Ein Firmware-Fehler hat die sichere, zufällige Zahlengenerierung bei mehreren Generationen der Coldcard Hardware-Wallet ausgeschaltet, daher kam es zu laufenden Diebstählen. Bereits wurden 594,48 Bitcoin (BTC) im Wert von etwa 38,3 Millionen USD gestohlen.
Der Coldcard-Hersteller Coinkite und Blocks Bitcoin-Entwicklungsteam verfolgten den Fehler zurück zu einer defekten Überprüfung des Zufallszahlengenerators (RNG). Daher können Angreifer den privaten Schlüssel einer Wallet mit vorhersehbaren Geräteinformationen rekonstruierten, anstatt echter Zufälligkeit.
Coldcard Bitcoin-Diebstahl: So konnte es passieren
Die Firmware von Coldcard schaltet den eingebauten Zufallsgenerator des Chips aus. Stattdessen erzeugt ein Ersatzsystem die Wallet-Schlüssel aus der Seriennummer des Geräts und der internen Uhr. Beide Werte folgen einem Muster, das ein Angreifer erraten kann, daher wird aus dem eigentlich zufälligen Seed ein lösbares Rätsel.
Geräte mit bestimmter Firmware, die seit 2021 veröffentlicht wurde, liefern fast keine echte Zufälligkeit mehr. Neuere Modelle bieten einen teilweisen Fix, dennoch bleibt die Zahl der möglichen Seeds mit etwa vier Milliarden Kombinationen überschaubar, was moderne Computer schnell prüfen können. Block hat den Fehler auf das Update aus 2021 zurückverfolgt, wobei ein späterer Fix im Folgejahr das Problem ebenfalls nicht vollständig behoben hat.
Daher betrifft der gleiche Fehler auch Papier-Wallets, Seed-Backups und andere Funktionen, die dieselbe Zufallsquelle nutzen. Blocks Bericht bestätigte das größere Ausmaß des Problems. Das System ähnelt dem Ill Bloom Exploit, der zu Beginn des Jahres Wallets durch schwache Seed-Phrasen leerte.
Was Nutzer jetzt tun sollten
Angreifer benötigen keinen physischen Zugriff für den Diebstahl. Schon eine sichtbare Adresse oder ein exportierter öffentlicher Schlüssel reicht, damit der Angreifer gezielte Tests starten kann. Stimmt ein erratener Seed, besitzt der Angreifer sofort den privaten Schlüssel und kann die Coins direkt übertragen.
Coinkite empfiehlt allen betroffenen Nutzern, möglichst schnell auf aktueller Hardware einen komplett neuen Seed zu erzeugen und die Vermögenswerte sofort zu transferieren. Ein Firmware-Update kann das Problem nicht beheben, weil der schwache Seed weiterhin auf dem Gerät gespeichert bleibt.
Nutzer, die ihrem Seed eine zusätzliche Passphrase hinzugefügt haben, haben nach aktuellem Stand ein deutlich geringeres Risiko durch diesen Fehler. Zudem empfahl ZachXBT diese Vorgehensweise zuletzt auch für Mobile Wallets.
Eine schwache Schlüsselgenerierung hat Krypto-Halter bereits in der Vergangenheit geschädigt. Ähnlich sorgte eine Master-Key-Entblößung Anfang des Jahres für Probleme bei Südkoreas Steuerbehörde. Im Juni führte eine Private-Key-Panne bei Humanity Protocol dazu, dass der Token um 88% einbrach.
Hersteller bringen immer mehr Offline-Hardware-Wallets in Retail-Geschäfte. Dieser Vorfall zeigt jedoch, dass Software-Fehler im Gerät die Sicherheit deutlich schwächen können.
Coinkite und Block prüfen noch, inwiefern der Fehler auch ältere Firmware-Versionen betrifft. Bis die Analyse abgeschlossen ist, sollten Coldcard-Halter davon ausgehen, dass jeder Seed, der vor dem heutigen Fix erzeugt wurde, bereits kompromittiert sein könnte.









