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Consensus Hongkong 2026: Kommt jetzt der institutionelle Wandel?

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Geschrieben von
Bradley Peak

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Redigiert von
Phil Haunhorst

06 März 2026 10:00 CET
  • ETFs stärken langfristige Investments: Institutionelle Zuflüsse bleiben stabil – Nachfrage hält auch bei Rücksetzern an
  • Infrastruktur ist der entscheidende Faktor: Die Konferenz drehte sich um professionelle Abläufe – zuverlässige Verfügbarkeit, Governance, Compliance, Krisenmanagement und nachhaltige Wirtschaftlichkeit.
  • Regulatorische Klarheit und starke Infrastruktur entscheiden über die nächsten Gewinner: Hongkongs Lizenz-Strategie bei Stablecoins sorgt für skalierbare Liquidität und Cross-Chain-Integration
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„Mit jedem gestarteten ETF bleibt das Geld mehr im Markt“, sagte der CEO von Canary Capital, Steven McClurg

Diese Idee war eine der wichtigsten Erkenntnisse von Consensus Hong Kong dieses Jahr: Wir sind jetzt wirklich im Zeitalter der langfristigen Geldanlage angekommen.

Bei der Consensus Hong Kong 2026 (10. bis 12. Februar 2026) kamen 11.000 angemeldete Besucherinnen und Besucher aus über 122 Ländern und Regionen ins Hong Kong Convention and Exhibition Centre. Viele der Teilnehmer waren Führungskräfte, dazu kamen Geldgeber, Betreiber und Menschen, die an der Infrastruktur arbeiten.

„Digitale Vermögenswerte. Institutioneller Maßstab.“ – Das zeigte sich auch im Programm. Die Themen auf den Panels drehten sich um die Einführung bei Institutionen, Stablecoin-Infrastruktur und den Aufbau der Kapitalmärkte im Internet. Es gab auch Ansätze, Blockchain-Infrastruktur mit künstlicher Intelligenz und Robotik zu verbinden. Am Ende ging es aber immer wieder um die gleichen Punkte: gute Durchführung und Verlässlichkeit.

Schon am Anfang fiel auf, dass die Gespräche immer wieder zur Markt-Infrastruktur zurückkamen. Beim Future of Finance Summit, dem Global Bitcoin Summit und beim Advanced Trading Track wurde klar: Die nächste Phase von Web3 muss zeigen, dass sie in großem Maßstab und mit echtem Kapital stabil funktioniert.

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Stabiles Kapital, lockere Regulierung und die starke US-Story

McClurg nutzte das eigene XRP-Produkt von Canary als Beispiel für das, was er damit meint, wenn er von „klebrigerem“ Kapital spricht.

„Wir haben letztes Jahr einen XRP-ETF gestartet und sogar an den schlechtesten Tagen am Markt bekamen wir immer wieder neue Einzahlungen – das bedeutet, die Leute sehen eine Chance und kaufen den ETF.“

Wenn weiter neues Kapital auch bei fallenden Kursen hineinfließt, dann verändert sich die Marktsituation.

Die Stimmung auf der Consensus entstand genau durch so eine Veränderung. Ein wichtiger Startpunkt war die Zulassung von Bitcoin-ETFs durch die SEC im Januar 2024. Dadurch konnte man einfach über ein bekanntes Wertpapier investieren – und das brachte Bewegung in den Markt.

Mit mehr ETFs in den USA wurde auch das Interesse von den Institutionen größer. Die Qualität der Liquidität wurde wichtiger als nur das Handelsvolumen, es wurde mehr über Absicherungsinstrumente gesprochen und das Thema Marktstruktur stand nun mehr im Mittelpunkt.

Regulierung war immer wieder ein großes Thema in Hong Kong, aber in einem bestimmten Tonfall.

McClurg beschrieb, dass sich in den USA wirklich etwas verändert hat, aber noch nicht alles eindeutig als Gesetz festgelegt wurde.

„Das meiste ist schon passiert, aber es sind weiche Regelungen … nicht unbedingt Gesetze, die beschlossen werden. Es passiert über Anordnungen. Oder über Personalentscheidungen.“

Anders gesagt: Verhalten und frühere Entscheidungen bestimmen das Umfeld, nicht nur die offiziellen Gesetze.

Das passt zu dem, was seit Anfang 2025 in Washington passiert: Maßnahmen der Regierung kündigen nationale Regeln für digitale Vermögenswerte an und die neue SEC-Führung gibt öffentlich das Signal, dass sie einen praktischeren Umgang mit Krypto sucht.

Das Ergebnis: Der Markt wirkt geordneter und vorhersagbarer. Genau das brauchen Institute, bevor sie wirklich viel Geld einsetzen – ein Thema, das auch bei der „The Regulatory Shift“-Diskussion auf der Convergence Stage breit behandelt wurde.

Institutionelle Unsicherheit: Ist die Infrastruktur wirklich robust?

Schwankungen schrecken große Geldgeber inzwischen kaum noch ab. Bei der Veranstaltung wurde klar, dass das oft falsch eingeschätzt wird.

