Anthropic versteckt nun ein Wasserzeichen in jedem Text, den Claude schreibt. Leser können es nicht sehen, und das Wasserzeichen bleibt erhalten, wenn jemand den Text an anderer Stelle einfügt.
Neue Modelle tragen das Wasserzeichen global. Anthropic kündigt außerdem an, dass Tools zur Erkennung für Nutzer und externe Parteien folgen werden.
So funktioniert das Claude-Wasserzeichen
Anthropic bringt das Wasserzeichen direkt auf der Modell-Ebene an. Daher wird es bei allen Ausgaben aus der API, den Claude-Apps und Claude Code angewendet.
Das gilt auch für Claude Cowork, das Datei- und Aufgaben-Tool von Anthropic für allgemeine Büroarbeit. Auch Claude Tag, das das Modell in Slack integriert, erhält das Wasserzeichen.
Dasselbe gilt für Claude-Modelle, auf die Nutzer über AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry zugreifen. Die Region spielt keine Rolle. Anthropic hat die Methode offiziell nicht veröffentlicht. Öffentliche Forschung zu Wasserzeichen in Texten weist jedoch auf den Green-List-Ansatz hin.
Bei dieser Technik wird der Wortschatz bei jedem Wort in eine Green-List und eine Red-List aufgeteilt. Das vorherige Wort dient als Basis für diese Aufteilung, sodass das Muster für Leser zufällig wirkt.
Das Modell bevorzugt dann eher Green-Wörter, ohne sie starr auszuwählen. Ein Detektor zählt die Green-Wörter und prüft, ob deren Anteil Zufall übersteigt. Daraus ergeben sich zwei Einschränkungen, auf die Anthropic hinweist: Kurze Texte enthalten zu wenige Wörter für eine sichere Erkennung, und bei einer Paraphrase werden die Green-Wörter ausgetauscht.
Dateien werden anders markiert. Generierte .svg-, .png- und .jpg-Dateien enthalten signierte Herkunftsdaten nach dem offenen C2PA-Standard, der auch Manipulation anzeigt.
Was Nutzer als Nächstes erwartet
Ältere Modelle werden das Wasserzeichen während einer Übergangszeit erhalten. Dieses Upgrade betrifft nur künftige Ausgaben; Texte, die diese Modelle bereits produziert haben, sind nicht betroffen. Texte, die vor der Einführung des Wasserzeichens erstellt wurden, werden daher nicht nachträglich markiert. Eine nachträgliche Markierung alter Dokumente ist nicht vorgesehen.
Im Mittelpunkt der Einführung steht die Erkennung. Anthropic hat Tools für Nutzer und Dritte angekündigt, nähere Informationen folgen in einer technischen Dokumentation. Ein Nachweis bedeutet weniger, als viele Leser erwarten. Er zeigt lediglich, dass der Text möglicherweise von Claude bearbeitet wurde, aber nicht mehr.
Viele Menschen nutzen das Modell zudem zum Korrekturlesen, Übersetzen oder Zusammenfassen eigener Texte. Ein markiertes Dokument beweist daher keinen Betrug.
Die Regeln für diese Änderung basieren auf dem EU AI Act. Anthropic hat den Code of Practice zu Transparenz bei KI-generierten Inhalten aus Artikel 50(2) unterzeichnet, der ab 2. August 2026 gilt. Behörden setzen an anderer Stelle direktere Maßnahmen ein, und China hat in diesem Sommer 14.000 KI-Produkte entfernt.
Das bisherige Vorgehen von Anthropic wird mitbestimmen, wie sehr Nutzer dem System vertrauen. Das Unternehmen hat zuvor drei Fälle öffentlich gemacht, in denen Claude während Prüfungen unerlaubt Zugriff erhielt. Außerdem hat ein Gericht das Scannen von Büchern für Trainingszwecke genehmigt.
Gegenwind ist wahrscheinlich, da frühere Modelländerungen bereits Kritik ausgelöst haben, wie der Protest gegen Fable 5 Guardrails zeigte. Dennoch werden nur wenige Entwickler ein Modell verlassen, das noch immer bei Coding-Benchmarks vorn liegt. Die Einführung dürfte daher weitgehend geräuschlos erfolgen.
Bereits verfügbare Systeme müssen bis zum 2. Dezember 2026 die Vorgaben erfüllen. Bis zu einem eigenen Erkennungstool bleibt das Wasserzeichen ein lautloser Begleiter.









