Sechs verdächtige Insider-Wallets verdienten 1,2 Millionen USD auf Polymarket, indem sie auf einen US-Angriff auf den Iran setzten. Die Blockchain-Nachverfolgung zeigte später einen Zusammenhang zwischen mehreren Accounts, die US- und israelische Angriffe mit erstaunlicher Genauigkeit vorhersagten.
Diese Vorfälle deuten auf ein wachsendes Muster von mutmaßlichem Insiderhandel auf Prognosemärkten hin. Dort werden Anonymität und einfache Zugänglichkeit immer häufiger ausgenutzt, um Gewinne zu erzielen.
Wetten auf Iran: Auffällig präzise Tipps sorgen für Aufsehen
Sechs Wallets, die von der On-Chain-Analyseplattform Bubblemaps markiert wurden, erhielten ihre Gelder innerhalb von 24 Stunden nach Abschluss der Wetten. Jede von ihnen bezog sich gezielt auf den 28. Februar. Es wurden „Ja“-Kontrakte nur wenige Stunden vor dem tatsächlichen US-Angriff auf den Iran gekauft.
Die Präzision der Wetten weckte sofort den Verdacht, dass Insiderwissen genutzt wurde.
Bubblemaps verfolgte die Geldflüsse von einer der markierten Wallets mit dem Namen „nothingeverhappens911“, nachdem die Gewinne von Polymarket transferiert wurden. Diese Spur führte zu einem weiteren Account, „Skoobidoobnj“, der dieselbe Einzahlungsadresse bei Binance verwendete.
Skoobidoobnj hatte zuvor 100.000 USD verdient, indem er „Ja“-Kontrakte kurz vor zwei überraschenden Angriffen auf den Iran im Jahr 2025 kaufte. Der erste Angriff war Israels “Operation Rising Lion” am 13. Juni. Acht Tage später griffen dann die USA ein und setzten B-2-Bomber für Angriffe auf iranische Atomanlagen ein.
Bubblemaps identifizierte zudem zwei weitere Polymarket-Konten, die mit Skoobidoobnj verbunden sind. Ein Konto verdiente 65.000 USD beim US-Angriff am 28. Februar. Ein weiteres erzielte 10.000 USD beim israelischen Angriff am 13. Juni.
Insgesamt verdienten vier verbundene Accounts 240.000 USD mit Wetten auf US- und israelische Angriffe auf den Iran. Laut Bubblemaps geschah dies mit nahezu perfekter Genauigkeit. Die höhere Summe von 1,2 Millionen USD beschreibt den Gesamtbetrag, den alle sechs Wallets allein am 28. Februar erzielten.
Diese neuen Erkenntnisse wurden nur wenige Wochen nach den ersten rechtlichen Folgen der Iran-Wettkontroverse bekannt.
Dieses Muster wiederholt sich immer wieder
Im Februar klagten israelische Behörden zwei Staatsbürger an, einen Reservisten der Armee und einen Zivilisten, weil sie angeblich geheime militärische Informationen genutzt hatten, um auf Polymarket Wetten abzuschließen.
Die Behörden erklärten, dass die Verdächtigen auf militärische Operationen wetteten, basierend auf vertraulichen Informationen, die sie durch ihre Arbeit erhalten hatten. Die Anklage beinhaltete unter anderem Wetten auf den Zeitpunkt des israelischen Erstschlags auf den Iran während des zwölftägigen Kriegs im Juni.
Dieser Fall war der erste seiner Art, aber das zugrunde liegende Problem besteht schon länger.
Prognosemärkte wurden bereits zuvor kritisch betrachtet, weil verdächtig gut getimte Wetten Hinweise auf Insiderwissen gaben. Im Januar erzielte eine Gruppe neu erstellter Polymarket-Wallets mehr als 630.000 USD durch Wetten auf die Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro.
Die entsprechenden Wetten wurden nur wenige Stunden vor der öffentlichen Bekanntgabe seiner Festnahme abgeschlossen.
Diese Vorfälle haben die Debatte neu entfacht, ob Prognosemärkte tatsächlich Informationen effizient bündeln oder hauptsächlich jene belohnen, die über privilegierten Zugang verfügen.