Institutionelle Investoren bringen Kapital in digitale Märkte. Sie investieren aber nicht in spekulative Altcoins. Ihr Fokus liegt auf Tokenisierung, Verwahrung und der Infrastruktur auf der Blockchain.
Das wurde in einer Diskussionsrunde beim BeInCrypto Digital Summit deutlich. Manager aus den Bereichen Börsen, Infrastruktur und Tokenisierung sprachen darüber, wie traditionelle Finanzunternehmen Krypto sehen.
An der Diskussion nahmen Federico Variola, CEO von Phemex; Maria Adamjee, globale Leiterin der Investorenbeziehungen und Marktstruktur bei Polygon; Jeremy Ng, Gründer und CEO von OpenEden; und Gideon Greaves, Leiter der Investitionen bei Lisk, teil.
Operative Exponierung statt Spekulation
Maria Adamjee von Polygon sagte, dass Institutionen nicht mehr darüber diskutieren, ob Krypto ins Portfolio gehört. Die Frage ist nun, wie groß der Anteil sein soll.
„Institutionen zweifeln nicht mehr, ob Krypto dazugehören sollte”, sagte Maria Adamjee von Polygon. „Sie überlegen, wie groß dieser Anteil als neue Anlageklasse sein soll.”
Sie erklärte jedoch, dass die meisten großen Vermögensverwalter kein direktes Risiko mit volatilen Token eingehen. Sie suchen stattdessen „operative Beteiligung“ über Tokenisierung, Verwahrung und On-Chain-Abwicklung.
Mit anderen Worten: Sie kaufen Zugang zur Infrastruktur und spekulieren nicht auf Kursschwankungen.
Überzeugung wird weiter auf die Probe gestellt
Federico Variola, CEO von Phemex, war vorsichtiger. Er fragte sich, ob Institutionen wirklich langfristig einsteigen.
„Nicht viele Unternehmen setzen wirklich voll auf Krypto”, sagte der CEO von Phemex. Viele Institutionen gestalten Partnerschaften so, dass ihr Kerngeschäft nicht gestört wird.
Er warnte, dass der aktuelle Enthusiasmus bei einer langen Flaute nachlassen könnte. „Falls wir in eine längere Bärenphase kommen, sehen wir vielleicht nicht mehr so viel Interesse wie jetzt”, sagte er.
Das wirft eine wichtige Frage auf: Bauen Institutionen wirklich strategische Anteile auf oder sichern sie sich nur ab, um Risiken zu begrenzen?
Tokenisierung: Die Brücke zur Zukunft
Jeremy Ng, Gründer und CEO von OpenEden, sieht die beste Chance für Institutionen bei tokenisierten echten Vermögenswerten.
Er verwies unter anderem darauf, dass Hedgefonds ihr Engagement im Krypto-Bereich ausbauen und für 2026 mehr Pläne haben. Gleichzeitig löst die Tokenisierung ein echtes Problem: Kosten.
„Wenn große Vermögensverwalter Produkte auf die Chain bringen, werden die Kosten gesenkt”, sagte Ng. Blockchain kann Transferagenten und Fondsverwalter ersetzen, weil sie als Nachweis-Schicht dient.
Für Institutionen geht es folglich weniger um Ideologie, sondern vor allem um Effizienz.
Die Lücke in der Marktstruktur
Dennoch gibt es weiterhin strukturelle Hürden.
Adamjee von Polygon sagte, dass Institutionen Schwierigkeiten haben, die meisten Krypto-Token zu bewerten. „Werden sie nach Umsätzen oder Netzwerkwert bewertet?”, fragte sie. „Es gibt kein richtiges KGV bei ihnen.”
Deshalb investieren Institutionen vor allem in Bitcoin, Ethereum und Infrastrukturprojekte. Der Rest des Altcoin-Marktes hat keine Bewertungsmodelle, die die Finanzwelt gewohnt ist.
Ng sieht das ähnlich: „90 Prozent dieser Token haben kein echtes Geschäftsmodell”, sagte er. „Sie erwirtschaften keine Gebühren.”
Ohne Einnahmemodelle und klare Werte fallen viele Token bei der Prüfung durch Institutionen durch.
Weniger Token, mehr echte Unternehmen?
Variola räumte ein, dass die Branche selbst Verantwortung trägt. Er sagte, dass Börsen oft sehr viele neue Listings durchsetzen.
„Als Branche sollten wir mehr Kontrolle ausüben”, sagte Ng und ergänzte, dass es wahrscheinlich insgesamt weniger Token geben sollte.
Adamjee von Polygon stimmte zu, dass die aktuellen Anreize die Verbreitung von Token fördern. Börsen erhalten Gebühren für Listings, was einen Konflikt zwischen Wachstum und Qualitätskontrolle erzeugt.
Dieses Problem erschwert es, Institutionen zu gewinnen. Große Vermögensverwalter wollen Transparenz, stabile Einnahmen und eine klare Marktstruktur.
Infrastruktur zuerst: Warum die Basis jetzt zählt
Insgesamt war die Botschaft der Runde klar: Institutionen übernehmen nicht einfach die Krypto-Kultur. Sie setzen die Blockchain-Technologie ein, weil sie Abläufe effizienter macht.
Sie bevorzugen wenig volatile Vermögenswerte, regulierte Produkte und tokenisierte Varianten klassischer Angebote. Der Zugang zur Infrastruktur steht im Vordergrund.
Derzeit spielen Infrastruktur und Tokenisierung die Hauptrolle, während spekulative Token weit hinten liegen.
Die nächste Phase der institutionellen Krypto-Adoption könnte weniger von Preisschwankungen und mehr davon abhängen, ob Krypto-Unternehmen entstehen, die klassischen Kapitalgebern bekannt vorkommen – mit klaren Einnahmemodellen, Struktur und Verantwortung.