Der Finanzdienstleister Charles Schwab plant, den direkten Handel mit Bitcoin und Ethereum noch vor Ende Juni zu ermöglichen.
Dieser Schritt könnte die Vormachtstellung von auf Krypto spezialisierten Börsen infrage stellen, denn das Unternehmen verwaltet Vermögenswerte von insgesamt 12 Billionen USD für seine Kunden.
Das Unternehmen bereitet sich darauf vor, seinen Kunden den direkten Zugang zu Kryptowährungen über eine neue Plattform mit dem Namen ‚Schwab Crypto‘ anzubieten.
„Erhalten Sie frühzeitigen Zugang zum Schwab Crypto-Konto, angeboten von Charles Schwab Premier Bank, SSB — Ihr neues Portal zum Kauf und Verkauf der Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum”, heißt es auf der Website des Unternehmens.
Bemerkenswert ist, dass Schwab den Service über die Charles Schwab Premier Bank, SSB aufbaut. Diese Sparkassenlizenz auf Bundesstaatsebene steht für einen vorsichtigen, regulatorisch orientierten Ansatz für das neue Produkt.
Zudem schließt das Unternehmen zu Beginn Kunden aus, die in Bundesstaaten mit strengen Kryptovorschriften wohnen, darunter New York und Louisiana. Dies zeigt, dass Schwab regulatorische Sicherheit höher bewertet als eine sofortige landesweite Expansion.
Außerdem unterstreicht die Entscheidung, das Angebot anfänglich auf Bitcoin und Ethereum zu begrenzen, Schwabs vorsichtige Strategie.
Durch den Ausschluss kleinerer, volatileren Kryptowährungen schafft das Unternehmen Vertrauen in die zwei wichtigsten digitalen Vermögenswerte und schützt zudem die Retail-Kundenbasis vor sehr spekulativen Bereichen des Marktes.
Marktbeobachter erwarten, dass Schwabs Einstieg dem Kryptomarkt erhebliche Kapitalzuflüsse bringen und die Assetklasse weiter legitimieren wird.
Tome Dunleavy, Oberhaupt des Bereichs Venture bei Varys Capital, hob hervor, dass die Bank mit ihrem Angebot „neue Käufer” an den Markt bringen werde.
Allerdings bedeutet dieser Schritt auch einen Beginn intensivierten Wettbewerbs mit etablierten Kryptowährungsbörsen wie Coinbase und Robinhood.
Gleichzeitig markiert diese Initiative eine strategische Neuausrichtung für den in Westlake, Texas ansässigen Broker. Bisher hatte Schwab seinen Kunden den Zugang zu digitalen Vermögenswerten nur indirekt über krypto-bezogene Aktien, Futures und börsengehandelte Produkte angeboten.
Mit dem direkten Handel möchte Schwab zudem die Spreads und Gebühren einbehalten, die bislang an ETF-Anbieter von Drittparteien flossen. So verbleiben die lukrativen Einnahmen im eigenen Ökosystem.
Schwab hat in der Vergangenheit mit aggressiver Preispolitik überzeugt, etwa als das Unternehmen 2019 die Gebühren für den Aktienhandel auf null senkte. Sollte Schwab eine ähnlich günstige Gebührenstruktur auf digitale Vermögenswerte anwenden, könnte dies die Margen im Sektor der Kryptobörsen stark unter Druck setzen.
Darüber hinaus bietet Schwab seinen Kunden die Möglichkeit, traditionelle Altersvorsorge, Aktien und digitale Vermögenswerte auf einer Plattform zu verwalten, wodurch mehrere verschiedene Finanzanwendungen überflüssig werden.