RealFi und die Zukunft von RWAs: Warum Pharos CEO Wish Wu überzeugt ist, dass die Blockchain neu gedacht werden muss

Da der Wettbewerb zwischen Layer-1-Blockchains zunimmt, rücken reale Vermögenswerte (RWAs) in den Mittelpunkt der nächsten Entwicklungsphase. Plattformen wie Solana, Aptos, NEAR Protocol, Sui und Avalanche verfolgen hierfür unterschiedliche Ansätze.

Mit einer Finanzierung von 52 Millionen USD und dem Start des eigenen $PROS-Tokens tritt Pharos in einen stark umkämpften Markt ein, allerdings mit einer klaren Ausrichtung. Das Netzwerk adressiert zwei häufig genannte Hürden bei der Einführung realer Vermögenswerte: die fragmentierte Verteilung sowie die fehlende Infrastruktur, die institutionelle Anforderungen an Compliance und Datenschutz erfüllt.

Für Wish Wu, Mitgründer und CEO von Pharos, zeigt diese Ausgangslage eine größere Lücke in der Entwicklung der Blockchain-Infrastruktur auf.

„Die Frage ist nicht nur, ob eine Blockchain Transaktionen verarbeiten kann“, sagte Wu. „Es geht darum, ob Vermögenswerte, Nutzer, Compliance-Prozesse und Anwendungen wirklich gemeinsam in einer Umgebung funktionieren. Genau das haben wir mit dem Atlantic-Testnet validiert.“

Konkurrenz in einem vielfältigen Layer-1-Markt

Pharos betritt einen Markt, in dem Wettbewerber bereits starke Positionen aufgebaut haben. Dies spiegelt die zunehmende Reife des Layer-1-Sektors wider. Solana steht für hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie DeFi- und Handelsaktivitäten, die vor allem vom Retail getrieben sind. Aptos und Sui, entwickelt von Mysten Labs, setzen auf parallele Ausführung und moderne Entwickler-Frameworks. NEAR Protocol legt den Schwerpunkt auf leichte Nutzbarkeit, während Avalanche durch individuell anpassbare Subnets insbesondere institutionelle Investoren anspricht.

„Die meisten Blockchains heute sind immer noch Allzwecksysteme“, sagte Wu. „Sie sind unglaublich leistungsfähig, aber Finanzanwendungen werden meistens erst nachträglich integriert. Unserer Meinung nach führt dieser Ansatz zu Fragmentierung.“

Statt sich nachträglich an Finanzanwendungsfälle anzupassen, möchte Pharos diese direkt in das Netzwerk integrieren — und bezeichnet diesen Ansatz als „RealFi“.

Von Fragmentierung zu einheitlicher Verteilung

Ein zentrales Argument von Pharos ist, dass tokenisierte Vermögenswerte bereits in großem Umfang existieren, aber oft schwer nutzbar bleiben. Diese Fragmentierung gilt als einer der Hauptgründe, warum RWAs bisher wenig angenommen werden. Institutionen fordern zudem verlässliche Compliance und Interoperabilität, bevor Kapital in größerem Umfang eingesetzt wird.

Tokenisierte Treasuries, Immobilien und weitere Vermögenswerte haben sich schnell entwickelt, dennoch bleibt die Verteilung über verschiedene Plattformen zersplittert, was den Kapitalfluss und die Nutzung einschränkt. Gleichzeitig besteht bei Institutionen ein Bedarf an besserer Kontrolle über Compliance, Datenschutz und Datenmanagement, bevor bedeutendes Kapital auf der Blockchain eingesetzt wird.

Pharos positioniert seine Infrastruktur als Lösung für beide Herausforderungen: Nutzer und Institutionen können mit tokenisierten Vermögenswerten in einem konsistenten, compliance-fähigen Rahmen agieren.

Nach dem Onboarding können Teilnehmer Vermögenswerte bewegen, verleihen, handeln und zwischen Anwendungen abwickeln, ohne den sonst üblichen operativen Aufwand zwischen Plattformen. Ziel ist es, Liquidität möglichst frei innerhalb einer gemeinsamen Finanzumgebung fließen zu lassen, statt sie getrennt zu halten.

„Pharos ist nicht einfach ein weiteres Layer-1, das RWAs unterstützt“, sagte Wu. „Es handelt sich um ein asset-natives RealFi-Layer-1, das diese Vermögenswerte ab dem ersten Tag nutzbar, compliant und zugänglich macht.“

Vom Testnet zur Finanzinfrastruktur

Vor dem Mainnet-Start diente das Atlantic-Testnet von Pharos als großangelegter Praxistest. Das Netzwerk verarbeitete innerhalb weniger Monate über 4,3 Milliarden Transaktionen von 209 Millionen Wallets. Dies deutet auf eine frühe Nachfrage und eine gewisse Einsatzbereitschaft hin.

