Ein immer größerer Teil der Informationen, die die Krypto-Märkte beeinflussen, kommt nicht mehr von Journalistinnen und Journalisten, sondern von bezahlten Pressemitteilungen.
Eine Auswertung von 2.893 Krypto-Pressemitteilungen, die zwischen Juni und November 2025 veröffentlicht wurden, zeigt: Diese Verteilnetzwerke sind wie ein zweiter Nachrichtenmarkt. Sie können die Stimmung beeinflussen und kurze Zeit die Kurse bewegen – noch bevor etwas überprüft wird.
SponsoredStudie: Mehr als 60 Prozent aller Releases stammen von Hochrisiko-Projekten
Die Studie zeigte, dass 62 Prozent der Mitteilungen von Projekten mit hohem Risiko (35,6 Prozent) oder sogar von direkten Betrugsprojekten (26,9 Prozent) stammen. Außerdem waren 27 Prozent als niedriges und 10 Prozent als mittleres Risiko eingestuft.
Im Gegensatz zur redaktionellen Berichterstattung, in der Journalistinnen und Journalisten Aussagen prüfen, veröffentlichen Pressemitteilungsdienste die Inhalte ihrer Kundinnen und Kunden mit nur wenig Kontrolle. So können falsche oder übertriebene Behauptungen schnell viele Menschen erreichen und die Kurse beeinflussen.
Nur 2 Prozent der Mitteilungen (insgesamt 58) berichteten über tatsächliche Ereignisse wie Finanzierungsrunden, Fusionen oder Forschung. Fast die Hälfte drehte sich um Produkt- oder Funktionsupdates. 24 Prozent bezogen sich auf Handel und Börsen-Listings. Oft wird der Markt dadurch mit ähnlichen Inhalten überflutet, die von vertrauenswürdigen Redaktionen kaum beachtet werden.
Die Auswertung des Tons ergab: Nur 10 Prozent der Mitteilungen waren neutral. 54 Prozent waren übertrieben, 19 Prozent offen werblich.
Insgesamt enthielten rund 70 Prozent offensichtliche Werbesprache – mit Ausdrücken wie „revolutionär“, „bahnbrechend“ oder „führend in der Web3-Zukunft“.
Sponsored| Kategorie | % vom Gesamtwert |
| Produkt- / Funktionsupdates | 48,98 Prozent |
| Handel, Listings, DEXes | 23,99 Prozent |
| Token-Launches / Tokenomics | 14,00 Prozent |
| Events, Konferenzen, Sponsorings | 6,01 Prozent |
| Metriken, Forschung, Berichte | 3,01 Prozent |
| Finanzierung / VC / Unternehmensfinanzen | 2,00 Prozent |
| Eitelkeit, Auszeichnungen, Community-Themen | 2,00 Prozent |
Markteinfluss und Manipulationsrisiko
Verbreitungsstrategien verstärken diese Effekte zusätzlich. Viele Plattformen garantieren eine Veröffentlichung auf vielen Webseiten, darunter auch Krypto-Medien und große Portale. So können Projekte mit „bekannt aus“-Hinweisen werben.
Kleine oder schwer erkennbare Hinweise auf Werbung führen leicht dazu, dass Anlegerinnen und Anleger solche Inhalte als unabhängige Nachrichten sehen.
Die sehr werbenden Inhalte können Aktivitäten von Privatanlegern und sogar Trading-Bots auslösen. Dadurch entstehen kurzfristige Kursbewegungen, die nicht auf echten Werten beruhen.
Dies erinnert an die klassischen Pump-and-Dump-Methoden bei Penny-Stocks: Pressemitteilungen haben auch dort schon oft künstliche Nachfrage erzeugt, bevor Insider verkauft haben.
Die Studie kommt deshalb zu einer wichtigen Schlussfolgerung für Anleger: Sichtbarkeit bedeutet nicht auch Glaubwürdigkeit. Besonders Mitteilungen von Projekten mit hohem Risiko oder aus dem Umfeld von Betrugsmaßnahmen sollte man zuerst als Werbung und erst dann als mögliches Marktzeichen sehen – immer mit großer Vorsicht.