Der Ethereum-Kurs ist in eine angespannte Phase gefallen, nachdem der Januar schwach begonnen hat. ETH ist in den letzten 24 Stunden um knapp ein Prozent gefallen und der Rückgang der letzten 30 Tage liegt nun bei etwa 3,6 Prozent. Dennoch bleibt der Kurs deutlich über wichtigen langfristigen Unterstützungen, sodass die Trader bei der Richtung unsicher sind.
Diese Situation ist besonders schwierig, weil die Risiken ausgeglichen sind. Ethereum bewegt sich zwar in einem bärischen Chartmuster, allerdings zeigen die Daten zur Positionierung, dass ein weiterer Rückgang womöglich nicht so eindeutig ist, wie es aussieht.
Ethereum bewegt sich aktuell in einem bärischen Muster – droht ein Kursrutsch?
Im Tages-Chart bildet sich bei Ethereum ein Kopf-Schulter-Muster. Dieses Muster wird als bärisch angesehen: Der Kurs bildet zuerst eine linke Schulter, dann einen höheren Kopf und anschließend eine niedrigere rechte Schulter. Fällt der Kurs unter die Nackenlinie, ist der Abwärtstrend bestätigt.
SponsoredBei Ethereum würde ein Tagesschlusskurs unterhalb der Nackenlinie etwa neun Prozent Kursverlust bedeuten. Steigt der Kurs dagegen um etwa zwölf Prozent, wäre das Muster ungültig und es könnte bullisch weitergehen.
Das Momentum hilft den Bullen bisher nicht. Der Relative Strength Index, kurz RSI, misst die Dynamik des Kurses. Wenn der RSI ein höheres Hoch macht, aber der Kurs ein niedrigeres Hoch bildet, nennt man das eine versteckte bärische Divergenz – sie zeigt, dass der Trend schwächer wird. Genau das ist zwischen Anfang Dezember und Anfang Januar passiert.
Danach ist der Kurs gefallen, wobei noch keine bullische Divergenz entstanden ist. Somit bleibt das Risiko eines weiteren Abwärtsbruchs bestehen und ist noch nicht ausgestanden.
Strukturell bleibt Ethereum also verwundbar. Trotzdem erklärt das Chartmuster alleine nicht alles. Die nächste Frage ist, woher der Verkaufsdruck tatsächlich kommt.
Mehr kurzfristige Verkäufe: Verhalten der Holder schwächt Unterstützung
On-Chain-Daten helfen dabei zu erkennen, wer verkauft und wer nicht.
Sponsored SponsoredZuerst die HODL Waves. Dieser Wert teilt das Ethereum-Angebot in Gruppen, je nachdem, wie lange die Coins gehalten werden. Kurze Haltezeiten stehen oft für spekulatives Kapital, während lange Haltezeiten Überzeugung zeigen.
Zwischen dem 6. und 9. Januar ist der Anteil beim 1-Woche-bis-1-Monat-Zeitraum stark gesunken – und zwar von 7,44 auf 3,92 Prozent. Das ist ein Rückgang um 47 Prozent und erklärt einen großen Teil der aktuellen Schwäche beim ETH-Kurs.
Parallel dazu ist der Anteil der Coins, die zwischen 1 Tag und 1 Woche gehalten werden, von 1,34 auf 2,21 Prozent gestiegen – ein Plus von 65 Prozent. Diese Gruppe verkauft meist sehr schnell, sobald der Kurs sich bewegt.
Langfristige Unterstützung wird zudem schwächer. Der Indikator „Hodler Net Position Change“ zeigt, ob langfristige Halter zukaufen oder verkaufen. Obwohl der Wert noch positiv ist, hat der Kaufdruck deutlich nachgelassen. Die Nettozuflüsse sind von etwa 179.000 ETH am 4. Januar auf rund 135.500 ETH am 9. Januar gefallen – ein Rückgang der Kaufkraft um 24 Prozent.
Einfach gesagt: Langfristige Halter kaufen noch, jedoch nicht mehr so energisch wie zuvor. Das verringert die Absicherung gegen fallende Kurse.
Da die Unterstützung am Spotmarkt schwindet, rücken die Derivate in den Fokus, weil die Positionierung dort oft die kurzfristige Richtung entscheidet.
Derivatemarkt signalisiert erhöhtes Rebound-Risiko, da Ethereum-Kurs immer enger schwankt
Der Daten von Derivaten zeigen ein deutliches Ungleichgewicht.
In großen unbefristeten Märkten liegt die gesamte Short-Liquidation derzeit bei etwa 3,38 Mrd. USD, während sich Long-Positionen auf etwa 1,57 Mrd. USD belaufen. Das heißt, Short-Positionen sind ungefähr 115 Prozent stärker als Long-Positionen. In Prozent ausgedrückt erwartet der Markt also deutlich sinkende Kurse.
Das ist wichtig, weil zu viele Short-Positionen den Kurs auch stark steigen lassen können, wenn der Kurs anzieht. Dann kommt es zu automatischem Kaufdruck durch das sogenannte „Short Squeeze”-Phänomen.
Sponsored SponsoredDieses Risiko sammelt sich um wichtige Kursmarken. Ethereum liegt aktuell bei rund 3.080 USD. Die erste wichtige Unterstützung ist bei 3.050 USD, also einem der wichtigsten Bereiche für die nächste Zeit. Dieser Kurs wurde schon mehrfach getestet.
Danach folgt die Marke bei 2.890 USD. Fällt auch dieser Bereich, wäre ein Schlusskurs unter 2.809 USD ein deutliches Zeichen. Ein Rückgang um 9 Prozent würde das bärische Muster bestätigen und den sogenannten „Neckline Break“ abschließen.
Auf der Oberseite liegt bei 3.300 USD die erste Marke, die das bärische Bild abschwächt. Ein Schlusskurs darüber könnte die rechte Schulter des Musters ungültig machen. Wenn der Kurs sogar auf 3.440 USD steigt, wäre das Muster ganz aufgehoben. Das könnte in einem 12 Prozent starken Anstieg enden, bei dem die Short-Positionen der letzten sieben Tage ausgelöst würden.
Im Moment befindet sich Ethereum zwischen nachlassender Unterstützung durch direkte Käufe und immer mehr Short-Positionen.
Der Ethereum-Kurs ist also noch nicht stark gefallen, aber auch nicht sicher. Der Verkaufsdruck ist gestiegen, und langfristige Käufer sind fast um ein Viertel weniger aktiv. Gleichzeitig bleiben kurzfristige Halter aktiv. Allerdings könnten die Positionen bei den Derivaten schnell in die andere Richtung drehen.
Die nächste große Bewegung wird vom Kurs selbst bestimmt. Ob Ethereum um 9 Prozent fällt oder um 12 Prozent steigt, hängt davon ab, welche Seite zuerst nachgibt.