Prognosemärkte werden immer bekannter – aber auch umstrittener. Eine neue Studie zeigt, dass Prognosen, die auf Märkten getroffen werden, inzwischen ähnlich gut sind wie klassische Wirtschaftsprognosen – zumindest über mehrere Monate hinweg.
Fachleute sagen, dass solche Märkte mit echtem Geld und laufender Aktualisierung der Kurse Politikerinnen und Forschern einen aktuellen, informationsreichen Maßstab für wirtschaftliche Erwartungen liefern könnten.
SponsoredPrognosemärkte: Immer treffsicherer – jetzt droht der Regulierungs-Schock
Eine aktuelle Analyse zeigte, dass die von Kalshi abgeleiteten Prognosen für den Leitzins der US-Notenbank in etwa über 150 Tage hinweg eine durchschnittliche Abweichung hatten. Diese war ähnlich wie die Vorhersagen aus der Umfrage der Federal Reserve Bank of New York bei Wirtschaftsexperten.
Einfach gesagt: Die Studie stellte fest, dass Crowd-Prognosen für rund 150 Tage im Voraus (etwa drei Notenbanksitzungen) im Durchschnitt genauso genau sind wie Vorhersagen von führenden Wirtschaftsexperten, die von der New Yorker Fed befragt werden.
Allerdings stehen Plattformen wie Kalshi durch wachsende Bekanntheit immer mehr im Visier der Regulierer. Der CFTC-Vorsitzende Michael Selig kündigte an, dass die Behörde alleinige bundesweite Kontrolle über Prognosemärkte beanspruchen wolle.
„Wir sehen uns vor Gericht”, erklärte die Behörde und reichte eine Stellungnahme beim Berufungsgericht im neunten Bezirk ein – bezüglich des Falls zwischen Crypto.com und dem Nevada Gaming Control Board.
Im Streit geht es darum, ob das Bundesrecht für Rohstoffe Vorrang vor den Glücksspielgesetzen einzelner Bundesstaaten hat. Im letzten Jahr stoppte Nevada die Sport-Verträge von Crypto.com mit der Begründung, es handle sich um nicht zugelassenes Glücksspiel.
Sponsored SponsoredCrypto.com entgegnete, dass die eigenen Produkte bundesweit regulierte Derivate unter der Aufsicht der CFTC seien. Während ein Bezirksgericht Nevada Recht gab, wird der Fall nun vor dem neunten Berufungsgericht verhandelt.
Auch der ehemalige CFTC-Chef Chris Giancarlo reichte eine unterstützende Stellungnahme ein. Er warnt, dass mehr Einfluss der Bundesstaaten das einheitliche Regelwerk für Derivatemärkte gefährden könnte.
Politische Kritik und Großwetten: Warum Prognose-Märkte jetzt polarisieren
Die politischen Reaktionen kamen schnell. Spencer Cox nannte Prognosemärkte „Glücksspiel – und sonst nichts”. Der Gouverneur von Utah versprach, mit allen verfassungsrechtlichen Mitteln gegen zu viel Bundes-Einfluss vorzugehen.
Elizabeth Warren äußerte ebenfalls Bedenken und warf der CFTC vor, den Bundesstaaten ihre Befugnisse zu nehmen. Sie forderte die Behörde auf, sich um den Schutz des klassischen Derivatemarkts zu kümmern und nicht „korrupten politischen Insidern” zu helfen.
Während diese Diskussionen laufen, wollen institutionelle Anbieter von dem Bereich profitieren. Bitwise Asset Management hat bei der SEC beantragt, ETFs einzuführen, die Wahlprognosen der „PredictionShares“-Plattform abbilden. Fachleute sehen das aber kritisch.
Sponsored„Prediction-Markt-ETFs sind für mich verrückt. Bitwise hat gerade beantragt, ETFs zu starten, die an den Ausgang der US-Präsidentenwahl 2028 gekoppelt sind. Jetzt machen wir aus Wahlwahrscheinlichkeiten börsenhandelbare Produkte. Nichts scheint mehr tabu zu sein. Politik, Stimmung, Schwankungen – alles wird zu Finanzprodukten. Warum machen wir nicht gleich aus allem ein Casino?”, sagte Coin Bureau CEO Nic Puckrin.
Auch Roundhill Investments und GraniteShares haben ähnliche Anträge gestellt. Das zeigt, dass viele regulierte, bekannte Möglichkeiten für Prognosemärkte wollen.
Plattformen wie Polymarket binden immer mehr Nutzerinnen ein – zum Beispiel bei Wahlen, geopolitischen Themen oder Sportveranstaltungen.
Der Ausgang beim Streit zwischen Bund und Bundesländern könnte entscheiden, ob Prognosemärkte künftig zu einem festen Bestandteil der Finanzwelt werden oder ein umstrittener Nischenbereich bleiben.
Inzwischen sind die Daten von Kalshi weiterhin ähnlich zuverlässig wie klassische Wirtschaftsvorhersagen. So wird die Debatte um Glaubwürdigkeit und Kontrolle schärfer. Prognosemärkte stehen deshalb genau an der Schnittstelle von Finanzen, Recht und Politik.