Die IBM-Aktie legte am Freitag um fast 13% gegenüber dem Schlusskurs am Donnerstag zu und beendete den Tag bei knapp 298 USD. Dies war der stärkste Tagesanstieg der vergangenen Monate nach einer neuen Empfehlung an der Wall Street. Im frühen Handel am Montag steigt der Kurs weiter und überschreitet 300 USD.
Der Auslöser, über den viele sprechen, ist ein wiederveröffentlichtes Trump-Video, das am Wochenende erneut im Umlauf war. Das Filmmaterial stammt tatsächlich aus dem Dezember. Dieser Zeitpunkt ist wichtig, weil der Clip nun viral geht, nachdem die Rallye bereits stattgefunden hat und der Kurs sich einer starken Widerstandszone nähert. Solche Momente locken oft späte Käufer an, wenn die Kursbewegung bereits an Dynamik verliert.
Aktienkurs steigt auf konstantem Volumen und Barclays-Empfehlung
Die IBM-Aktie ist seit dem Tiefpunkt am 13. Mai in der Nähe von 212 USD um bis zu 41% gestiegen, bevor eine kurze Pause einsetzte. Der Anstieg begann lange vor dem viralen Clip, sodass das geteilte Video von US-Präsident Trump über IBM lediglich einen Impuls gab und nicht der Auslöser war.
Der eigentliche Auslöser erfolgte am 1. Juni. Barclays-Analyst Raimo Lenschow begann die Beobachtung der Aktie mit einer Übergewichten-Bewertung und einem Kursziel von 350 USD. Er stellte heraus, dass fast die Hälfte des Umsatzes und der Großteil des Gewinns von IBM aus Software stammt, die an große, regulierte Kunden verkauft wird. Wedbush bestätigte am 29. Mai ein Kaufrating mit einem Ziel von 320 USD. Am frühen Montag nähert sich die IBM-Aktie genau diesem Bereich an.
Das Volumen bestätigt die Bewegung. Die Handelsmenge ist seit Mitte Mai stetig gestiegen, am Freitag wurden 28,48 Millionen Aktien gehandelt, während der Kurs deutlich zulegte.
Die hohe Beteiligung gibt dem Anstieg zusätzliche Glaubwürdigkeit. Wenn in einer schnellen Bewegung das Volumen zunimmt, kann das jedoch auch ein Zeichen für einen Höhepunkt sein, nicht unbedingt für eine stabile Basis. Daher ist das institutionelle Signal wichtig.
Institutionelle Nachfrage bleibt zurück, Optionen zeigen bullische Tendenz
Das institutionelle Bild schwächt die Rallye etwas. Der Chaikin Money Flow (CMF), ein Indikator für institutionellen Kauf- und Verkaufsdruck, hat nachgelassen, obwohl der Kurs gestiegen ist.
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Seit Ende April ist der IBM-Kurs gestiegen, aber der CMF zeigte niedrigere Hochpunkte. Dies ist eine bärische Divergenz, da der Indikator unter einer fallenden Trendlinie handelt.
Der Wert liegt aktuell bei etwa 0,15 und müsste 0,25 überschreiten, um eine institutionelle Überzeugung zu bestätigen. Bis dahin ruht die Rallye auf weniger sicherem Fundament, als der Kurs vermuten lässt.
Auch die Positionierung am Optionsmarkt deutet auf Vorsicht. Das Put-Call-Verhältnis, das bärische Investitionen mit bullischen Investitionen vergleicht, ist mit dem Kursanstieg stark gefallen. Das Verhältnis sank beim Handelsvolumen von 0,60 am 20. Mai auf 0,23. Auch das Open Interest-Verhältnis ging von 0,84 auf 0,66 zurück.
Dieser Rückgang zeigt, dass Short-Positionen wahrscheinlich aufgelöst wurden, anstatt dass neue Long-Positionen auf Basis von Überzeugung aufgebaut wurden. Das deutet darauf hin, dass der Anstieg hauptsächlich durch einen sogenannten Squeeze getragen wurde. Squeeze-bedingte Rallyes verlieren oft an Kraft, sobald die Short-Positionen abgebaut wurden, weshalb die aktuellen Kursniveaus entscheidend sind.
IBM-Kursmarken im Blick: Widerstand bei 319 USD in Reichweite
Die Fundamentaldaten mahnen zu Vorsicht, wie die Zahlen zum 31. März 2026 zeigen. IBM gilt aktuell als überbewertet gegenüber den fairen Wert-Schätzungen in Höhe des Barclays-Ziels, hat rund 66 Milliarden USD Schulden und berichtet gerade von nachlassendem Red Hat Wachstum.
Hinweis: Red Hat ist das Open-Source-Softwaregeschäft, das IBM im Jahr 2019 für 34 Milliarden USD übernommen hat. Es ist zentral für die Hybrid-Cloud-Strategie des Unternehmens.
Trotz des monatlichen Anstiegs von 28% liegt der IBM-Kurs im laufenden Jahr nur leicht im Plus. Das deutet darauf hin, dass die Rallye bisher einen Rückgang aufgeholt, aber noch keinen echten Aufwärtstrend begonnen hat.
Der gemessene Bereich zwischen dem Hoch von Januar bei etwa 319 USD und dem Tief vom 13. Mai bei 212 USD zeigt: Die erste Hürde für den Kurs liegt jetzt bei 296 USD.
Der IBM-Aktienkurs testet aktuell erneut das gleiche Niveau. Ein klarer Tagesschlusskurs über 296 USD eröffnet den Weg in Richtung 319 USD. Allerdings wurde der Kurs von 319 USD sowohl am 12. November als auch am 29. Januar abgelehnt. Daher ist ein deutlicher Schlusskurs über dieser Marke, also weitere 7,5% höher, nötig, um eine Stärke in Richtung des Barclays IBM-Kursziels zu bestätigen.
Auf der Unterseite zeigt sich, wie riskant überfüllte Long-Positionen sind. Sollte der Kurs korrigieren, ist 278 USD die erste Unterstützung, danach folgen 266 USD und 253 USD. Diese Marken können schnell erreicht werden, wenn bullische Optionen abgebaut werden, zeigt der Put-Call-Chart, während der CMF weiterhin schwach bleibt.
Derzeit trennt die Marke von 319 USD einen bestätigten Ausbruch in Richtung des Analystenziels von 350 USD von einer Korrektur, bei der aus überfüllten Long-Positionen ein deutlicher Rückgang werden kann.









