Prognosemärkte sind heute das wichtigste Stimmungsbarometer für den aktuellen Stand der Märkte – sowohl bei Krypto als auch in der traditionellen Finanzwelt. Im Moment ist das Signal jedoch überwiegend bärisch – egal, ob es um Bitcoin, Ethereum, die US-Notenbank oder NVIDIA geht.
Prognosemärkte-Volumen steigt trotz fallender Kurse
Seit Anfang 2026 ist das Handelsvolumen der Prognosemärkte auf verschiedenen Plattformen und in verschiedenen Kategorien deutlich gestiegen. Bei Polymarket legte das wöchentliche Krypto-Volumen von 413 Millionen USD (Woche bis 5. Januar) auf 564 Millionen USD (Woche bis 2. März) zu.
Auch bei Kalshi hat das Kryptovolumen im gleichen Zeitraum kräftig zugelegt – von etwa 58 Millionen USD auf 197 Millionen USD, also mehr als das Dreifache.
Sogar bei Polymarket hat der Bereich „Wirtschaft“, der umfassende Themen wie Rezession und Entscheidungen der US-Notenbank abdeckt, einen Anstieg von 13 Millionen USD auf 20 Millionen USD verzeichnet. Kryptowährungen bleiben zudem das volumenstärkste Segment außerhalb des Sports auf Polymarket.
Auffällig ist, dass dieser Volumenanstieg während einer Phase deutlicher Kursverluste passiert ist.
Die Händler warten nicht ab. Sie setzen aktiv auf weitere Verluste und investieren dabei echtes Kapital. Innerhalb dieses steigenden Handelsvolumens stechen zudem einige konkrete Wetten hervor, die sich mit wichtigen technischen Marken und wichtigen On-chain Daten sowohl im Krypto- als auch im klassischen Finanzbereich decken.
Bitcoin unter 55.000 USD – das ist der aktuelle Realized-Preis-Boden
Im Polymarket-Markt zu „Welchen Kurs erreicht Bitcoin im Jahr 2026?“ – mit einem Gesamtvolumen von 22,5 Millionen USD – dominiert aktuell die Wette über 75.000 USD mit 87 Prozent. Doch der Trend zeigt nach unten. Das Ergebnis „unter 55.000 USD“ wächst am schnellsten und steht nun bei 73 Prozent (plus 16 Punkte). Die Marke „unter 50.000 USD“ liegt bei 61 Prozent (plus 9 Punkte).
Die On-chain Daten zeigen, warum sich so viele Wetten auf dem Bereich um 55.000 USD konzentrieren.
Nach Angaben von Glassnode liegt der realisierte Bitcoin-Kurs aktuell bei etwa 54.400 USD. Dieser Wert gibt die durchschnittlichen Anschaffungskosten aller Coins im Netzwerk an und markiert historisch gesehen meist den Boden eines Zyklus. Bei allen früheren Bärenmärkten ist Bitcoin entweder an den realisierten Kurs herangelaufen oder kurz darunter gefallen, bevor eine Erholung einsetzte.
Sie möchten weitere Einblicke zu Token? Abonnieren Sie hier den täglichen Krypto-Newsletter von Chefredakteur Harsh Notariya: hier.
Beim aktuellen Kurs von etwa 68.000 USD liegt Bitcoin rund 25 Prozent über dem realisierten Kurs. Dieser Abstand ist bedeutend, verkleinert sich jedoch. Sollte der Konflikt mit Iran für hohe Ölpreise sorgen und Zinssenkungen der US-Notenbank weiter verzögern, entwickelt sich der Bereich um 54.000 bis 55.000 USD zum entscheidenden Anziehungsbereich für den Markt. Die Teilnehmer am Prognosemarkt agieren nicht wahllos. Sie kalkulieren gezielt einen Test des strukturell wichtigsten Unterstützungsniveaus im Bitcoin-Kurs ein.
Doch nicht nur die erste Kryptowährung steht unter bärischem Druck. Bei der größten Altcoin deutet sich sogar eine noch kritischere Lage an.
