zeit sind jedoch kleine grüne Ausschläge sichtbar. Das zeigt, dass langfristige Halter langsam wieder mit dem Sammeln beginnen. Obwohl dies ein positives Signal ist, bleibt der Umfang des Aufbaus im Vergleich zu früheren Zyklen aktuell recht klein.
Erfahrungsgemäß beginnen starke Anstiege meist erst nach längeren Phasen des Akkumulierens durch langfristige Halter. Ein Beispiel gab es zwischen Mai und Juli 2025, als starkes Sammeln dem kräftigen Anstieg von Bitcoin im weiteren Jahresverlauf vorausging.
Dies deckt sich mit der wichtigsten Erkenntnis aus der BeInCrypto Expert Council Diskussion. Dort haben zum Beispiel Geoff Kendrick, Global Head of Digital Asset Research bei Standard Chartered, und Michael Walsh auf die allmähliche Rückkehr des Anlegervertrauens als möglichen Fall der Basisbildung von Bitcoin hingewiesen.
Ein weiterer Indikator hilft dabei, das Kursniveau zu identifizieren, bei dem Anleger mit langem Anlagehorizont den Markt typischerweise schützen.
Dieser Messwert ist als Realisierter Preis der langfristigen Halter bekannt. Er schätzt die durchschnittlichen Kosten für Coins, die speziell von Langzeit-Investoren gehalten werden. Momentan liegt dieses Niveau bei rund 47.000 USD.
Wenn der Bitcoin-Kurs diese Region erreicht, beginnen langfristige Halter erfahrungsgemäß verstärkt zu kaufen, da die Kurse dann an ihre durchschnittlichen Einstiegspreise heranreichen.
Interessant ist, dass auch das frühere Zurücksetzen des Hebels erklären könnte, warum die Akkumulation nun langsam wieder einsetzt. Sinken die Hebel auf den Derivatemärkten und verringert sich die Volatilität, dominieren weniger spekulative Händler. Der Markt wird folglich für langfristige Investoren attraktiver, die ihre Positionen wieder aufbauen möchten.
ETF-Zuflüsse und Marktstimmung bestimmen, ob sich ein stabiler Boden bildet
Die Nachfrage von Institutionen könnte letztlich entscheiden, ob Bitcoin eine Basis bildet oder weiter fällt, wie in der Expert Council Diskussion betont wurde. Einer der klarsten Wege, institutionelle Aktivitäten zu beobachten, sind die Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs.
Die ETF-Zuflüsse zeigen ein klares Muster bei früheren Wendepunkten.
Vor dem Markttief im April 2025 gab es große ETF-Abflüsse im Februar und März. Ab April kehrten die Zuflüsse jedoch zurück und hielten mehrere Monate an, was die Erholung untermauerte. Auch aktuell ist ein ähnliches Muster zu sehen.
Bitcoin-ETFs verzeichneten von November 2025 bis Februar 2026 vier Monate in Folge Abflüsse. Diese anhaltenden Abflüsse zeigten die schwächere institutionelle Nachfrage während der Korrektur.
Im März wurden bislang rund 735 Millionen USD an Zuflüssen verzeichnet. Das deutet darauf hin, dass institutionelle Investoren womöglich langsam wieder an den Markt zurückkehren. Sollten die Zuflüsse auch im restlichen Monat weitergehen, könnte dies darauf hindeuten, dass der Markt in eine frühe Phase der Basisbildung eintritt.
Stimmungs-Indikatoren liefern zusätzliche Einblicke. Ein viel genutzter Wert ist das Net Unrealized Profit/Loss (NUPL). Dieses Maß zeigt den gesamten nicht realisierten Gewinn im Bitcoin-Netzwerk.
Liegt NUPL hoch, sitzen die meisten Investoren auf Buchgewinnen. Sinkt NUPL ins Negative, geraten die meisten Anleger ins Minus und der Markt kippt in eine Kapitulation. Aktuell liegt das NUPL von Bitcoin bei etwa 0,22. Dadurch befindet sich der Markt in einer Zone von Hoffnung und Angst, wie Analysten sagen.
