Japan erhöht mit einem Rekordhaushalt den fiskalischen Druck, während die BOJ wegen steigender Schulden und Inflation vor möglichen Zinsschritten steht. Die Entscheidungen von Japan und der BOJ könnten kurzfristig starke Auswirkungen auf Bitcoin und die globalen Finanzmärkte haben.
Dieses Paket bringt sowohl kurzfristige Risiken als auch langfristige Folgen für Bitcoin und Krypto-Märkte mit sich.
Japan steigert Schulden – was bedeutet das für die BOJ?
Der Haushalt für 2026 liegt bei 122,3 Billionen Yen (793 Milliarden USD) für Ausgaben – das ist zum zweiten Mal in Folge ein Rekord. Dem stehen 83,7 Billionen Yen erwartete Steuereinnahmen gegenüber. Die Lücke wird durch das Ausgeben von 29,6 Billionen Yen in neuen Staatsanleihen geschlossen.
Die Regierung hat auch ein Gesetz zur Steuerreform vorgelegt. Es erhöht die Einkommenssteuergrenze von 1,6 Millionen Yen auf 1,78 Millionen Yen. Außerdem werden Steuervergünstigungen für Hypotheken verlängert und eine Steuer auf den Erwerb von Fahrzeugen abgeschafft. Diese Maßnahmen führen dazu, dass der Staat und die Kommunen jedes Jahr rund 700 Milliarden Yen weniger Steuern einnehmen.
Mit dem dritten Gesetz wird das Sondergesetz für Defizitanleihen um fünf Jahre ab 2026 verlängert. Japans Haushaltsgesetz verbietet eigentlich das Ausgeben von Defizitanleihen. Es sind nur Bauanleihen erlaubt. Allerdings wurde diese Ausnahme seit Jahrzehnten regelmäßig erneuert. Die Verlängerung stellt sicher, dass dieses Finanzierungsmodell rechtlich weiter gültig bleibt.
Alle drei Gesetze zusammen zeigen ein klares Bild: Die Kosten für Zinsen und Schuldentilgung steigen auf 31,3 Billionen Yen und überschreiten damit erstmals 30 Billionen Yen. Gleichzeitig führen die Steuersenkungen zu weniger Einnahmen. Japans Staatsverschuldung liegt bereits bei rund 250 Prozent des BIP – das ist der höchste Wert aller Industrieländer.
Kurzfristiges Risiko: Zinserhöhung der BOJ und plötzliche Auflösung von Carry Trades
Für Krypto-Trader ist das unmittelbare Risiko verständlich. Durch diese Finanzpolitik steigt der Druck auf die Bank von Japan (BOJ), die Zinsen zu erhöhen.
Seiji Adachi, ein früheres BOJ-Vorstandsmitglied, sagte am 16. Februar, dass die Zentralbank bis April wahrscheinlich genug Daten für eine Zinserhöhung haben wird. Ein globaler Marktchef der Mizuho-Bank ging noch weiter: Er sagte zu Reuters, dass die BOJ 2026 bis zu drei Zinserhöhungen machen könnte – vielleicht schon ab März. An den Märkten liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im April aktuell bei rund 80 Prozent.
Das Zusammenhangsmuster zwischen BOJ-Zinserhöhungen und Bitcoin-Verkäufen ist gut belegt. BTC verlor nach der Zinserhöhung im März 2024 etwa 23 Prozent. Nach Juli 2024 waren es 26 Prozent und nach Januar 2025 sogar 31 Prozent. Der Grund liegt im sogenannten Yen-Carry-Trade: Steigen die Zinsen und wird der Yen stärker, lösen Investoren gehebelte Positionen in der billigen Währung schnell auf. Krypto spürt die Folgen meist als Erstes, da rund um die Uhr gehandelt wird und viele Anleger hebeln.
Bitcoin notiert derzeit bei etwa 67.000 USD. Das sind über 47 Prozent weniger als das Allzeithoch von 126.198 USD im Oktober 2025. Halter von Bitcoin-ETFs in den USA haben aktuell im Schnitt 20 Prozent nicht realisierte Verluste. Ihr Einstiegspreis lag bei ca. 84.000 USD und die ETFs verkaufen 2026 mehr, als sie kaufen. Eine weitere BOJ-Zinserhöhung könnte diesen Druck erhöhen.
Allerdings hatte der Zinsschritt im Dezember 2025 auf 0,75 Prozent nur wenig Auswirkungen. Denn die Erhöhung war vorher bereits vom Markt eingepreist. Außerdem sind aktuell mehr Spekulanten auf eine starke Yen-Entwicklung eingestellt – daher ist eine Wiederholung des starken Preisrutsches aus August 2024 nicht garantiert.
Langfristiges Signal: Staatsschulden und die „Digitales Gold“-Story
Langfristig bleibt festzuhalten: Das Finanzpaket unterstreicht einen Trend, der Bitcoin verstärkt umgibt. Japan – das am stärksten verschuldete Industrieland – senkt Steuern und steigert die Ausgaben gleichzeitig. Beides wird komplett über Anleihen bezahlt.
Metaplanet aus Tokio setzt genau auf diese Entwicklung. Das Unternehmen besitzt über 35.000 BTC (ca. 3 Milliarden USD) und will 2026 insgesamt 100.000 BTC erreichen. Dafür leiht sich Metaplanet Geld in schwächer werdendem Yen über spezielle Aktien und sammelt so Bitcoin. Die Strategie nutzt die Richtung der japanischen Finanzpolitik gezielt: In einer Währung mit fallendem Wert leihen und einen knappen Coin wie Bitcoin kaufen.
Japans finanzielle Expansion ist daher ein Widerspruch für Bitcoin. Kurzfristig entsteht Druck auf die BOJ, die Zinsen zu erhöhen. Das kann zu Carry-Trade-Verkäufen bei Bitcoin führen. Langfristig allerdings sinkt das Vertrauen in die Stabilität der Staatsfinanzen, was wiederum die Rolle von BTC als Absicherung gegen Währungsabwertung stärkt.
Wichtige Punkte, auf die du achten solltest, sind das Ergebnis der Frühjahrs-Lohnverhandlungen (Shunto) im März, der Zinsentscheid der BOJ im April sowie die Frage, ob die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen – die aktuell nach ihren Höchstständen im Januar wieder bei 2,14 Prozent liegen – erneut in Richtung 3 Prozent steigen.