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Künstliche Intelligenz (KI) & Krypto: Zwischen echter Innovation & bloßem Hype

5 Min.
Aktualisiert von Leonard Schellberg
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Kurz & knapp

  • KI revolutioniert den Krypto-Handel mit Tools wie Bybits TradeGPT.
  • Allerdings laufen die Berechnungen vieler AI-Kryptoprojekte Off-Chain und liefern wenig echten Nutzen.
  • Regulierer achten auf Transparenz, Anleger müssen zwischen Innovation und Hype unterscheiden.
  • promo

Künstliche Intelligenz (KI) prägt derzeit die gesamte Tech-Welt – von Chatbots über Unternehmenssoftware bis hin zu Trading-Algorithmen. Auch die Krypto-Branche bleibt davon nicht unberührt. Seit Monaten erleben AI-Token enorme Aufmerksamkeit, während große Börsen KI-gestützte Tools in ihr Produktangebot integrieren.

Im August 2025 veröffentlichte Bybit seinen Halbjahresbericht H1 2025 und stellte dabei eines klar: KI ist ein zentraler Bestandteil ihrer Innovationsstrategie. Das hauseigene Produkt „TradeGPT“ hat innerhalb weniger Monate bereits über 5 Millionen Nutzer gewonnen. Gleichzeitig treiben spekulative AI-Token die Kurse in die Höhe – oft ohne Substanz.

Das wirft die entscheidende Frage auf: Handelt es sich bei KI im Krypto-Ökosystem um eine echte Weiterentwicklung – oder erleben wir nur den nächsten Hype-Zyklus?


Der Aufstieg KI-gestützter Trading-Tools

Bybit positioniert KI nicht nur als Schlagwort, sondern als konkrete Innovation. Mit TradeGPT hat die Krypto-Börse einen eigenen Trading-Assistenten entwickelt, der Tradern in Echtzeit Analysen zu Tokens, Risikosignale und Marktprognosen liefert. Funktionen also, die bislang vor allem institutionellen Investoren vorbehalten waren.

Die Resonanz ist beachtlich: Laut Bericht nutzen bereits wenige Monate nach dem Start über 5 Millionen Trader das Tool. Damit zählt TradeGPT zu den am schnellsten wachsenden KI-Anwendungen im Finanzsektor überhaupt.

Bybit geht sogar noch einen Schritt weiter:

  • In Zusammenarbeit mit SoSoValue, einer KI-gestützten Research-Plattform, erhalten VIP-Kunden tägliche Reports mit technischer Analyse, Marktstimmung und neuen Token-Listings.
  • Über die Partnerschaft mit Nansen stehen Nutzern KI-unterstützte Dashboards zu Wallet-Flows und Smart-Money-Bewegungen zur Verfügung.

Damit wird deutlich: KI in der Krypto-Welt ist längst mehr als ein Marketingbegriff – sie verändert den Alltag von Tradern, Research-Teams und Compliance-Abteilungen.


Die Schattenseite: AI-Token und Marketing-Hype

Parallel dazu erlebt der Markt eine Welle neuer AI-Token, die mit Begriffen wie „dezentraler KI“ oder „Blockchain-basierter Machine Learning Power“ um Investoren werben. Tatsächlich legte das Segment im Frühjahr 2025 einen rasanten Anstieg hin: Innerhalb einer Woche stieg die Marktkapitalisierung um über 10 Milliarden USD, einzelne Token gewannen mehr als 100 Prozent.

Doch viele Projekte halten den Versprechen nicht stand. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die meisten AI-Token keine echte On-Chain-KI implementieren, sondern lediglich Off-Chain-Berechnungen oder sogar nur ein Narrativ anbieten, um Kapital anzuziehen.

Die Parallelen zu früheren Boom-and-Bust-Zyklen sind unübersehbar:

  • DeFi 2020 versprach eine Revolution der Finanzwelt, kämpfte aber bald mit unsicheren Modellen und Hacks.
  • NFTs 2021 schafften den Sprung in den Mainstream, verloren jedoch rasant an Wert, als der Markt übersättigt war.
  • Metaverse 2022 erlebte eine kurze Euphorie, ehe das große Versprechen ins Leere lief.

Das Risiko liegt auf der Hand: Auch KI-Token könnten vom Hoffnungsträger zum nächsten „Buzzword-Grab“ der Branche werden.

Off-Chain-KI – das ungelöste Problem vieler AI-Token

Während Trading-Tools wie Bybits TradeGPT eine klare Funktion haben, offenbart sich bei vielen sogenannten AI-Kryptowährungen ein grundlegendes Problem: Die versprochene „dezentrale künstliche Intelligenz“ findet in Wahrheit kaum statt.

Laut den Feststellungen von Rischan Mafrur in einer 2025 auf arXiv veröffentlichten Analyse Decentralized AI Tokens: Limitations and Challenges laufen die zentralen KI-Berechnungen bei Projekten wie SingularityNET oder Fetch.ai nicht on-chain, sondern werden off-chain abgewickelt, während die Blockchain lediglich als Abrechnungs- und Koordinationsschicht dient. Im Folgenden die spezifischeren Problematiken:

SingularityNET (AGIX)

SingularityNET wirbt mit einem „dezentralen Marktplatz für KI-Services“. Tatsächlich werden die KI-Modelle jedoch außerhalb der Blockchain betrieben, meist auf klassischen Cloud-Servern. Die Blockchain dient lediglich zur Abrechnung mit dem AGIX-Token. Für Nutzer ist daher nicht nachvollziehbar, ob Ergebnisse von KI-Services tatsächlich manipulationsfrei zustande kommen.

