Ethereum (ETH) wird aktuell von mehreren Seiten gleichzeitig stärker eingeschränkt: Coins verlassen die Börsen, Staking saugt das Angebot auf, und Stablecoin-Liquidität wird verstärkt auf Ethereum transferiert. Dennoch bleibt der Kurs fast unverändert bei etwa 1.900 USD.
Diese Situation zieht die Aufmerksamkeit von Onchain-Analysten auf sich. Sie sehen einen Markt, der sich leise neu positioniert, während der Chart jedoch kaum Bewegung zeigt.
Angebotsverknappung unter einem stabilen Ethereum-Kurs
Die Ethereum-Bestände auf Börsen sind seit 2026 gesunken. Daten von CryptoQuant zeigen, dass die gesamten Exchange-Reserven auf 15,12 Millionen ETH gefallen sind, von 16,86 Millionen im Januar.
Das bedeutet einen Rückgang von etwa 1,74 Millionen ETH. Dies entspricht fast 10% der verkaufsbereiten Bestände.
Gleichzeitig ist die Aktivität großer Halter, gemessen an den Zu- und Abflüssen der Top-10-Adressen, niedriger als im Durchschnitt der vergangenen Wochen.
Staking liegt inzwischen über 34% des umlaufenden Angebots. Zusätzlich ist die Warteschlange für Validator-Ausstiege nahe null. Die Halter lassen ihre ETH also gestaked, statt zu verkaufen.
Auch börsengehandelte Fonds entziehen dem Markt ETH. Spot-ETH-Fonds sammelten in den vier Wochen bis zum 7. August rund 482 Millionen USD ein, wobei allein die letzte Woche etwa 245 Millionen USD anging. Das kumulierte Nettozuflussvolumen liegt jetzt laut SoSo Value Daten bei etwa 11,46 Milliarden USD.
Die Zahl der neuen Smart Contract-Einführungen ist ebenfalls deutlich gestiegen. Dadurch entsteht eine immer größere Kluft zwischen dem sinkenden verfügbaren Angebot und der zunehmend aktiven Nutzung auf der Blockchain.
Unabhängige Daten bestätigen dieses Bild. Analyst Tanaka merkte an, dass wöchentlich über 20 Millionen Transaktionen stattfinden — ein Wert nahe den historischen Höchstständen.
Ein Analyst zeigte auf, dass ähnliche Situationen, wenn Exchange-Liquidität sinkt und die Aktivität auf der Blockchain zunimmt, in der Vergangenheit zu starken Kursbewegungen geführt haben, sobald die Nachfrage klar wird. Er wies jedoch darauf hin, dass dieses Muster keine Aussage über den Zeitpunkt zulässt.
Wohin sich die Stablecoin-Liquidität verlagert
Auf Seiten der Liquidität zeigt sich ein ähnliches Bild. CryptoOnchain hob hervor, dass in den vergangenen 14 Tagen die täglichen Nettozuflüsse von Stablecoins zu Binance im Schnitt bei rund 87 Millionen USD lagen, aber sich die Zusammensetzung deutlich verändert hat.
Tether (USDT) auf Tron (TRX) wurde sehr stark abgezogen. Die USDT-Bestände von Binance auf Tron sanken von etwa 1,4 Milliarden USD auf 709 Millionen USD in rund zwei Wochen.
Ethereum-basierte Stablecoins entwickelten sich umgekehrt. Die wöchentlichen Nettozuflüsse von USDT auf Ethereum stiegen um 210%, und auch die Zuflüsse von USD Coin (USDC) legten mit 114% deutlich zu.
Dies ist kein Signal, dass Kapital aus dem Markt abfließt. Vielmehr entscheidet das Kapital, auf welcher Blockchain es gehalten wird. Marktteilnehmer bevorzugen offenbar die höhere Liquidität auf Ethereum.
„Große Halter und Marktteilnehmer könnten Sicherheiten von Tron zu Ethereum verschieben, möglicherweise, weil sie eine tiefere DeFi-Liquidität, eine größere Infrastruktur auf Ethereum oder eine Positionierung im Vorfeld möglicher Volatilität auf Ethereum bevorzugen“, heißt es im Beitrag.
Der Auslöser fehlt bislang
Die ETF-Zuflüsse waren zuletzt stabil, aber sie haben den Kurs nicht bewegt. Das spricht dafür, dass das Angebot ausgeglichen am Markt ankommt oder dass die Überzeugung zu gering ist, um einen Ausbruch auszulösen.
Zugleich bleibt das Interesse am Spot-Kauf auf US-Börsen schwach. Der Coinbase Premium Index — ein Maß für die Spotkaufkraft in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu ausländischen Börsen — ist seit Anfang Mai negativ und liegt aktuell bei etwa -0,069.
Unterdessen beschrieb Analyst Michaël van de Poppe die Kurslage als unverändert, da ETH weiterhin zwischen 1.800 USD und 2.000 USD gefangen ist und die Volatilität sich in der Nähe eines Mehrjahrestiefs befindet. Ein klarer Ausbruch über 2.000 USD, so sein Vorschlag, könnte zu einer stärkeren Bewegung führen.
Ob dieser Ausbruch erfolgt, hängt davon ab, ob die Nachfrage stärker wird, was die Daten bisher nicht zeigen. Das aktuelle Muster kann zudem bestehen bleiben, denn ein geringeres Angebot allein sorgt nicht für einen Kursschub.









