Japans größte Wertpapierfirma, Nomura, hat am 30. Januar bekannt gegeben, dass ihre Krypto-Tochter Laser Digital im Zeitraum Oktober bis Dezember Verluste gemacht hat. Das Unternehmen hat seine Krypto-Positionen verringert und die Risikokontrollen verschärft.
Nur zwei Tage vorher hat dieselbe Tochtergesellschaft aber einen Antrag auf eine US-Banklizenz gestellt. Das ist kein Widerspruch – es ist eine erkennbare Strategie.
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Am 27. Januar in New York hat Laser Digital bei der US-Behörde OCC einen Antrag gestellt, eine bundesweit regulierte „National Trust Bank“ zu eröffnen. Die Tochter möchte Verwahrung, Spot-Handel und Staking für US-Institutionen anbieten. Steve Ashley, der Vorsitzende von Laser Digital, nannte die USA „den wichtigsten Finanzmarkt der Welt“.
Am 30. Januar erklärte Finanzchef Hiroyuki Moriuchi bei Nomuras Quartalszahlen, dass das Unternehmen „seine Krypto-Positionen reduziert“ und die Risikokontrollen verschärft habe. Laser Digital habe im Zeitraum Oktober bis Dezember Verluste gemacht und damit die europäischen Ergebnisse der Gruppe belastet.
Das wirkt erst widersprüchlich. Wenn man aber genauer hinschaut, erkennt man: Es ist keine abrupte Kehrtwende, sondern eine durchdachte, wiederkehrende Strategie.
Schon öfter passiert
Es ist nicht das erste Mal, dass Laser Digital die europäischen Ergebnisse von Nomura belastet. Im Oktober 2025 gab Moriuchi zu, dass „die Leistungen von Laser Digital die europäischen Ergebnisse im Zeitraum April bis Juni negativ beeinflusst haben.“ Trotzdem zog sich Nomura damals nicht zurück. Im Gegenteil: Laser Digital hat gleichzeitig mit Japans Finanzaufsicht (FSA) Gespräche aufgenommen, um eine Krypto-Handelslizenz für Institutionen zu bekommen.
Das Muster wiederholt sich: Verluste im Oktober bis Dezember 2025 führen zu einem engeren Positionsmanagement – während das Ausbau-Programm immer schneller vorangeht.
Sponsored SponsoredDie Zwei-Wege-Strategie
Nomura führt offenbar zwei verschiedene Geschäfte unter dem Dach von Laser Digital. Einerseits gibt es das Eigenhandelsbuch – Positionen in Krypto, die oft schwanken und schon mehrfach Verluste gebracht haben. „Wir haben unser Positions- und Risikomanagement verschärft, um kurzfristige Schwankungen im Gewinn zu begrenzen”, sagte Moriuchi am 30. Januar den Analysten.
Andererseits wird die Infrastruktur und der Lizenzaufbau vorangetrieben – eine langfristige Strategie, die von den kurzfristigen Handelsergebnissen wenig beeinflusst scheint. So sieht der Zeitplan aus:
| Date | Event | Track |
|---|---|---|
| 21. Sep. 2022 | Laser Digital Holdings AG in der Schweiz gegründet | 🔵 Infrastruktur |
| 1. Aug. 2023 | Volle Krypto-Lizenz von Dubai VARA erhalten | 🔵 Infrastruktur |
| Apr–Jun 2025 | Laser Digital verursacht Verluste in Europa | 🔴 Handelsverlust |
| 6. Aug. 2025 | Erste regulierte OTC-Krypto-Derivatelizenz im VARA-Pilotprojekt | 🔵 Infrastruktur |
| 3. Okt. 2025 | FSA-Vorgespräche über Handelslizenz für Institutionen bekannt gegeben | 🔵 Infrastruktur |
| Okt–Dez 2025 | Laser Digital verzeichnet erneut Verluste – Positionen werden reduziert | 🔴 Handelsverlust |
| 22. Jan. 2026 | Tokenisierter Bitcoin Diversified Yield Fund gestartet | 🔵 Infrastruktur |
| 28. Jan. 2026 | Antrag bei der OCC für US-National-Trust-Bank gestellt | 🔵 Infrastruktur |
| 30. Jan. 2026 | Verluste und mehr Risiko-Kontrolle auf der Ergebnis-PK kommuniziert | 🔴 Handelsverlust |
Damit wird klar: Für Nomuras Führung sind Handelsverluste ein Problem des Risikomanagements – nötig, um mit kurzfristigen Schwankungen umzugehen. Der Ausbau der Infrastruktur für Institutionen hat dagegen höchste strategische Priorität und läuft auch bei schwachen Quartalen weiter.
Verschiedene Zielgruppen, verschiedene Botschaften
Der scheinbare Widerspruch zeigt außerdem, dass Nomura gleich mehreren Zielgruppen spricht. Die OCC-Anträge und FSA-Gespräche richten sich vor allem an Regulierer und Institutionen. Sie sollen Vertrauen schaffen und zeigen, dass Krypto langfristig eine Rolle spielt.
Steve Ashley, Vorsitzender und Mitgründer von Laser Digital, beschrieb den US-Antrag so: „Die USA sind der wichtigste Finanzmarkt der Welt, und wir glauben: Das nächste Kapitel digitaler Finanzen wird von Firmen geschrieben, die mit dieser Kontrolle und Beständigkeit arbeiten können.“
Die Ergebnispräsentation richtet sich dagegen an Aktionäre und Analysten, die wissen wollen, dass kurzfristige Risiken kontrolliert werden. Moriuchi betont deshalb das „strenge Positionsmanagement“ und „verringertes Risiko“ – genau für dieses Publikum.
SponsoredDas große Ganze
Nomura ist mit diesem Ansatz nicht allein. Japans zweitgrößte Wertpapierfirma Daiwa Securities hat Ende 2025 Yen-Darlehen eingeführt, die durch Bitcoin und Ethereum abgesichert sind. Zudem bereitet die FSA laut Berichten vor, Krypto-ETFs nach dem Investment Trust Act zuzulassen – die ersten Produkte könnten bis 2028 starten. Sowohl Nomura als auch SBI Holdings haben Interesse an eigenen Fonds gezeigt.
Laut einer 2024 von Nomura und Laser Digital durchgeführten Umfrage rechnen mehr als die Hälfte der institutionellen Investoren damit, innerhalb von drei Jahren in digitale Vermögenswerte zu investieren – meist etwa zwei bis fünf Prozent ihrer Portfolios. Für klassische Wertpapierhäuser, die bei Aktien und Anleihen unter Gebühren-Druck stehen, ist der Digital-Asset-Bereich somit wichtige Ergänzung und notwendige Konkurrenzfähigkeit.
Das scheinbare Paradox ist also nur oberflächlich. Nomura zieht sich nicht aus Krypto zurück. Das Unternehmen steuert sein Risiko neu und beschleunigt gleichzeitig die Entwicklung der nötigen Infrastruktur. Ob sich diese Strategie lohnt, hängt von den Regulierern in Washington, Tokio und anderswo ab. Klar ist jedoch: Nomura will in diesem Bereich nicht tatenlos zusehen.