Während die Schlagzeilen von Krieg, Öl-Schocks und KI-Sorgen berichten, sagt ein Analyst von der Wall Street, dass die Panik vielleicht schon im Kurs enthalten ist. Unter der Volatilität im Februar könnte sich leise eine Änderung abzeichnen, während der März zeigt, ob die Angst zu groß war.
März könnte Wendepunkt für den Markt sein, sagt Tom Lee
Während die geopolitischen Spannungen steigen und Anleger einen bewegten Februar verarbeiten, geht Tom Lee gegen den Strom: Der März könnte eine entscheidende Erholung für Aktien und die Kryptomärkte bringen.
Der Forschungsleiter bei Fundstrat Global Advisors glaubt, dass Märkte wieder mehr auf Schlagzeilen als auf echte Fundamentaldaten reagieren.
Trotz Sorgen um wachsende Konflikte im Nahen Osten und neue Öl-Schocks meint Lee, dass die Geschichte eher für Widerstandskraft und nicht für Rückzug spricht.
„Ich denke, der März wird wahrscheinlich ein starker Aufwärtsmonat“, sagte Lee kürzlich in einer Fernsehsendung und widerspricht dabei der vorsichtigen Stimmung nach dem schwachen Februar.
Märkte erreichen oft ihren Tiefpunkt, wenn die Angst am größten ist
Lees Idee beruht auf einem bekannten Muster an den Finanzmärkten: Aktien werden oft verkauft, wenn geopolitische Sorgen steigen, aber sie erholen sich, wenn die Unsicherheit ihren Höhepunkt erreicht.
Auch wenn die starke Volatilität Anleger verunsichert hat, sieht er kein grundlegendes Problem in der US-Wirtschaft. In früheren geopolitischen Krisen haben sich die Märkte meist wieder stabilisiert, wenn die schlimmsten Szenarien nicht eingetreten sind.
„Das Schlimmste des Ausverkaufs kommt diese Woche“, sagte Lee im Gespräch. Er meint, die aktuellen Kurse spiegeln schon die große Angst wider.
Seiner Meinung nach war der Kurseinbruch im Februar eher von Gefühlen als von echten Problemen bestimmt. Das könnte nun für eine Erholung im März sprechen.
Öl-Schock: Droht eine Rezession?
Die Energiemärkte stehen weiterhin im Mittelpunkt der Sorgen vieler Anleger. Steigende Ölpreise könnten die Lieferketten und Verbraucher belasten und neue Inflationsängste auslösen.
Lee nimmt die Folgen für die Inflation durchaus ernst. Öl beeinflusst fast alle Bereiche der Weltwirtschaft. In der Vergangenheit haben Öl-Schocks aber nur dann zu Rezessionen geführt, wenn das Wirtschaftswachstum vorher schon schwach war.
„Dort stehen wir nicht“, betonte er.
Lee sieht im aktuellen Ölpreisanstieg eher einen kurzfristigen Schock. Zwar könnte die Stimmung und das Konsumverhalten angesichts Inflation leiden, doch er glaubt nicht, dass das das US-Wachstum grundsätzlich schwächen wird.
Setzt die Fed auf Lockerung?
Wichtig ist laut Lee auch, dass die schwankenden Energiepreise politische Entscheidungsträger zu mehr Unterstützung drängen könnten.
Statt höhere Ölpreise als Grund für eine strengere Geldpolitik zu sehen, meint Lee, dass die US-Notenbank bei steigenden Energiekosten vielleicht eher vorsichtig wird, wenn das Wirtschaftswachstum gefährdet ist. Das passt zu Aussagen der ehemaligen US-Finanzministerin Janet Yellen.
Laut Lee würden die Politiker eher versuchen, Risiken fürs Wachstum auszugleichen statt einfach auf die Inflation zu reagieren. Damit stimmt er auch mit Aussagen von Wirtschaftsprofessor Steve Hanke überein, der von BeInCrypto dazu befragt wurde.
„Rohstoffpreise steigen und fallen; das hängt vom Preis anderer Waren, Dienstleistungen und so weiter ab. Aber es kommt darauf an, was die Zentralbanken tun, denn jede Inflation ist immer ein geldpolitisches Thema“, sagte Hanke zu BeInCrypto.
Wenn das so eintrifft, könnte es im Frühjahr für risikoreiche Anlagen unterstützend wirken.
Krypto steht kurz vor dem Boden
Lee sieht die Möglichkeit für einen Aufschwung nicht nur für Aktien, sondern auch für digitale Vermögenswerte. Er glaubt, dass Software-Aktien, die „Glorreichen Sieben“ und Krypto kurz vor einem Tiefpunkt stehen.
Er sagt zwar, dass sich der Markt weiter in einem Kryptowinter befindet, sieht aber unter der Oberfläche bessere Voraussetzungen.
Für Ethereum meint Lee, dass die Zunahme von Tokenisierung und immer mehr tokenisierten Fonds langfristigen Wert schaffen.
Wenn immer mehr wirtschaftliche Aktivitäten auf Ethereum umziehen, erwartet er, dass auch die Preise steigen – vor allem, wenn wieder mehr Kapital von traditionellen Anlageklassen wie Gold und Silber zu Ethereum zurückfließt.
Kurz gesagt, für Lee ist der Unterschied zwischen Kurs und dem, was im Hintergrund aufgebaut wird, nur vorübergehend.
Wachstumsangst oder nur Risikoprämie?
Sorgen um breitere Kreditausfälle und Stress am Kreditmarkt sorgen weiter für Ängste um das Wachstum. Lee ist davon jedoch nicht überzeugt.
Er verweist zum Beispiel auf Frachtraten im Transportwesen. Diese zeigen aus seiner Sicht, dass die Wirtschaft sich stabilisiert oder sogar wieder schneller wächst – nicht schrumpft.
Für ihn fühlte sich der Februar „schlimmer an, als er war”. Die Märkte sind im Monat nur leicht gefallen und kämpfen eher mit einem höheren Risikoaufschlag als mit schlechten Fundamentaldaten.
Wenn Lee recht hat, könnte der März die aktuelle Meinung auf die Probe stellen. Der März kommt „wie ein Bär”, aber geht wie ein Bulle.