Firmen schätzen immer mehr Stablecoin-Abwicklungen statt Banküberweisungen. USD Coin (USDC) hat bei Transfervolumen Tether (USDT) überholt, während die gesamte Stablecoin-Aktivität Rekorde erreicht.
Dieser Wandel zeigt, dass Unternehmen grundsätzlich anders mit Geld umgehen. Gründe dafür sind die höhere Geschwindigkeit, geringere Kosten und dass Firmen regulierte, auf den US-Dollar lautende Abwicklungen bevorzugen.
Stablecoin-Volumen erreicht Rekordhoch: USDC überholt Tether
Das gesamte Stablecoin-Transaktionsvolumen lag im Februar 2026 bei 1,8 Billionen USD. Das berichtet Leon Waidmann, Leiter für Forschung bei Lisk.
Noch bemerkenswerter ist: USDC hat USDT bei den Übertragungsvolumina übertroffen. Während der dominanten Jahre von Tether als Stablecoin war dies noch nicht passiert.
Waidmann sieht den Grund für diesen Wechsel in einer klaren Vorliebe institutioneller Teilnehmer für regulierte, geprüfte digitale Dollar-Lösungen.
Die Daten zeigen, dass inzwischen Unternehmen und nicht Privatpersonen die wichtigste Kraft hinter der Stablecoin-Aktivität sind.
Auch der Gesamtmarkt spiegelt diesen Trend wider. Die gesamte Marktkapitalisierung der Stablecoins ist auf 314 Milliarden USD gestiegen. Im Januar 2024 waren es noch 131 Milliarden USD, wie Daten zeigen.
33 Bio. USD abgewickelt in 2025 – doppelt so viel wie Visa
Reece Merrick, ein Manager bei Ripple, berichtet, Stablecoins hätten 2025 ein Transaktionsvolumen von 33 Billionen USD erreicht. Das ist ungefähr das Doppelte der jährlichen Abwicklung von Visa.
Das Transaktionsvolumen stieg im Jahresvergleich um 72 Prozent, während die Zahl der aktiven Nutzer um 146 Prozent in 106 Ländern kletterte.
Vor allem grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Unternehmen (B2B) legten besonders stark zu. Sie stiegen um 733 Prozent auf 226 Milliarden USD im weltweiten Stablecoin-Verkehr.
Laut Merrick sind zudem Auslandsüberweisungen, Automatisierung der Gehaltszahlungen und Inflationsschutz in Schwellenländern wichtige Gründe für die Adoption.
Auch regional nimmt die Nutzung zu. In der Türkei sorgt die starke Währungsunsicherheit dafür, dass Stablecoins auf US-Dollar-Basis im Nahen Osten und Nordafrika stark nachgefragt werden.
Nigeria wickelt jährlich 59 Milliarden USD an Auslandsüberweisungen ab. Stablecoins ersetzen zunehmend traditionelle Transferdienste.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde mit DDSC ein von der Landeswährung gedeckter Stablecoin für institutionelle Abwicklungen genehmigt. Damit wird ein Markt von 170 Milliarden USD adressiert.
Circle bestätigt in nur 30 Minuten Zahlungen über 68 Millionen USD – Infrastruktur wächst rasant
Der Einsatz von Stablecoins in Unternehmensfinanzen wird greifbar: Die Circle Internet Group nutzte USDC und ihre Plattform Circle Mint, um 68 Millionen USD in weniger als 30 Minuten zwischen acht internen Unternehmen abzuwickeln.
Mit herkömmlichen Banküberweisungen hätten diese Bewegungen einen bis drei Tage gedauert.
Laut Circle-CEO Jeremy Allaire erledigte dieses Verfahren etwa 90 Prozent der internen Verrechnungen des Konzerns an nur einem Tag. Das Monatsabschlussverfahren wird dadurch deutlich beschleunigt.
Das System arbeitet rund um die Uhr, auch außerhalb der Banköffnungszeiten, und bietet vollständige Nachvollziehbarkeit und rollenbasierte Freigaben.
Bei einer Bilanzpressekonferenz bezeichnete Allaire diese Abwicklung als Beweis, dass Stablecoin-Abwicklungen direkt in bestehende Unternehmensstrukturen integriert werden können — ohne dass alle Prozesse völlig neu aufgebaut werden müssen.
Coinbase arbeitet währenddessen daran, die Infrastruktur für eine breite Stablecoin-Nutzung bereitzustellen. Geschäftschef Shan Aggarwal betont, die Börse habe einen komplett integrierten Stablecoin-Bereich entwickelt.
Dies umfasst Emission, Abwicklung über das Base Layer-2 (L2) Netzwerk und Wallets für private sowie institutionelle Nutzer.
Die USDC-Guthaben über alle Coinbase-Produkte hinweg beliefen sich zum Ende des vierten Quartals 2024 auf 17,8 Milliarden USD.
Bernstein setzt auf Circle: Wettbewerb spitzt sich zu
Anderswo bewerteten Analysten bei Bernstein die Circle-Aktie als besser als den Markt. Sie prognostizierten einen Kursanstieg von 71 Prozent auf 190 USD vom damaligen Kursstand von 111 USD.
Das Unternehmen beschreibt Circle als einen „langfristigen Gewinner seiner Branche“ und nennt folgende Gründe:
- Einhaltung von regulatorischen Vorgaben
- Strategische Partnerschaften
- Solide Liquidität und
- Starke technologische Basis
Nach Ansicht der Bernstein-Analysten sind dies Wettbewerbsvorteile, die Konkurrenten nur schwer nachahmen können.
Circle erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 2,7 Milliarden USD. Das sind 64 Prozent mehr als im Jahr 2024. Die Einnahmen aus Transaktionen wuchsen dabei am stärksten: Sie stiegen im Jahresvergleich um 112 Prozent. Dies lag unter anderem an der verstärkten Nutzung von USDC in Prediction Markets und weiteren Anwendungen.
Allerdings nimmt der Wettbewerb zu. Tether brachte im Januar 2026 USAT auf den Markt — einen staatlich regulierten Stablecoin, der an den US-Dollar gebunden ist. Damit will Tether in den US-Markt zurückkehren, in dem Circle bislang eine starke Stellung hatte.
Laut DefiLlama lag die USAT-Ausgabe zum Zeitpunkt dieses Artikels bei knapp unter 20 Millionen USD.
Unabhängig davon haben auch Fintech-Unternehmen wie PayPal, Stripe und Klarna – ebenso wie mehrere Banken – eigene Stablecoin-Projekte angekündigt.
Kann Circle seine Führungsposition behaupten, während der Stablecoin-Markt auf Bereiche wie Unternehmensfinanzen, KI-basierte Zahlungen und neue Märkte wächst?
Ob das gelingt, hängt unter anderem davon ab, wie schnell die regulierte Infrastruktur von Circle im Vergleich zur wachsenden Konkurrenz skaliert werden kann.