Die US-Börsenaufsicht SEC und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) haben am 11. März ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet. Damit bekräftigen sie, künftig bei der Regulierung von digitalen Vermögenswerten zusammenzuarbeiten und jahrelange Zuständigkeitskonflikte zu beenden.
Dieses Abkommen ist der bisher größte Schritt im Rahmen der gemeinsamen Initiative Project Crypto, die im Januar 2026 gestartet wurde. Es kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem das Digital Asset Market Clarity Act weiterhin im Senat blockiert ist.
Das regelt das Memorandum of Understanding
Das MOU legt in sechs zentralen Bereichen einen Rahmen fest. Dazu zählt die genauere Definition von Produkten, die Modernisierung der Regeln für Clearing und Sicherheiten sowie die Verringerung von Hürden für Unternehmen mit doppelten Zulassungen. Weiterhin werden der Aufbau eines eigenen Regulierungsrahmens für Krypto, eine Vereinfachung der Berichtspflichten und die Zusammenarbeit bei Prüfungen und Durchsetzungsmaßnahmen geregelt.
Es wurden zudem Arbeitsabläufe vereinbart, darunter regelmäßige gemeinsame Treffen, einheitliche Datenweitergabe, frühzeitige Hinweise bei Zuständigkeitsfragen und die Weiterbildung von Mitarbeitern der Behörden.
„Seit Jahrzehnten behindern Zuständigkeitsstreitigkeiten, doppelte Registrierungen und unterschiedliche Regelwerke von SEC und CFTC die Innovation und haben Marktteilnehmer in andere Länder gedrängt“, erklärte SEC-Chef Paul Atkins.
Eine gemeinsame Harmonisierung-Initiative wird die Ziele des MOUs umsetzen. Sie wird von Robert Teply (SEC) und Meghan Tente (CFTC) gemeinsam geleitet.
Selig gibt Ausblick auf die Krypto-Agenda der CFTC
Auf einer Konferenz der FIA sprach CFTC-Vorsitzender Michael Selig einen Tag vor der Unterzeichnung über den Ansatz seiner Behörde zur Harmonisierung. Er stellte seine Regulierung unter das Motto des „minimal notwendigen Eingriffs“ und warnte, zu viele Regeln könnten Innovationen ins Ausland treiben.
Im Hinblick auf Krypto erläuterte Selig, er habe seine Mitarbeiter beauftragt, Leitlinien zu erstellen, ob Entwickler von Non-Custodial-Software, also etwa für Wallets und DeFi-Anwendungen, eine CFTC-Registrierung benötigen. Außerdem sollen die Vorschriften für gehebelte Retail-Krypto-Geschäfte und die Einordnung von unbefristeten Futures präzisiert werden.
Vom Machtkampf zum gemeinsamen Regulierungsrahmen
Das MOU ist der Abschluss eines Politikwechsels, der sich unter US-Präsident Trumps Führung beschleunigt hat. Im September 2025 erklärten die Behörden ihre Zuständigkeitsstreitigkeiten für beendet. Im Januar 2026 starteten CFTC-Chef Michael Selig und Atkins gemeinsam Project Crypto. Selig unterstützte Atkins’ Ansicht, dass die meisten derzeit gehandelten Krypto-Assets keine Wertpapiere sind.
Am 7. März berichteten Medien, dass beide Behörden ab 2027 einen gemeinsamen Sitz in einem Gebäudekomplex in Washington prüfen. Auf der FIA-Konferenz bestätigte Selig, dass er und Atkins sich regelmäßig treffen und die Rivalität zwischen den Behörden beendet sei.
Atkins führte bei der Konferenz zudem das Prinzip der „Substituted Compliance“ ein. Demnach müssten Unternehmen mit doppelter Zulassung nur eine regelgleiche Regulierung erfüllen. Auch kündigte er eine gemeinsame Beratungsplattform an, über die Unternehmen vor Produktstarts beide Behörden gleichzeitig kontaktieren können.
Warum stockt der CLARITY Act jetzt?
Das Digital Asset Market Clarity Act wurde im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen im Repräsentantenhaus beschlossen. Im Senat ist das Gesetz jedoch wegen Uneinigkeit über Erträge auf Stablecoins blockiert. Banken lehnen ab, dass Krypto-Plattformen Prämien auf Stablecoin-Bestände anbieten dürfen. Ein Kompromissvorschlag des Weißen Hauses vom Februar wurde von Banken abgelehnt.
Die Senatoren arbeiten an neuen Kompromiss-Formulierungen, jedoch bleibt der Weg zu einer Abstimmung unklar. Der Iran-Krieg und US-Präsident Trumps Forderung nach Wahlrechtsregelungen vor anderen Gesetzen verkürzen zudem den Kalender im Senat weiter.
Mit der Unterzeichnung des MOUs schaffen SEC und CFTC bereits die nötigen Strukturen für eine koordinierte Krypto-Regulierung, unabhängig davon, ob der Kongress dieses Jahr eine gesetzliche Grundlage schafft. Das MOU dient als Brücke – es koordiniert jetzt, bis eine dauerhafte Regelung folgen kann.
Was das für Kryptomärkte bedeutet
Börsen mit doppelter Zulassung profitieren künftig von weniger Aufwand durch koordinierte Prüfungen und das Prinzip der Substituted Compliance. Die gemeinsame Krypto-Asset-Taxonomie, die zwischen Wertpapieren, digitalen Commodities, Sammlerstücken und Utility-Token unterscheidet, könnte zudem lange Streitfragen, etwa bei Ethereum, lösen.
Im Bereich der Durchsetzung sagte Selig, die CFTC konzentriere sich auf die Bekämpfung von Betrug. Sie wolle daher weniger Politik per Durchsetzung betreiben, ein deutlicher Gegensatz zur Gensler-Ära.
Solange das CLARITY Act aber nicht Gesetz ist, können diese Regeln bei künftigem Führungswechsel jederzeit angepasst werden. Die Behörden fordern daher öffentliches Feedback über die Harmonization Initiative der SEC an.
Selig sprach in seiner FIA-Rede auch weitergehende Deregulierungspläne an: Dazu zählen etwa die Einstufung von KI-Rechenleistung als „neues digitales Commodity“, die Rückführung des Handels mit kritischen Mineralien, die Auflösung der Klima-Abteilung der CFTC sowie neue Regeln für Vorhersagemarkt-Kontrakte.