Die Krypto-Person der Woche: Bachir “Athene” Boumaaza

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IN KÜRZE
  • Egal ob Politik, Youtube, Poker, oder Wohltätigkeit: Bachir "Athene" Boumaaza fand stets einen Exploit.

  • Statt einer gemeinnützigen Organisation gründete er eine Sekte um Spendengelder zu sammeln.

  • Seinen Krypto-Token Purpose (PRPS) nannte er absichtlich einen Scam, um an ICO-Reulierungen vorbeizukommen.

  • promo

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In dieser Kolumne geht es Woche für Woche um Persönlichkeiten aus der ganzen Welt, die sich im Kryptoversum durch besonders interessante Ansichten oder Aktionen hervorgetan haben. Meine Krypto-Person der Woche ist Bachir Boumaaza, besser bekannt unter seinem Youtube-Pseudonym Athene.



Der Internet-Star und Philanthrop war bereits in vielen verschiedenen Feldern tätig. Dabei haben seine Aktivitäten stets eine Gemeinsamkeit: Boumaaza sucht nach Exploits und verwendet sie zu seinem Vorteil. Dadurch konnte er unter Anderem mehr als 25 Mio. USD für wohltätige Zwecke sammeln. Derzeit arbeitet er an einem dezentralen bedingungslosen Grundeinkommen, sowie einem mobilen NFT-Game.

Von der Politik zum Youtube-Star

Boumaaza wuchs in Belgien auf und wurde mit 20 Jahren erstmals politisch aktiv. Er trat in die Jugendorganisation der Belgischen Grünen Partei ein. Fünf Jahre später wurde er Sprecher der Partei NEE (Flämisch: “NEIN”). Da in Belgien Wahlpflicht herrscht, wollte die Partei denjenigen Wählern einen Ausweg bieten, die generell mit der Politik unzufrieden waren. Ihre Lösung: Sie wollten ihre gewonnenen Parlamentssitze nicht besetzen. Die Partei trat in zwei Wahlen an, konnte jedoch nicht einen einzigen Sitz erringen.



Später fing der begeisterte World of Warcraft Spieler Boumaaza an, Youtube-Videos zu drehen. Er fand dabei als einer der ersten Youtuber heraus, wie man eigene Thumbnails zu den Videos erstellen konnte, als diese Funktion bei Youtube noch nicht verfügbar war. Dazu schnitt er einen einzelnen Frame, der meist eine aufreizend gekleidete Frau zeigte, genau in die Mitte des Videos, welcher dann automatisch als Thumbnail ausgewählt wurde. Dadurch wurde er praktisch über Nacht zum Youtube-Star.

In dieser Zeit legte er sich auch das Pseudonym Athene zu, welches der Nickname von seinem Paladin bei World of Warcraft war. Er schlüpfte in die Rolle eines arroganten und exzentrischen Spielers, der sich selbst großspurig als “Besten Paladin der Welt” bezeichnete. Er versprach jedoch nicht zu viel und stellte mehrere Weltrekorde in World of Warcraft auf.

Vom Pokerspieler zum Sektenführer

Neben WoW spielte Boumaaza in seiner Freizeit auch Poker. Aufgrund seiner exzentrischen Art und seiner Bekanntheit sah die führende Online-Pokerseite PokerStars ihre Chance, Boumaaza als Aushängeschild für ihre Marke zu nutzen und bot ihm einen Profivertrag an.

Unter einem neuen Pseudonym, Chiren80, spielte Boumaaza als Teil des PokerStars Teams. Dort fand er ebenfalls nach kurzer Zeit einen Exploit: Durch seinen Sponsorenvertrag erhielt er eine höhere Rückzahlung (“Rakeback”), als er insgesamt an Taxe an PokerStars bezahlte. Er setzte sich daher alleine einem weiteren Teammitglied an einen Tisch und schob unaufhörlich Geld hin und her, um so möglichst viel Rakeback zu erhalten. Es dauerte jedoch nicht lange, bis er erwischt wurde.