Fetch.ai (FET)

Fetch.ai positioniert sich als Netzwerk autonomer KI-Agenten. Auch hier gilt: Die Agenten laufen als Software off-chain, während die Blockchain fast ausschließlich für Token-Ökonomie und Smart Contracts genutzt wird. Anstatt „trustless“ Interaktionen zu ermöglichen, entsteht so eine Abhängigkeit von zentral betriebenen Systemen.

Numerai (NMR)

Numerai beschreibt sich als „dezentralen KI-Hedgefonds“. In der Praxis werden Machine-Learning-Modelle von Data Scientists lokal/off-chain trainiert. Nur die Predictions und der Staking-Mechanismus werden über die Blockchain abgewickelt. Damit bleibt der Kern des Geschäfts – das Training der Modelle – vollständig außerhalb der Kette und somit nicht transparent.

Warum das problematisch ist

Das Off-Chain-Paradox vieler AI-Token untergräbt den eigentlichen Wert der Blockchain:

  • Keine Verifizierbarkeit: On-Chain-Smart Contracts sind transparent und überprüfbar. Off-Chain-KI ist eine Black Box.
  • Manipulationsrisiko: Berechnungen können nachträglich geändert werden – Nutzer müssen dem Anbieter vertrauen.
  • Zentralisierung: Viele Projekte laufen auf AWS oder Google Cloud – also auf zentralisierten Infrastrukturen, die mit dem Krypto-Ideal wenig gemein haben.

Kurz gesagt: Anleger kaufen oft das Narrativ „dezentrale KI“, in Wahrheit aber finanzieren sie Tokens, die vor allem Off-Chain-Dienste bezahlen.


Regulierung und Marktaufsicht

Während KI im Trading konkrete Mehrwerte zeigt, stellen AI-Token und ihre Versprechen Regulierer vor neue Fragen.

In Europa gilt seit diesem Jahr die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR). Zwar behandelt sie KI nicht explizit, doch ihre Anforderungen an Whitepaper, Offenlegung und Risikomanagement wirken indirekt auch auf KI-getriebene Produkte. Die europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die ESMA haben zudem jüngst betont, dass Transparenz und Anlegerschutz oberste Priorität haben.

Gleichzeitig nutzen immer mehr Krypto-Börsen KI auch in der Compliance: etwa zur Erkennung von verdächtigen Transaktionen, Wallet-Clustern oder Mustererkennung bei Geldwäsche. Das kann die Märkte stabiler machen – birgt jedoch auch neue Probleme. Denn: Wer haftet, wenn ein KI-Modell Fehler macht?

In den USA gibt es bisher keine KI-spezifischen Regelungen im Kryptobereich, aber laufende Ermittlungen gegen AI-Token-Projekte zeigen, dass auch hier die Aufseher ein Auge auf die Entwicklung werfen.

Für Europa könnte dies ein Standortvorteil sein: klare Regeln plus die Chance, Innovation früh in ein sicheres Rahmenwerk einzubinden.


Ausblick: Struktureller Wandel oder nur ein weiterer Zyklus?

Ob KI im Krypto-Bereich zur echten Revolution oder zum kurzlebigen Trend wird, hängt von mehreren Faktoren ab.

Szenario A: Echte Innovation.

  • Tools wie TradeGPT zeigen, wie KI Analysen demokratisieren kann, die bislang nur Hedgefonds zur Verfügung standen.
  • KI-gestützte Compliance könnte den Ruf der Branche verbessern und Sicherheitsrisiken mindern.

Szenario B: Der nächste Hype.

  • Wenn AI-Token weiterhin mehr Marketing als Substanz bieten, könnte der Markt schnell kippen.
  • Die Gefahr besteht, dass Anleger erneut enttäuscht werden – mit verheerenden Folgen für Vertrauen und Kapitalzufluss.

Derzeit leben beide Szenarien parallel: Auf der einen Seite konkrete, funktionierende KI-Produkte, auf der anderen Seite fragwürdige Token-Modelle. Die nächsten 12 bis 24 Monate werden zeigen, ob sich KI als dauerhafte Schicht im Krypto-Ökosystem etabliert oder nur als weiteres Schlagwort im Rückblick verbleibt.


Fazit

Die Krypto-Branche lebt von Narrativen – und KI ist ihr neuestes, vielleicht spannendstes. Bybit und andere Marktführer beweisen, dass echte Anwendungen existieren, die Tradern Mehrwert bieten. Gleichzeitig mahnt die Flut an fragwürdigen AI-Token zur Vorsicht.

Die Herausforderung für Anleger, Entwickler und Regulierer besteht darin, echte Innovation von bloßem Hype zu unterscheiden. Gelingt dies, könnte KI im Krypto-Bereich tatsächlich zu einem tragfähigen Fundament werden – statt zum nächsten Buzzword, das in Vergessenheit gerät.

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Leonard Schellberg stieß im Jahr 2021 auf das Thema Kryptowährungen. Nachdem er sich ein fundiertes Wissen über den breiten Kryptomarkt angeeignet hatte, entwickelte er eine besondere Begeisterung für die Möglichkeiten der Distributed Ledger Technologie und Smart Contracts. Darüber hinaus hegt er ein großes Interesse für das globale Finanzsystem, Makroökonomie und Krypto-Trading. Noch während Leonard im Frühling 2022 seinen Bachelor in Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaften an der...
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