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Cory Loo, Leiter von APAC bei Douro Labs und verantwortlich für APAC Business Development beim Pyth Network, sagte zu diesem Punkt:

„Institutionen kennen das Thema Schwankungen. Was ihnen aber immer noch Sorgen macht, ist, ob Kryptos Infrastruktur und Geschäftsmodelle wirklich für große Anleger geeignet sind – und zwar nicht im Werbesprech, sondern mit echten Zahlen. Sie wollen echte Umsätze, echte Kunden, echte Vorschriftenerfüllung und echte Betriebszeiten sehen.“

Seiner Meinung nach wirken Teile der Branche oft größer, als sie tatsächlich sind. Es sieht von außen nach viel aus, aber wenn Institute das genauer prüfen, fehlt manchmal die nötige Stabilität oder Wirtschaftlichkeit.

Genau das spiegelte sich auch in den Themen auf der Consensus wider. Beim „Advanced Trading“-Programm ging es um Liquidität, Sicherheit und die neue Rolle von chainübergreifenden Lösungen und neuen Protokollen, die Märkte klarer und effizienter machen sollen.

Es wirkt so, als ob „institutionstauglich“ jetzt zur Grundvoraussetzung für Projekte in Krypto geworden ist. Betriebszeit, Verhalten bei Störungen, Verwaltung und Vorschriftenerfüllung sind keine Nebensache mehr.

Deshalb haben Anbieter von Infrastruktur, die echte Nutzungszahlen vorlegen können, nun einen Vorteil. Das Pyth Network zum Beispiel sagt öffentlich, es sei jetzt mit mehr als 600 Protokollen auf über 100 Chains verbunden und liefere Tausende von Kursdaten, immer mehr auch zu echten Vermögenswerten.

Self-Custody, Wissenslücke und warum Aggregation jetzt der Standard wird

Ein besonders hilfreiches Signal kam bei Consensus von Andrey Fedorov, CMO & CBDO von STON.fi Dev, in einem exklusiven Interview mit BeInCrypto. Er sprach über eine wichtige Entscheidung im Produktdesign: Will man schneller Nutzer gewinnen oder baut man lieber mit Prinzipien, die auch dann halten, wenn viel Geld oder Kontrolle in den Markt kommt?

„Wir könnten schneller wachsen, wenn wir bei der Verwahrung Abstriche machen würden. Aber dann würden wir keine DeFi-Infrastruktur bauen, sondern nur eine weitere Fintech-Schicht.“

Wenn mehr reguliertes Kapital in den Markt kommt, steigen die Anforderungen daran, was als akzeptable Verwahrung, akzeptables Risiko und verantwortungsvolle Abwicklung gilt. Selbstverwahrung ist nicht immer der einfachste Weg, um Nutzer zu erreichen. Dennoch arbeitet die Branche laut der Veranstaltung gezielt an diesem Ansatz.

Fedorov hat außerdem auf ein interessantes Problem bei der Einführung hingewiesen:

„Wenn jemand seine Seed Phrase verliert, können wir den Zugang nicht wiederherstellen. Wir haben sie nicht. Wir hatten sie nie. Trotzdem kommen Nutzer oft zu uns und erwarten Unterstützung, so wie bei einer Bank oder einer zentralen Börse.“

Grundsätzlich lernt die Branche die Nutzer gerade erst, was Selbstverwahrung bedeutet. Klar ist, dass Aufklärung ein wichtiger Teil der Kosten ist, wenn man nicht-verwahre Systeme groß aufbauen will.

Fedorov hatte jedoch direkt eine Lösung – Verteilung und Aggregation:

„Mache es denen leichter, die sich keine Gedanken über Technik machen wollen. Erreiche mehr Nutzer, indem du überall in die Apps integriert bist. Und bündele Liquidität von mehreren Chains, nicht nur einer. Das ist die Roadmap. Jetzt geht es darum, das zu skalieren.“

Genau so hat auch Consensus fortschrittliches Trading in diesem Jahr dargestellt – mit Lösungen über verschiedene Chains und neuen Protokollen, die für mehr Effizienz und Zugänglichkeit sorgen sollen.

Im Fall von STON.fi kann man Omniston hervorheben. Das Team sieht darin ein Liquiditäts-Aggregationsprotokoll, das für TON entwickelt wurde und verschiedene Liquiditätsquellen über eine einzige Integration zusammenführt.

Hongkong öffnet sich für institutionelle Investoren – aber setzt auf Sicherheit

Viele Gespräche auf der Konferenz haben sich um die US-ETFs, Präzedenzfälle und das, was McClurg „weiche Regulierung“ genannt hat, gedreht. Aber bei Consensus Hongkong stand auch klar das lokale Thema im Fokus. Hongkong will ein globales Zentrum für digitale Vermögenswerte werden – Wachstum soll aber über Lizenzen, Anlegerschutz und Risikomanagement erfolgen.