Ethereum unter 1.500 USD? Bärenflagge könnte alles verändern
Im Kalshi-Markt „Wie weit fällt Ethereum dieses Jahr?“ sind die Zahlen deutlich. Unter 1.750 USD steht bei 81 Prozent. Unter 1.500 USD steigt und liegt bei 64 Prozent (plus 6 Punkte). Sogar unter 1.000 USD nimmt zu und erreicht 34 Prozent (plus 5 Punkte). Der Prognosewert von Kalshi befindet sich seit Mitte Januar im Sturzflug und liegt aktuell bei etwa 1.330 USD.
Der wöchentliche ETH/USD-Chart macht die Einschätzung nachvollziehbar. Seit Anfang Januar bildet ETH eine deutliche Bärenflagge aus. Dies ist ein Fortsetzungsmuster, das meistens nach unten aufgelöst wird. Die wichtige Marke liegt beim 0,236-Fibonacci-Retracement bei 1.800 USD. Ein Wochenschlusskurs unter dieser Zone würde den Ausbruch nach unten bestätigen. Das nächste Ziel liegt dann beim 0,382-Fibonacci-Niveau nahe 1.560 USD.
Das Ziel bei 1.560 USD deckt sich nahezu genau mit der Wette unter 1.500 USD, die auf Kalshi immer mehr Zuspruch findet. Darüber hinaus liegt das 0,5-Fibonacci-Niveau bei 1.360 USD. Auch diese Marke unterstützt die Wette auf unter 1.500 USD. Das 0,618-Fib-Niveau bei 1.160 USD erklärt zudem, warum das Segment unter 1.250 USD weiter wächst. Das vollständige Kursziel der Bärenflagge liegt sogar bei 920 USD. Das erklärt das zunehmende Interesse an der Wette auf Kurse unter 1.000 USD.
Nur eine Fed-Zinssenkung und NVIDIAs März-Ausblick: TradFi warnt vor Kursrückgang
Prognosemärkte sind nicht nur für Krypto pessimistisch. Im Kalshi-Markt „Anzahl der Zinssenkungen im Jahr 2026?” (Handelsvolumen 1,89 Millionen USD) führt genau eine Zinssenkung mit 26 Prozent. Das ist die stärkste Zunahme, der Wert stieg um 10 Prozentpunkte. Null Zinssenkungen stehen bei 17 Prozent und steigen weiter.
Die US-Notenbank steckt in einer Stagflationsfalle. Der Arbeitsmarktbericht vom Februar zeigte einen überraschenden Verlust von 92.000 Arbeitsplätzen, was die Arbeitslosenquote auf 4,4 Prozent steigen ließ. Normalerweise würden Zinssenkungen folgen.
Allerdings ist der Ölpreis nach dem Konflikt mit Iran und Einschränkungen am Golf von Hormus auf 88–90 USD je Barrel gestiegen. Höhere Energiepreise treiben auch die Inflationserwartungen nach oben, was Zinssenkungen riskant macht.
Eine Zinssenkung ist nach Ansicht des Prognosemarktes möglich, falls sich der Ölpreis wieder beruhigt.
Dieses makroökonomische Umfeld beeinflusst direkt auch die Aktienmärkte.
Im Polymarket-Markt „Wo steht NVIDIA im März 2026?” liegt das wahrscheinlichste Ergebnis bei unter 164 USD mit 50 Prozent. NVDA notierte am Freitag zum US-Börsenschluss bei etwa 177 USD.
Auch die technische Chartanalyse unterstützt die pessimistische Stimmung.
Seit Anfang Februar bildet NVIDIAs Kursbewegung im Tageschart ein klassisches Kopf-Schulter-Muster. Die Nackenlinie stimmt fast exakt mit dem 0,618-Fibonacci-Niveau bei 169 USD überein. Ein Tagesschlusskurs darunter würde das Muster bestätigen. Es entstehen dann Kursziele bei 164 USD (dem 0,786-Fib) und 159 USD. Das erklärt, warum die Wette auf unter 164 USD bei Polymarket mit 50 Prozent führt.
Umgekehrt gilt: Bleibt NVIDIA über dem 0,382-Fib bei 175 USD und gewinnt den Bereich von 178 bis 184 USD zurück, wäre das Muster ungültig und die bullische Marktseite hätte wieder die Kontrolle.
Jede einzelne Wette in diesen Prognosemärkten hat ihre eigene Schwelle, bei deren Überschreiten sie ungültig wird. Allerdings haben Prognosemärkte an Bedeutung gewonnen, um die aktuelle Stimmung zu messen – und diese bleibt momentan klar pessimistisch.