Nach den US-amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran ist die Straße von Hormus praktisch geschlossen. Das sorgt für eine noch nie dagewesene Energiekrise. Besonders asiatische Volkswirtschaften leiden, weil der wichtigste Öl-Handelsweg der Welt nun nicht mehr genutzt werden kann.
Japan und Südkorea sind am stärksten betroffen. Beide Länder sind fast vollständig auf fossile Brennstoffe angewiesen, die durch die Straße transportiert werden.
Öl-Tankerverkehr komplett gestoppt
Die Kosten für den Transport von Öl per Supertanker vom Nahen Osten nach China sind am Montag auf einen Rekordwert von über 423.000 USD pro Tag gestiegen. Das ist doppelt so viel wie am Freitag, zeigen LSEG-Daten. Die Revolutionsgarde Irans erklärte die Straße für geschlossen und drohte, auf jedes Schiff zu schießen, das passieren will.
Die Ereignisse begannen nach der Tötung des iranischen Oberhaupts Ajatollah Khamenei bei gemeinsamen US-israelischen Angriffen am Samstag. Daraufhin griff der Iran mehrere Golfstaaten an. Mindestens vier Schiffe wurden im Golf getroffen, große Reedereien und Versicherungen meiden die Passage fast vollständig.
Kpler bestätigte, dass viele Firmen sich zurückziehen, nachdem die Versicherungen für Kriegsrisiken aufgehoben wurden. Das führt zu einer faktischen Schließung. Nur wenige Schiffe aus dem Iran oder China — oft ohne westliche Versicherung oder Einstufung — fahren noch.
Asien am stärksten betroffen
Laut der US Energy Information Administration gingen im Jahr 2024 etwa 84 Prozent des Rohöls und 83 Prozent des LNG, das durch die Straße transportiert wurden, an asiatische Märkte. China, Indien, Japan und Südkorea nehmen zusammen etwa 75 Prozent des durch die Engstelle fließenden Öls ab.
Ein Bericht von Zero Carbon Analytics bewertet Japan als am verwundbarsten mit einem Risiko-Score von 6,4. Dann folgen Südkorea mit 5,3 und Indien mit 4,9. Japan bezieht 87 Prozent seines gesamten Energiebedarfs aus importierten fossilen Brennstoffen, Südkorea kommt auf 81 Prozent.
Japan hat deswegen den Nationalen Sicherheitsrat einberufen, während der Premierminister Südkoreas eine landesweite Krisenreaktion anordnete.
Beide Länder haben große Ölreserven, die kurzfristig helfen können. Japans Gesamtölvorräte reichen für etwa 254 Tage des heimischen Verbrauchs. Südkorea hält Reserven für mehr als 210 Tage.
Bei LNG sieht es aber anders aus. Japan hat keinen unterirdischen Gasspeicher; die Terminals decken nur etwas mehr als einen Monat des Verbrauchs, so die IEA. Südkorea hat bei LNG eine ähnliche Schwäche. Hält die Sperrung lange an, wird Gasmangel für beide Länder schneller zum Problem als Öl, weil LNG für die Stromproduktion sehr wichtig ist.
Die Auswertung von Kpler zeigt zudem, dass Indien kurzfristig das größte Risiko hat und wohl sofort mehr russisches Rohöl kaufen wird. China, das bislang weniger russisches Öl gekauft hat, dürfte seine Zurückhaltung aufgeben, sollte der Konflikt länger dauern.
Öl-Kurs-Prognosen gehen weit auseinander
Brent-Öl kostete am Montag etwa 78 USD je Fass — rund 9 Prozent mehr als am Freitag. Experten schätzen ganz unterschiedlich, wie sich die Preise in den nächsten Tagen entwickeln könnten. Das hängt davon ab, wie lange die Lage andauert.
Die Sperrung löst gleich zwei Schocks aus: Sie stoppt die Ausfuhren und verhindert, dass OPEC-Reserven außerhalb genutzt werden können. Einige Analysten rechnen bei einer kurzen Sperre mit Kursen knapp unter 90 USD, andere halten 100 bis 120 USD pro Fass für möglich, wenn der Streit länger anhält. Risikoaufschläge könnten die Preise sogar noch weiter steigen lassen.
Alternative Wege scheitern
Umwege gibt es kaum. Die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien und die Pipeline in Abu Dhabi schaffen gemeinsam etwa 3,5 Millionen Barrel zusätzlichen Transport pro Tag — das ist weniger als 20 Prozent des Gesamtausfalls, laut Rystad. Notfallvorräte der IEA könnten helfen. Allerdings decken die Mitglieder weniger als die Hälfte des weltweiten Ölbedarfs ab.
Da der Iran von „totalem Krieg“ gegen Israel und die USA spricht, zeigt die Krise, wie anfällig asiatische Volkswirtschaften für Störungen in den Versorgungsketten fossiler Brennstoffe sind. Dies könnte den Trend zu mehr Energievielfalt noch weiter beschleunigen.