Reversible ICOs – So verhindert man Kurseinbrüche nach einem Token Sale

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In einem vorherigen Artikel habe ich erläutert, warum Investoren nach einem Token Sale einen Anreiz haben, ihre gekauften Tokens sofort wieder abzustoßen, sobald diese öffentlich gehandelt werden können. Dies erklärt, warum der Preis von Tokens nach einer ICO oder IEO häufig einbricht. Ich möchte nun darauf eingehen, wie Blockchain-Projekte dieses vermeiden können.



Auch bei klassischen Börsengängen (IPOs) kommt es häufig dazu, dass der erste Handelspreis einer Aktie über dem Ausgabepreis liegt. Daher besteht auch hier ein Anreiz für Aktienzeichner, die neu gehandelten Aktien sofort wieder zu verkaufen. Einerseits passiert dies aus dem Grund nicht, dass die Teilnehmer an Börsengängen meist Banken sind, welche die erworbenen Aktien als Anlageformen an ihre Kunden weitergeben wollen. Weiterhin stellen Aktien Anteilsscheine an einem Unternehmen dar. Der Kurs einer Aktie ist daher teilweise durch das Eigenkapital des Unternehmens gedeckt.

In diesem Fall stellt der durch Aktienkauf erworbene Anteil am Eigenkapital des Unternehmens eine Untergrenze für den Handelspreis dar. Dies ist bei Utility Tokens nicht der Fall, da sie ausschließlich durch die Utility, also Netzwerkteilnehmer, welche ein Blockchain-Netzwerk aktiv nutzen, gedeckt sind. Direkt nach einem Token Sale befinden sich Blockchain-Netze meist noch im Aufbau, wodurch der Preis eines Tokens stark abrutschen kann, wenn viele Investoren ihre Tokens verkaufen.



Ein möglicher Ausweg aus diesem Problem ist es, eine künstliche Untergrenze für den Tokenpreis zu schaffen. Dies kann zum Beispiel dadurch geschehen, indem man Investoren die Möglichkeit einräumt, ihre Tokens nach dem Token Sale ganz oder teilweise wieder zurückzugeben. Durch Smart Contracts werden hierfür verschiedene Modelle möglich.

Beispielsweise könnte die investierte Summe in einem Smart Contract gehalten und nur nach und nach an die Initiatoren des Token Sales ausgezahlt werden. Investoren könnten damit ihre Tokens zurückgeben und im Gegenzug einen entsprechenden Teil der Summer zurück erhalten, die noch im Smart Contract verschlossen ist. 

Im Gegensatz zu einem normalen Token Sale, wo die Initiatoren eine große Geldsumme auf einen Schlag erhalten, um ihr Projekt umzusetzen, müssen die Initiatoren einer solchen reversiblen ICO ihr Projekt ständig verbessern, um weiterhin Geld zu erhalten. Insgesamt führt dies zu einer besseren Übereinstimmung zwischen den Interessen von Investoren und Initiatoren.

Eine weitere Möglichkeit das Risiko eines Preisverfalls nach einem Token Sale zu verhindern, besteht darin, eine Sperrfrist für Investoren einzuführen, über die Tokens nur nach und nach an die Investoren freigegeben werden. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass Investoren die freigegebenen Tokens jederzeit über eine Funktion des Smart Contracts abrufen können, wobei sekundengenau der freigegebene Anteil ausgezahlt wird. Dadurch kann ein Massenverkauf von Tokens verhindert werden.

Weiterhin können diese beiden Modelle innerhalb eines Smart Contracts kombiniert werden. Dabei werden sowohl die Tokens, als auch die eingezahlte Investitionssumme über die Zeit hinweg verteilt freigegeben. Die Initiatoren können hierbei die freigewordene Summe jederzeit abrufen. Investoren können die freigewordenen Tokens jederzeit abrufen und in dem Blockchain-Netzwerk selbst verwenden oder auf dem Sekundärmarkt verkaufen. Alternativ können sie ihre Investition zurückziehen. Dabei erhalten sie den noch gesperrten Teil ihrer Investition zurück, während ihre restlichen Tokens in den Besitz der Initiatoren zurückgehen, wo sie gegebenenfalls an einen neuen Investor weiterverkauft werden können.

Alle auf unserer Website enthaltenen Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Die journalistischen Beiträge dienen nur allgemeinen Informationszwecken. Jede Handlung, die der Leser aufgrund der auf unserer Website gefundenen Informationen vornimmt, geschieht ausschließlich auf eigenes Risiko.
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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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