Das On-Chain-Analyseunternehmen Santiment weist darauf hin, dass Diskussionen über „Dritter Weltkrieg“ in Krypto-Communities auf Social Media aktuell stark zunehmen. Sie sind so hoch wie zuletzt im Juni 2025.
Vor dem Hintergrund von gemeinsamen Angriffen der USA und Israel auf den Iran bereiten sich Krypto-Trader zumindest online auf das Schlimmste vor.
„Dritter Weltkrieg“: Diese Krypto-Trends bewegen die Kurse im eskalierenden US–Israel–Iran-Konflikt
Der sprunghafte Anstieg kommt, während sich die Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran nach koordinierten Angriffen in der letzten Woche sowie darauf folgenden Vergeltungsschlägen mit Raketen und Drohnen in der Golfregion verschärfen.
Die neue Eskalation erinnert an den Konflikt zwischen dem 13. und 24. Juni des letzten Jahres. Damals griff Israel iranische Atom- und Militäranlagen an, was zu direkter Vergeltung führte.
Die USA halfen damals bei der Abwehr iranischer Angriffe und führten später eigene Schläge durch. Der Iran reagierte mit Angriffen durch Raketen und Drohnen, unter anderem auf einen US-Stützpunkt in Katar. Am 24. Juni kam es dann zu einem Waffenstillstand.
Deshalb suchen viele Menschen derzeit bei Google verstärkt nach „Dritter Weltkrieg“. Das Suchinteresse nähert sich den Werten vom Juni 2025.
Auch Santiment merkt an, dass die Unsicherheit wegen der aktuellen Kämpfe und die Erinnerung an die Konfrontation im Vorjahr die Angst im Internet verstärken.
Viele Social-Media-Nutzer sehen die aktuelle Lage immer mehr als möglichen Auslöser für einen größeren globalen Krieg.
Die traditionellen Märkte verhalten sich jedoch nicht so, als würde bald ein Weltkrieg beginnen.
Märkte bleiben trotz WW3-Sorgen ruhig – On-Chain-Daten zeigen „null Panik“
Das Makro-Analyseportal The Kobeissi Letter widersprach der Panik und erklärte, dass die Terminmärkte keineswegs ein systemisches Ereignis einpreisen.
Der Ölpreis sprang zuerst stark nach oben, hat aber fast die Hälfte des Anstiegs schon wieder verloren. Der S&P 500 ist weniger als ein Prozent im Minus, Gold hat etwa zwei Prozent zugelegt und der Bitcoin ist am Tag sogar im Plus.
„Keine Panik. Der Staub wird sich legen“, erklärte das Portal und hob den Unterschied zwischen Online-Diskussionen und tatsächlicher Kurs-Entwicklung hervor.
Der Marktanalyst Kyle Doops meint, dass beim aktuellen Fokus auf den Ölpreis eigentlich Gold als Vergleich wichtiger ist.
In früheren Stressphasen – im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie in den inflationsreichen 1970er-Jahren – nahm Gold einen deutlich größeren Anteil an den globalen Aktienmärkten ein.
Aktuell bleibt der Anteil trotz weltweiter Rekordschulden und wachsender politischer Spannungen deutlich unter den alten Höchstwerten.
In Krypto-nahen Kreisen ist die Stimmung geteilt. Manche Trader sagen, dass Kleinanleger zuerst panisch reagieren, während große Akteure im Hintergrund still aufstocken.
„Volatilität ist schon eingepreist“, schrieb ein Nutzer und deutete an, dass Charts oft erst Gefühle und dann die Realität zeigen.
On-Chain-Daten sprechen derzeit eher für eine ruhigere Situation.
CryptoQuant-Daten: Verkäufer erschöpft – Kurzzeit-Halter geben nicht auf
Laut der Blockchain-Analysefirma CryptoQuant verkaufen Bitcoin-Anleger, die kurzfristig halten und gewöhnlich am schnellsten reagieren, momentan nicht panisch.
Der Indikator „Short-Term Holder P&L to Exchanges“ von CryptoQuant zeigt, dass der verkaufsgetriebene Druck – vorwiegend von kürzlichen Käufern im Verlust – seit dem Kapitulationsereignis am 5. bis 6. Februar abnimmt.
Auffällig war, dass zu diesem Zeitpunkt etwa 89.000 BTC mit Verlust innerhalb von 24 Stunden zu Börsen geschickt wurden. Seitdem sind diese von Verlusten getriebenen Zuflüsse immer weiter zurückgegangen.
Obwohl Bitcoin in der letzten geopolitischen Eskalation in den Bereich von 63.000–64.000 USD gefallen ist, gab es dennoch keinen spürbaren Anstieg bei den Zuflüssen von kurzfristigen Haltern zu Börsen.
„Kein Panikgewinnverkauf, keine Verlust-Kapitulation“, beobachtete die Firma.
Diese Veränderung zeigt, dass ein Großteil des aktuellen Verkaufsdrucks wohl schon aufgenommen wurde. In der Vergangenheit stabilisieren sich die Märkte meist, wenn sogenannte schwache Hände mit dem Verkaufen fertig sind.
In sozialen Krypto-Medien wird vielleicht schon der Dritte Weltkrieg „eingepreist“. Allerdings scheinen Bitcoin, Gold, Aktien und sogar Öl eher auf eine begrenzte Eskalation zu setzen.
Das wichtigste Signal für die Zukunft wird sein, ob die Zuflüsse von kurzfristigen Haltern ruhig bleiben. Wenn Panikverkäufe weiter ausbleiben, könnte diese Angstwelle nur ein weiterer Stimmungsschub und nicht der Beginn eines größeren Markteinbruchs sein.