Der Quartalsbericht von Robinhood für das vierte Quartal 2025 hat eine starke Reaktion am Markt ausgelöst. Die Aktie fiel um etwa acht Prozent, weil der Umsatz unter den Erwartungen lag.
Das Auffälligste an dem Bericht war jedoch nicht der Rückgang der Krypto-Handelserlöse, sondern dass Vorhersagemärkte und Automatisierung in Zukunft eine immer größere Rolle für die Plattform spielen sollen.
Robinhood: Prognosemärkte lösen Krypto als wichtigsten Wachstumstreiber ab
Fast ein Drittel der Analystenfragen bei der Bilanz-Telefonkonferenz bezog sich auf Vorhersagemärkte. Daran kann man erkennen, wie aus dem Experiment plötzlich ein wichtiges Geschäftsfeld werden könnte.
Sponsored„30 Prozent der $HOOD Q&A (sechs von 20 Fragen) beschäftigten sich mit Vorhersagemärkten. Das war mit Abstand das Thema Nummer eins“, sagte Matthew Sigel, Leiter Digital Assets Research bei VanEck.
Laut Sigel spiegelt das die schnelle Entwicklung im ganzen Bereich wider. Mittlerweile liegen die Handelsvolumen bei über 10 Mrd. USD im Monat (etwa 300 bis 400 Mio. USD täglich), was ungefähr so viel ist wie der durchschnittliche Tagesumsatz beim US-Sportwetten.
Umsatzeinbruch und Krypto-Abschwung
Robinhood meldete im vierten Quartal einen Nettoumsatz von 1,28 Mrd. USD, was unter den Erwartungen von etwa 1,35 Mrd. USD lag. Auch die Erlöse aus Transaktionen und dem Krypto-Handel waren schwächer. Das Krypto-Geschäft erreichte etwa 221 Mio. USD, erwartet wurden eher 248 Mio. USD.
Laut Experten liegt die Reaktion am Markt vor allem daran, dass die Erwartungen hoch waren und das Wachstum in zentralen Bereichen nachlässt – nicht an strukturellen Problemen im Unternehmen.
Christian Bolu, leitender Analyst bei Autonomous Research, bezeichnete die Zahlen im ersten Moment als enttäuschend, sieht die Aussichten jedoch als positiv.
„Ich würde sagen, bei einer teuren Aktie hilft ein verfehlter Umsatz natürlich nicht“, sagte Bolu und wies darauf hin, dass auch wichtige Kennzahlen wie das Wachstum der Einlagen nachgelassen haben.
Allerdings betonte er, dass der langfristige Ausblick positiv bleibt:
Sponsored Sponsored„Die Aussagen des Managements sind recht positiv, wenn es um die Perspektiven für neue Geschäfte 2026 geht. Zudem waren die Transaktionsvolumina im Januar sehr stark. Deshalb ist der Ausblick insgesamt ziemlich gut.“
Prediction Markets rücken in den Fokus
Krypto bleibt zwar wichtig, aber Experten sehen, dass Vorhersagemärkte und Event-Kontrakte mit der Zeit einen größeren Anteil am Geschäft gewinnen könnten.
„Langfristig denken wir, dass Event-Kontrakte und Vorhersagemärkte ein noch größerer Teil des Geschäfts werden als Krypto“, ergänzte Bolu im Interview mit Yahoo Finance.
Die Chance ist groß. Trotz wachsender Konkurrenz durch Plattformen wie Kalshi und Polymarket könnte Robinhood dank seiner Reichweite Vorteile haben.
„Robinhood hat vor allem mit der Verteilung (Distribution) einen Vorteil“, sagte Bolu. „Es gibt nicht viele Anbieter, die so eine Reichweite haben.“
Regulierung bleibt das größte Hindernis
Obwohl das Interesse wächst, bleibt die regulatorische Unsicherheit das größte Hindernis für die Ausweitung des Angebots. Sigel hob hervor, dass das Thema bei der Bilanzkonferenz direkt angesprochen wurde.
Sponsored„Binäre Ja/Nein-Kontrakte … können unter die Aufsicht der CFTC für Event-Kontrakte fallen … Aber Verträge mit kontinuierlichen oder formelbasierten Auszahlungen, die sich auf ein einzelnes Unternehmen beziehen, könnten unter Dodd-Frank als SEC-‚Security-based Swaps‘ gewertet werden.”
Der Manager von VanEck gab aber zu, dass die fehlende Klarheit die Entwicklung bremst:
„Noch gibt es keinen klaren Rahmen, der diese Grenze absteckt. Deshalb betonte das Management, dass es ‚regulatorische Entlastungen‘ brauche.“
Wie KI-Automatisierung Unternehmen still verändert
Neben neuen Handelsprodukten wandelt Robinhood auch die eigenen Abläufe durch Automatisierung und künstliche Intelligenz stark um. In diesem Zusammenhang nannte Sigel in der Bilanz-Telefonkonferenz eine besonders bemerkenswerte Zahl:
„KI-Support läuft wirklich gut. Mittlerweile werden über 75 Prozent aller Anfragen durch KI gelöst, auch die komplizierten, für die früher lizenzierte Broker nötig waren“, gab er an.
Zudem automatisiert das Unternehmen die Abläufe in der Technik: Der ganze Prozess, von der Software-Entwicklung über die Code-Prüfung bis hin zur Veröffentlichung und zum Testen, wird optimiert.
Berichten zufolge führt das jetzt schon zu echten Einsparungen und Effizienzsteigerungen, die im Jahr 2025 auf über 100 Mio. USD geschätzt werden.
Diese geringeren Kosten könnten helfen, schwankende Einnahmen in Bereichen wie Krypto- und Optionshandel auszugleichen.
Sponsored SponsoredRobinhood setzt jetzt auf mehr Vielfalt
Analysten sagen, Robinhood sieht heute ganz anders aus als die Handels-App, die während früherer Krypto- und Meme-Aktien-Phasen bekannt wurde.
Bolu beschrieb die Firma als „ein viel reiferes Unternehmen, ein deutlich stärker aufgestelltes Unternehmen“ und verwies unter anderem auf:
- Wachsendes Nettozinseinkommen
- Rentenkonten
- Bankprodukte sowie
- Kreditkarten als weitere Einnahmequellen.
Diese Vielfalt ist einer der Gründe, warum viele Analysten trotz kurzfristiger Schwankungen bullisch bleiben. Laut Marktkommentaren nach der Veröffentlichung der Ergebnisse empfehlen mehr als 80 Prozent der Analysten die Aktie weiterhin zum Kauf.
Die neuesten Quartalszahlen von Robinhood zeigen einen wichtigen Wandel: Krypto könnte nicht länger das wichtigste Thema der Plattform sein.
Stattdessen scheint sich das nächste Wachstum rund um Prognosemärkte, Optionshandel, Abonnements und KI-gesteuerte Effizienz zu bilden. Solche Bereiche könnten die Abhängigkeit vom schwankenden Krypto-Handelsvolumen senken.
Falls sich diese Entwicklungen fortsetzen, könnte die Ergebnisbesprechung letztlich weniger wegen eines Umsatzrückgangs, sondern vielmehr als Hinweis auf die nächsten Schritte der Plattform in Erinnerung bleiben.