Technisch zeigte das Testnet eine beständig hohe Ausführungsgeschwindigkeit mit Finalität innerhalb von Sekundenbruchteilen. Zudem wurden verschiedene Komponenten wie Wallets, Brücken sowie Anwendungen für RWAs wie Vaults und Systeme zur Verteilung von Vermögenswerten erfolgreich erprobt.

Für Wu war nicht nur die Leistung ausschlaggebend, sondern auch die Koordination. Die Herausforderung bleibt, diese Testergebnisse langfristig auf das Mainnet zu übertragen — ein Problem, mit dem Layer-1-Netzwerke häufig konfrontiert sind.

„Für Aktivitäten auf institutionellem Niveau reicht allein Performance nicht aus“, sagte er. „Es braucht Vermögenswerte, Anwendungen, Compliance und Liquidität, die zusammenarbeiten. Sonst bleibt es reine Infrastruktur, keine funktionierende Finanzwelt.“

Liquidität ab dem ersten Tag

Bemerkenswert beim Start von Pharos ist, dass das Netzwerk nicht bei null einsteigt, was die Aktivität innerhalb des Ökosystems betrifft.

Mehr als 50 Anwendungen sollen zum Start bereitgestellt werden, einschließlich Asset-Emission, Handel und Finanzdienstleistungen. Bereits vor dem Mainnet existierte mit dem pAlpha High Yield RWA Vault eine erste Kapitalbasis.

Dieses Vault konnte bereits mehr als 15 Millionen USD an Zusagen einsammeln und erreichte innerhalb weniger Tage die volle Kapazität von 50 Millionen USD. Das signalisiert eine frühe Nachfrage nach renditeträchtigen realen Vermögenswerten.

Dieser frühe Zuspruch soll das sogenannte Cold-Start-Problem vermeiden, das viele neue Layer-1-Projekte vor Herausforderungen stellt.

Projekte auf Pharos profitieren von gemeinsamer Liquidität, interoperabler Infrastruktur und Integrationen wie Circle USDC und CCTP, die regulierte Kapitalströme zwischen Anwendungen ermöglichen.

„Der Einstieg von Institutionen ins Ökosystem war lange nur eine Theorie. Jetzt passiert es tatsächlich, und mit diesem Launch wird daraus eine Dynamik, die das gesamte Ökosystem nutzt“, sagte Wu.

Onboarding und Zugang neu gedacht

Abseits der Technik widmet sich Pharos einem der größten Herausforderungen der Kryptowährung, dem Onboarding.

Das Netzwerk integriert sowohl die OKX Wallet als auch die Topnod Wallet von Ant Group. Millionen bestehende Nutzer können damit unkompliziert Zugang erhalten, ohne einen komplett neuen Prozess durchlaufen zu müssen.

„Einer der größten Hürden in diesem Bereich bleibt der Zugang“, sagte Wu. „Wenn Nutzer viele Schritte gehen müssen, um mit Finanzprodukten zu interagieren, bleibt die Akzeptanz immer begrenzt.“

Leichteres Onboarding kann das Muster der Nutzer verändern, weg von reiner Spekulation hin zur tatsächlichen Nutzung. Dieser Wandel steht auch bei etablierten Ökosystemen wie Solana oder Aptos noch aus, insbesondere im Hinblick auf RWAs.

Eine neue Phase im Layer-1-Wettbewerb

Der breitere Layer-1-Markt tritt in eine Phase ein, in der sich die Definition von Erfolg allmählich verändert.

Die erste Generation legte Wert auf Dezentralisierung. Die zweite Generation konzentrierte sich auf Skalierbarkeit. Jetzt werden Plattformen immer öfter danach beurteilt, wie gut sie reale Finanzsysteme unterstützen können.

Für Wu ist diese Entwicklung unvermeidlich.

„Wenn RWAs ein wichtiger Teil der globalen Märkte werden sollen, muss sich die Infrastruktur weiterentwickeln“, sagte er. „Sie kann nicht nur schnell sein, sondern muss wie ein Finanzsystem funktionieren.“
Mit neuen Netzwerken, die in den Markt einsteigen, wird dieser Wandel immer deutlicher. Da das Mainnet nun live ist, geht Pharos davon aus, dass dies die Richtung ist, in die sich die Branche bewegt. „Das Ziel ist nicht nur, Vermögenswerte auf die Blockchain zu bringen“, sagte Wu. „Sie sollen auch nutzbar werden, und zwar auf eine Art, die tatsächlich funktioniert.“

Ob dieser Ansatz die Erwartungen erfüllen kann, hängt davon ab, ob reale Nutzer ihn annehmen, besonders Institutionen, die sowohl Anforderungen an Compliance als auch an Skalierbarkeit haben.


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