Die Liberaldemokratische Partei Japans hat am Dienstag ein neues Projektteam ins Leben gerufen. Dieses Team soll einen nationalen Rahmen für KI-gestützte Finanzdienstleistungen auf der Blockchain entwickeln. Damit setzt Tokio erstmals ein ehrgeiziges Legislativprojekt zur tokenbasierten Finanzinfrastruktur auf.
Dieser Schritt zeigt, dass Japans politische Führung Blockchain-Finanzierung nicht mehr als Nischenthema behandelt, sondern als strukturelles wirtschaftliches Ziel betrachtet, das eine Koordinierung über mehrere Ministerien hinweg erfordert.
Nicht nur eine 5- bis 10-Jahres-Geschichte
Das „Next-Generation AI and On-Chain Finance Vision Project Team” hat am Dienstag erstmals getagt und ist dem Digital Society Promotion Headquarters der LDP zugeordnet. Der frühere Digitalminister Taira Masaaki, der seit 2023 die Web3-Agenda der LDP verantwortet, gründete die Gruppe. Vorsitzender ist Kihara Seiji, ein ehemaliger Beamter des Finanzministeriums mit Erfahrung in Blockchain-Politik, der derzeit auch dem Parlamentarischen Ausschuss zur Förderung von Blockchain der LDP vorsitzt. Murai Hideki, früherer stellvertretender Kabinettssekretär und in der LDP als „Mr. Secretary-General” bekannt, übernimmt die Rolle des Generalsekretärs.
In einem Exklusivinterview mit NADA News vor dem Start erklärte Taira, dass die Verbindung aus KI und Blockchain zunächst und am stärksten im Finanzbereich Wirkung zeigen werde. „Das ist keine 5- bis 10-Jahres-Geschichte, sondern wird innerhalb weniger Jahre stattfinden”, sagte er gegenüber dem Medium.
Japan verfügt bereits über wichtige Grundlagen. JPYC, der erste durch Yen gedeckte Stablecoin des Landes, ist im Oktober vergangenen Jahres gestartet und gilt als gesetzlich anerkanntes elektronisches Zahlungsmittel. Die drei Großbanken MTUFG, SMBC und Mizuho entwickeln gemeinsam einen Stablecoin. Die Japan Post Bank arbeitet zudem an tokenisierten Einlagen mit der digitalen Währung DCJPY.
Laut Taira fehlen jedoch verbindende Konzepte. „Die einzelnen Komponenten entstehen”, sagte er, „aber es gibt noch keinen gemeinsamen Plan, wie man sie zu einem funktionierenden Finanzsystem verbindet.”
Das nächste Ziel des Projektteams ist ein White Paper. Darin sollen notwendige regulatorische Änderungen beschrieben werden, etwa im Vertrauensrecht, bei Einlagensicherung und KYC-Rahmenwerken. Diese Vorschläge sollen anschließend in die Wachstumsstrategie der LDP sowie die jährlichen Leitlinien der Regierung für die Finanzpolitik einfließen.
Druck auf Aufsichtsbehörden steigt
Kiharas Ernennung zum Vorsitzenden ist bewusst gewählt. Taira sagte, er habe Kihara „überzeugen müssen”, den Posten zu übernehmen, da die Aufgabe eine Person erfordere, die sich sowohl in der Finanzwelt als auch in der Technologie auskennt und auch Regulierer kontrollieren kann. In einem früheren YouTube-Auftritt mit Kihara erklärte Taira offen, dass die Gründung des Projektteams die Finanzaufsicht sowie das Finanzministerium „unter Druck setzen” werde.
Traditionelle Finanzunternehmen stehen laut Taira vor einem „doppelten Investitionsdilemma”. Sie müssen sowohl bestehende Systeme wie das Zengin-Netzwerk und SWIFT betreiben als auch parallel Blockchain-Infrastruktur aufbauen.
„Sie wissen, dass sie es tun sollten”, sagte er, „zögern jedoch bei der Frage, ob jetzt der richtige Moment ist.” Eine klare staatliche Vision würde Banken und Wertpapierunternehmen aus seiner Sicht die nötige politische Rückendeckung geben.