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Mehrere Krypto-Medien löschen Betrugs-Studie – Hinweise auf externen Druck

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Geschrieben von
Lockridge Okoth

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Redigiert von
Phil Haunhorst

16 Februar 2026 22:00 CET
  • Mehrere Krypto-Medien löschen heimlich Berichte über Studie zu Scam-Projekten – bedrohte Unabhängigkeit?
  • Quellen berichten über externen Druck aus dem Krypto-PR-Umfeld – bislang fehlt jedoch ein öffentlicher Beweis, wer die Entfernung der Artikel veranlasst hat oder warum sie gelöscht wurden.
  • Der Vorfall zeigt, wie bezahlte Pressemitteilungen, Werbeeinnahmen und kommerzielle Partnerschaften die Krypto-Berichterstattung und Anlegerstimmung beeinflussen können.
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Krypto-Nachrichten verschwinden spurlos. Artikel, die den Einfluss von bezahlten Pressemitteilungen hinterfragen, wurden von großen Krypto-Webseiten entfernt. Es gibt kaum Hinweise darauf, dass sie je veröffentlicht wurden.

Gleichzeitig werden weiterhin Tausende von Werbeanzeigen in der Branche veröffentlicht. Diese prägen die Meinungen, beeinflussen Kurse und lassen die Grenze zwischen Journalismus und Werbung verschwimmen.

Die geheime Pipeline hinter dem FOMO-Hype

Chainstory hat 2.893 Pressemitteilungen analysiert, die zwischen dem 16. Juni und dem 1. November 2025 veröffentlicht wurden. Mit KI-gesteuerter Analyse und Risikobewertung, geprüft anhand von Blacklists wie CryptoLegal.uk, Trustpilot und Warnmeldungen, zeigte der Bericht folgende Ergebnisse:

  • 62 Prozent kamen von Hochrisiko-Projekten (35,6 Prozent) oder bestätigten Betrugsprojekten (26,9 Prozent).
  • Nur 27 Prozent der Veröffentlichungen stammten von Projekten mit geringem Risiko.
  • In bestimmten Bereichen, wie Cloud-Mining, stammten etwa 90 Prozent der Mitteilungen aus Betrugs- oder Hochrisikoprojekten.

Der Ton der Texte war oft übertrieben werbend:

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  • Neutral: 10 Prozent
  • Stark übertrieben: 54 Prozent
  • Deutlich werbend: 19 Prozent

Die Analyse der Inhalte zeigte zusätzlich, wie wenig Substanz viele Meldungen haben:

  • Produkt- oder kleine Funktionsupdates: 49 Prozent
  • Börsen-Listing-Ankündigungen (Spam): 24 Prozent
  • Wichtige Unternehmensnachrichten (Finanzierung, M&A): 2 Prozent (58 Mitteilungen)

Die Forscher glauben deshalb, dass ein solcher „hergestellter Legitimitäts-Kreislauf“ entsteht. Fragwürdige Projekte kaufen sich sichere Platzierungen auf vielen Webseiten, auch bei bekannten Finanzportalen, in Seitenleisten und Nischen-Krypto-Sammlungen.

Durch diese Platzierungen erscheinen sie dann im Bereich „Bekannt aus“ und nutzen den Wiedererkennungswert, um FOMO bei Kleinanlegern auszulösen.

Überschriften werden absichtlich mit Marketing-Begriffen wie „KI-basierte Revolution“ oder „RWA Game-Changer“ gefüllt. Redaktionen würden solche Begriffe normalerweise ablehnen.

PR-Budgets zählen mehr als Fakten

Das System erinnert an frühere Probleme im Finanzbereich. Daten der SEC zeigen, dass Pressemitteilungen für 73 Prozent aller OTC-Penny-Stock-Pump-and-Dump-Maschen von 2002 bis 2015 genutzt wurden.

In Kryptobereich ist dieser Effekt sogar noch stärker, denn Algorithmus-Handelsbots durchsuchen automatisch Schlagwörter wie „Partnerschaft“ oder „Listing“ und lösen automatisch Kauforders aus.

Dadurch steigen Kurse oft kurzfristig, fallen aber häufig wieder, sobald das Projekt die Erwartungen nicht erfüllen kann.

Die Sache wird dadurch noch schwieriger, da FTC-Regeln für native Werbung eine klare Kennzeichnung erfordern. In der Praxis wirken viele Krypto-„Pressemitteilungs“-Bereiche aber neutral und lassen den Eindruck unabhängiger Berichterstattung entstehen.

Kleinanleger halten deshalb Veröffentlichungen auf bekannten Webseiten oft für einen Beweis für die Seriosität.

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Wer bestimmt, wie über Krypto berichtet wird?

Die Ergebnisse von Chainstory wurden anfangs in vielen Krypto-Medien aufgegriffen. Sie erschienen unter anderem bei TradingView, KuCoin, MEXC und weiteren Webseiten. Trotzdem verschwanden wichtige Artikel ohne Erklärung auf mehreren Seiten.

  • Investing.com – ehemals mit der Überschrift „Krypto-Pressemitteilungen werden von Hochrisikoprojekten dominiert, wie eine Chainstory-Studie zeigt“.
  • CryptoPotato, das berichtete, dass Presseverlage Platzierungen zur „bezahlten Ware“ machen.

Es gab keine 404-Fehler oder Hinweise. Die Beiträge wurden einfach aus Suche und Archiv entfernt.

Laut Informationen, die BeInCrypto per E-Mail vorliegen, hat ein Manager einer betroffenen Firma die Webseiten kontaktiert und angeblich Datenfehler oder Voreingenommenheit genannt.

