Anthropic hat heute, am 10. Juni, Claude Fable 5 veröffentlicht. Diese Version ist öffentlich zugänglich und basiert auf dem zuvor eingeschränkten Mythos-Modell. Damit ist die leistungsstärkste Künstliche Intelligenz zur Entdeckung von Schwachstellen jetzt jedem mit Abo verfügbar. Für den DeFi-Bereich hat das sofortige Auswirkungen.
Bis heute war Mythos nur über Project Glasswing zugänglich, und zwar nur für etwa 150 ausgewählte Organisationen wie Google, Microsoft oder JPMorgan. Dieses Modell hatte bereits mehr als 10.000 kritische Schwachstellen in wichtiger globaler Software gefunden.
Was Fable 5 kann und was nicht
Anthropic teilt mit, dass Fable 5 mit festen Sicherheitsgrenzen ausgestattet ist. In risikoreichen Bereichen, etwa Cybersicherheit, Biologie, Chemie oder Modell-Destillation, blockiert das Modell Antworten, sodass stattdessen Claude Opus 4.8 genutzt wird.
Anthropic hat das System vor Veröffentlichung von Fable 5 mit umfangreichen Sicherheitstests geprüft. Bei einem externen Bug-Bounty-Test stellte sich heraus, dass es nach mehr als 1.000 Teststunden keinen universellen Jailbreak gab.
Bei sensiblen Cybersecurity-Anfragen erfolgt der Rückgriff auf das Alternativmodell in weniger als 5% aller Sessions. Das bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Anfragen mit Fable 5 vollständig beantwortet wird.
Gerade für DeFi fällt die Ausnutzung von Smart Contracts nicht direkt unter Anthropics eingeschränkte Kategorien. Das Auffinden einer Schwachstelle in einem Solidity-Vertrag ähnelt eher einer Programmieraufgabe als einem klassischen Cyberangriff.
Fable 5 überzeugt durch außergewöhnliche Leistungen im Bereich Softwareentwicklung. Je länger und komplexer die Aufgabe, desto größer ist der Vorsprung dieses Modells gegenüber aktuell verfügbaren Alternativen. Für nicht geprüfte DeFi-Protokolle mit öffentlich einsehbarem Code auf der Blockchain hat das besondere Bedeutung.
Das Beispiel von Zcash ist aktuell in Sicherheitskreisen im Umlauf. Eine einfachere Version der Anthropic-Architektur entdeckte innerhalb von 24 Stunden eine kritische Schwachstelle im Zcash-Protokoll. Diese war vier Jahre lang selbst Fachleuten nicht aufgefallen.
Warum DeFi besonders gefährdet ist
Allein Fable 5 macht es deutlich günstiger und einfacher, Schachstellen in Smart Contracts zu finden. White-Hat-Experte MevenRekt bringt es auf den Punkt: Die Kosten und die Fachkenntnisse, die bislang für das Auffinden von Smart-Contract-Schwachstellen nötig waren, sinken jetzt nahezu auf null.
Protokolle ohne Prüfung werden so zu leichten Zielen. Bekannte Exploits können jederzeit bei Forks wiederholt werden. Auch kleine Projekte geraten ins Visier, da der Aufwand für einen Angriff kaum noch ins Gewicht fällt.
Anthropic hat bereits letzte Woche gewarnt, dass sich KI-Systeme so rasant weiterentwickeln, dass sie bald zur rekursiven Selbsterweiterung fähig sein könnten, also sich ohne Menschenhilfe selbst verbessern.
Die Empfehlung von Sicherheitsexperten ist eindeutig und dringend: Ziehen Sie Token-Genehmigungen zurück, übertragen Sie Vermögenswerte auf Hardware-Wallets und reduzieren Sie das Risiko bei Protokollen, denen Sie nicht vollkommen vertrauen. Nicht erst morgen. Schon heute.