Es ist unklar, welche Sanktionen genau gegen Boumaaza verhängt wurden, jedoch konnte er weiter Teil des Teams bleiben. Im Anschluss daran stellte er einen erneuten Weltrekord auf: Er wollte beweisen, dass es sich bei Poker nicht um ein Glücksspiel handelt. Er spielte daher simultan an 24 Tischen für teilweise 18 Stunden pro Tag, wobei in nur einem Monat über eine Million Hände zusammenkamen.

Seine Erfolge sprechen für sich. Obwohl Boumaaza ausschließlich um die niedrigstmöglichen Einsätze spielte, ging er mit einem Gewinn von knapp 2.200 USD aus dieser Challenge.

Quelle: SoMuchPoker.

Etwa zur selben Zeit änderte sich auch sein Youtube-Stil. Boumaaza begann, Dokumentationen zu drehen, in welchen er tatsächliche wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen der Neurowissenschaft und der Quantenphysik mit New-Age Spiritualismus verquickte. Im Januar 2011 erschien das erste dieser Werke unter dem Titel “Athene’s Theory of Everything”.

Schnell sammelte sich eine Gruppe von Anhängern um den Boumaazas Pseudokult, welchen er Neuro-Spinozismus, oder kurz Athenism taufte. Diese Bewegung war zunächst jedoch nur kurzlebig.

Vom Philanthropen zum Landstreicher

2012 tat sich Boumaaza mit der gemeinnützigen Organisation Save the Children zusammen, für welche er Spenden sammelte. Ein Jahr später gründete er die Organisation Gaming for Good, wo er weitere Streamer für seine philantropischen Unternehmungen gewann. In den Jahren die folgten, sammelte Gaming for Good über 25 Mio. USD an Spendengeldern ein.

Schließlich begann Boumaaza mit seiner Arbeit an einem dezentralen bedingungslosen Grundeinkommen. Zu diesem Zweck gründete er die Singularity Group. Das Problem daran: Die Gruppe besaß kein Geld, da sie ihre eingenommenen Gelder stets direkt an wohltätige Zwecke weitergab. Eine Gründung als gemeinnützige Organisation war daher nicht möglich.

Doch auch hier fand sich ein Ausweg. Boumaaza besann sich auf seine Zeit als spiritueller Führer zurück und gründete eine Sekte. Zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Reese Leysen zog er nach Deutschland und kaufte ein leerstehendes Altenheim in der Lausitz, welches er zu einem Kloster (“The Compound”) umfunktionierte. Dort versammelte er eine Gruppe von Aktivisten, welche bis heute an den Aktivitäten der Singularity Group und Gaming for Good mitwirken.

Finanziert wurde seine Arbeit durch die Herausgabe eines Krypto-Tokens namens Purpose (PRPS). Der Trick dabei: Statt eines Utility-Tokens bezeichnet sich PRPS selbst als Scam. So konnte Boumazaar alle Regulierungen bezüglich ICOs umgehen und die Gruppe von jeglicher juristischer Verantwortung befreien.

Die Besitzer von PRPS können ihre Tokens an Gaming for Good oder das Kloster (streng genommen: Reese Leysen) spenden, oder die Tokens staken, um einen zweiten Token namens Decentralized Universal Basic Income Token (DUBI) zu farmen, welcher als Basis für das bedingungslose Grundeinkommen dienen soll. Eine erster Test dafür wurde bereits 2019 in Uganda abgeschlossen.

Weiterhin arbeitet Gaming for Good derzeit an dem mobilen NFT-Game Clash of Streamers. Als Währung für Mikrotransaktionen akzeptiert das Spiel, welches sich derzeit noch in der Beta-Phase befindet, ausschließlich PRPS oder DUBI.

Insgesamt stellt dieser Artikel nur einen Ausschnitt der Aktivitäten Boumaazas dar. Auf Google Docs findet sich ein anonym erstellter neunseitiger Bericht, welcher seine Aktivitäten detailliert auflistet. Der Bericht schließt mit:

Bachir Boumaazar hat kein Bankkonto, offizieller Status – ein 38-jähriger Landstreicher.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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