In seiner Eröffnungsrede stellte John Lee (Chef der Hongkonger Sonderverwaltungsregion) den Ansatz Hongkongs als bewusst „stetig und nachhaltig“ vor. Er verwies auf einen aktiv aufgebauten Regulierungsrahmen und eine Politik, die das Potenzial von Web3 in echte Ergebnisse am Finanzmarkt umsetzen will.

Das wurde in den Aussagen von Paul Chan (Finanzminister) noch konkreter. Er erklärte, welche Trends für die Regierung zentral sind: Die Tokenisierung von realen Vermögenswerten geht von der Testphase in die Umsetzung über; die Zusammenarbeit von TradFi und DeFi vertieft sich (wobei DeFi immer stärker reguliert wird); und die Überschneidung von KI und digitalen Vermögenswerten nimmt zu – frühe Ideen einer ‚Maschinenökonomie‘ entstehen, in denen autonome Systeme auf der Chain handeln.

Consensus 2026 hat gezeigt, dass Kapital bereit ist zu investieren, wenn klare Regeln gelten und Mittler zur Verantwortung gezogen werden können.

Stablecoins und Tokenisierung: Was du jetzt wissen musst

Lee hat Hongkongs Ziel, ein „Hub“ zu werden, auch mit der neuen Stablecoin-Regulierung verknüpft. Er wies auf die Stablecoin-Verordnung hin und sagte, die HKMA bearbeite bereits Anträge. Die ersten Stablecoin-Lizenzen für Stablecoins mit Fiat-Deckung sollen „innerhalb des nächsten Monats“ ausgegeben werden.

Eddie Yue, der Chef der HKMA, sagte im Parlament, dass die erste Runde im März 2026 erwartet wird und anfangs nur eine „sehr kleine Zahl“ von Lizenzen vergeben wird. Im Vordergrund stehen dabei Anwendungsfälle, Risikokontrollen, Geldwäscheprävention und Reservedeckung.

Chan erklärte in seiner Keynote, was das für Institutionen bedeutet. Tokenisierung geht von Pilotprojekten in die Anwendung über und wird von On-Chain-Versionen bekannter Instrumente wie Staatsanleihen und Geldmarktfonds angeführt.

Dafür nannte er lokale Zahlen. Dazu zählen Hongkongs Pilotprogramm für grüne, tokenisierte Anleihen, Banken, die bis Ende 2025 über 14 Mrd. HKD an digitalen Vermögenswerten in Verwahrung halten und tokenisierte Einlagen von 29 Mrd. HKD.

Bei einer Diskussion zur Tokenisierung realer Vermögenswerte kamen Führungskräfte von Securitize, Ondo und J.P. Morgans Kinexys zusammen und sprachen darüber, wie Real World Assets immer mehr als Teil vertrauter Kategorien für Institutionen eingeordnet werden.

Auf dem Event wurde klar, dass Zahlungen, Abwicklung und regulierte Emission jetzt das Wettbewerbsfeld sind. Selbst in Vorträgen zur „Maschinenökonomie“ (KI-Agenten, Robotik, Abläufe auf der Chain) drehte sich vieles um lizenzierte Emittenten, durchsetzbare Kontrollen, Geldwäscheprävention und die Überprüfbarkeit, unter anderem.

Risiko-Lust kehrt zurück – aber nicht ohne Vorbehalte

Einfach ausgedrückt: Der Markt entwickelt sich so, dass institutionelle Einführung ein Beschaffungsprozess wird. Entscheidend sind etwa Compliance, Steuerung, Verfügbarkeit, Reaktion auf Probleme und ob das Geschäftsmodell auch ohne starke Marktzyklen überlebt.

Zwei Dinge zeigen die Richtung deutlich: Die Agenda konzentrierte sich stark auf Marktstruktur (Liquidität, Sicherheit, Regulierung, Ausführung über verschiedene Chains). Es wurde klargemacht: Krypto-Infrastruktur auf Unternehmensebene funktioniert nur mit regulatorischer Rückendeckung, Hongkongs Stablecoin-Lizenz-Programm ist das beste Beispiel.

Die Risikobereitschaft kehrt zurück, ist aber an Bedingungen geknüpft. Kapital bewegt sich schneller, wenn das Fundament berechenbar ist. So wird Krypto für Investoren planbar und widerstandsfähig, auch wenn es turbulent wird.

Für die Consensus Miami (5. bis 7. Mai 2026) steht bereits fest: Es wird noch stärker um Stablecoins, Tokenisierung, Kapitalmärkte und Regulierung gehen, mit eigenen Programmen zu Bitcoin (inklusive Mining und institutionellen Strategien), Wealth Management Day, Stablecoin University, PitchFest und Hackathon.

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In Übereinstimmung mit den Richtlinien des Trust Project gibt dieser Meinungsartikel die Perspektive des Autors wieder und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten von BeInCrypto wider. BeInCrypto bleibt einer transparenten Berichterstattung und der Einhaltung höchster journalistischer Standards verpflichtet. Den Lesern wird empfohlen, die Informationen unabhängig zu überprüfen und einen Fachmann zu konsultieren, bevor sie auf der Grundlage dieses Inhalts Entscheidungen treffen.

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