Das bedeutet: Die Investoren halten derzeit moderate, nicht realisierte Gewinne. Von einem starken Kapitulationsniveau wie im Bärenmarkt 2022 – damals war NUPL unter -0,23 gefallen – ist der Markt jedoch weit entfernt. Interessant ist, dass das Jahr 2025 sein Tief auch ohne massive Kapitulation fand: Damals blieb das NUPL um 0,42, bevor die Rally startete.
Falls sich die ETF-Zuflüsse weiter verbessern, könnte Bitcoin auch innerhalb der aktuellen Stimmungszone eine Basis ausbilden, anstatt in eine volle Kapitulation überzugehen.
Bitcoin-Kurs zeigt wichtige Kursmarken
Auch wenn On-Chain-Messwerte Orientierung geben, definiert letztlich das Kursbild die wichtigsten Marken für Anleger.
Auf dem Drei-Tages-Chart hat Bitcoin kürzlich ein sogenanntes Death Cross gebildet. Dabei fällt der exponentielle gleitende Durchschnitt (EMA) der letzten 50 Perioden unter den EMA der vergangenen 200 Perioden – ein Trendindikator, der jüngste Kurse stärker gewichtet.
Die durch die EMA ausgelöste Schwäche fällt mit der wachsenden Verbindung zwischen dem Bitcoin-Kurs und Technologiewerten zusammen. Auch unsere Experten haben auf diese Entwicklung hingewiesen.
Die Beziehung zwischen dem Bitcoin-Kurs und dem Invesco QQQ Trust (QQQ), der den NASDAQ-100 abbildet und als Indikator für große Technologiewerte dient, stieg Ende Februar auf einen Wert von 0,77. Das zeigt, dass der Bitcoin-Kurs weiterhin wie ein Risiko-Asset im Einklang mit Wachstumsaktien gehandelt wird. Sollten Technologiewerte aufgrund von makroökonomischen Faktoren oder geopolitischen Spannungen an Wert verlieren, könnte dies kurzfristig auch auf den Bitcoin-Kurs durchschlagen.
Mit Hilfe technischer Marken lassen sich das Januarloch beim Bitcoin bei etwa 98.000 USD, das Februartief bei rund 60.000 USD und die Erholung auf 73.900 USD nachzeichnen. Daraus ergeben sich jetzt mehrere wichtige Kurszonen.
Der erste große Widerstand liegt wenig überraschend bei 73.900 USD. Schließt der Bitcoin-Kurs drei Tage in Folge über dieser Zone, würde dies das Erholungsszenario stärken und zeigen, dass bullische Dynamik zurückkehrt.
Nach unten ist der Bereich zwischen 60.000 und 59.500 USD die wichtigste Unterstützungszone. Bricht diese Unterstützung, befindet sich das nächste wichtige Kursniveau in der Nähe von 55.000 USD, was ungefähr dem realisierten Kurs von Bitcoin entspricht.
Bitcoin-Kursanalyse: TradingView
Ein tieferer Kursrückgang könnte die BTC-Kurse in den Bereich von 50.000 bis 44.000 USD führen. Dort verläuft der realisierte Preis von langfristigen Haltern.
Geoff Kendrick von Standard Chartered hat bereits auf eine ähnliche Möglichkeit hingewiesen, jedoch mit einem bullischen Ausblick:
„Ich glaube, Anleger möchten bei solchen Rücksetzern allmählich einsteigen. Jeder Rückgang unter 60.000 USD ist meiner Meinung nach gut. Vielleicht fällt der Kurs bis auf 50.000 USD… Ich könnte mir vorstellen, dass wir bis zum Jahresende wieder bei 100.000 USD stehen”, sagte er.
Die aktuelle Marktstruktur von Bitcoin deutet darauf hin, dass sich der Coin eher in einer Übergangsphase befindet und nicht in einem vollständigen Kapitulationszyklus.
Allerdings muss der Widerstand bei 74.000 USD noch überwunden werden. Solange dies nicht gelingt, bleibt das Risiko eines weiteren Rückgangs in den Bereich zwischen 55.000 und 50.000 USD bestehen.