Manche Redaktionsteams haben nachgegeben. Das zeigt, wie Werbekunden Einfluss auf die redaktionelle Unabhängigkeit nehmen können.

Die meisten Krypto-Webseiten sind stark von Einnahmen aus dem Vertrieb von Pressemitteilungen abhängig, besonders in Bärenmärkten oder bei knappen Werbebudgets.

Darum kann man annehmen, dass kritische Berichte, die diese Einnahmen gefährden, oft leise entfernt werden oder es zur Selbstzensur kommt.

„Ich bin nicht im Tagesgeschäft der Seite/Redaktion eingebunden. Ich muss dazu nachfragen“, antwortete Yuval Gov von CryptoPotato auf die Anfrage von BeInCrypto.

Im Fokus: Nadav Dakner und Chainwire

Im Zentrum des bezahlten PR-Systems steht Nadav Dakner, Mitgründer und CEO von Chainwire (MediaFuse Ltd.). Sie bieten „garantierte Berichterstattung“ auf Krypto- und Finanzseiten an.

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„Verbreite deine Krypto- und Blockchain-News mit garantierter Berichterstattung, auf führenden Branchen-Webseiten“, heißt es auf der Webseite von Chainwire.

Eine Person, die mit dem Thema vertraut ist, sagte BeInCrypto, dass Nadav hinter dem Entfernen der Artikel steckt.

Chainwire arbeitet so wie von Chainstory beschrieben: Artikel werden an viele Medien verteilt, um mehr Sichtbarkeit zu bekommen. Das wird oft genutzt, um das Verhalten von Einzelanlegern zu beeinflussen.

Chainwire Kooperationen mit Krypto-Nachrichtenportalen
Chainwire Kooperationen mit Krypto-Nachrichtenportalen. Quelle: Chainwire Website

Trotz Kritik bleibt Chainwire einflussreich:

  • Als „Bester PR Wire“ bei den CoinGape Awards 2026 ausgezeichnet (2. Februar 2026).
  • Behält starke Bewertungen auf G2 für Kampagnen 2025.

Gleichzeitig geben Dakners frühere Projekte mehr Einblick. Er hat MarketAcross und InboundJunction mitgegründet und war beteiligt am Gladius Network ICO 2017, das etwa 12,7 Mio. in ETH einsammelte.

Die SEC einigte sich im Februar 2019 mit Gladius wegen unerlaubter Wertpapier-Verkäufe. Gladius musste Rückzahlungen anbieten und sich registrieren, aber es gab keine Strafen, da sich das Unternehmen selbst gemeldet hatte.

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Gladius wurde noch im selben Jahr aufgelöst, ohne alle Vorgaben zu erfüllen. Die Investoren erhielten kein Geld zurück.

Gerichtsunterlagen zum Fall Gladius gegen Krypton Blockchain Holdings (2018) zeigen, dass Dakner Gladius an Krypton Capital (gegründet von Ilan Tzorya) vermittelt hat. InboundJunction wurde im Whitepaper als Partner für Marketing und PR genannt.

Einige Berichte stellen Dakner als faktischen CMO und Investor dar. Recherchen von FinTelegram und CryptoTicker (Oktober 2025) zeigen, dass es Berührungspunkte mit Geldströmen in Netzwerken um Gery Shalon, Vladimir Smirnov und Gal Barak gibt, was auf breiteren Betrug hindeuten könnte.

Wichtig ist, dass diese Verbindungen indirekt sind, denn Dakner wurden nie Vorwürfe gemacht oder Anklagen erhoben.

Chainwire sah sich zudem im Jahr 2025 Vorwürfen wegen ausbeuterischer Praktiken gegenüber: etwa unbezahlte „Test“-Kampagnen und das plötzliche Abtauchen gegenüber Herausgebern.

Es gibt aber keinen direkten Zusammenhang zwischen Dakner oder Chainwire und dem Entfernen der Chainstory-Artikel.

Allerdings lassen die Überschneidungen bei Projekten und Zeitabläufen vermuten, dass geschäftliche Beziehungen kritische Berichte unterdrücken könnten.

Die stillen Antreiber, die Krypto-Märkte verändern

Die Recherche von Chainstory zeigt, dass Glaubwürdigkeit am Markt gekauft, beeinflusst oder heimlich gelöscht werden kann. Wenn kritische Berichte aus Archiven verschwinden, fördert das Undurchsichtigkeit und scheinbare Legitimität, die die ursprünglichen Bedenken weiter verstärken.

Für private Anleger in der von Hype bestimmten Krypto-Welt ist Skepsis wichtig. Kontrolliere Fakten durch On-Chain-Daten, unabhängige Quellen und sei dir bewusst, wie abhängig Berichterstattung von PR-Geldern sein kann. So vermeidest du die typische „pay-to-play“-Falle.

In den andauernden Informationskriegen der Krypto-Branche sind es oft die leisesten Änderungen – gelöschte Posts, veränderte Archive und entfernte Analysen –, die am meisten verraten. Sie zeigen, wie Meinungen, Stimmung und damit der Markt beeinflusst werden.

Chainwire hat auf die Anfrage von BeInCrypto bisher nicht reagiert.

Haftungsausschluss

Gemäß den Richtlinien des Trust Project werden in diesem Artikel Meinungen und Perspektiven von Branchenexperten oder Einzelpersonen vorgestellt. BeInCrypto ist um eine transparente Berichterstattung bemüht, aber die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die von BeInCrypto oder seinen Mitarbeitern wider. Die Leser sollten die Informationen unabhängig überprüfen und einen Fachmann zu Rate ziehen, bevor sie Entscheidungen auf der Grundlage dieses Inhalts treffen.

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