Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Weg frei gemacht, damit Wall-Street-Unternehmen Stablecoins in die traditionelle Finanzwelt einbinden können.
Am 19. Februar hat die Behörde neue Richtlinien veröffentlicht. Broker dürfen nun einen „Haircut” von zwei Prozent auf ihre Stablecoin-Positionen anwenden. Ein Haircut ist der Anteil eines Vermögenswerts, den eine Bank oder ein Finanzunternehmen nicht als Eigenkapital nutzen darf. Das dient als Schutzpuffer für Kunden gegen Marktrisiken.
SEC-Strategiewechsel bei Stablecoins: Broker stehen unter Druck, Krypto-Infrastruktur auszubauen
Früher mussten Broker bei Stablecoins mit einem sehr hohen Haircut von 100 Prozent rechnen. Wenn zum Beispiel ein Finanzunternehmen eine Mio. digitale Dollar als Reserve für schnelle Abwicklungen hielt, konnte es dieses Kapital nicht anderweitig nutzen.
Das hat dazu geführt, dass der Krypto-Handel für traditionelle Banken fast unmöglich wurde.
Jetzt hat die SEC die Kapitalstrafe auf zwei Prozent gesenkt. Damit haben stabile und regulierte Stablecoins wirtschaftlich den gleichen Status wie klassische Geldmarktfonds.
„Das ist ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Unser Team in der Division of Trading and Markets baut Hindernisse ab und macht den Zugang zu On-Chain-Märkten leichter”, sagte SEC-Chef Paul Atkins.
Diese Veränderung hängt eng mit dem neu verabschiedeten GENIUS Act zusammen. Dieses Bundesgesetz regelt Stablecoins in den USA. Es verlangt eine Deckung im Verhältnis eins zu eins und verschärft die Regeln gegen Geldwäsche (AML).
SEC-Kommissarin Hester Peirce hat betont, dass das Gesetz strenge Reserven für Stablecoin-Anbieter vorschreibt.
Laut Peirce sind diese Vorgaben sogar strikter als bei staatlichen Geldmarktfonds. So wird die niedrigere Kapitalstrafe begründet.
„Stablecoins sind wichtig für Transaktionen auf der Blockchain. Durch Stablecoins können Broker ein viel breiteres Geschäft rund um Token-Wertpapiere und andere Krypto-Assets aufnehmen“, ergänzte Peirce weiter.
Darum könnten regulierte Anbieter wie Circle mit dem USDC nun mehr Nachfrage von Unternehmen aus dem 6-Bio.-USD-Sektor bekommen.
Viele aus der Branche feiern daher die Veränderung für die Krypto-Branche.
JP Richardson, CEO von Exodus, nennt es den wichtigsten Krypto-Erfolg des Jahres. Er sagt, dadurch werden tokenisierte Staatsanleihen, Aktien und On-Chain-Abwicklungen „über Nacht wirtschaftlich sinnvoll“.
„Das erhöht den Druck auf alle großen Broker, eigene Stablecoin-Infrastruktur aufzubauen. Wer nicht mitzieht, bleibt hinter den Wettbewerbern zurück. Das Kapitalhindernis gibt es jetzt nämlich nicht mehr”, erklärte er.
Mit dieser Entscheidung setzt die SEC ihre Reihe von Krypto-freundlichen Regeln fort.
Im letzten Jahr hat die SEC ein Team für digitale Assets gegründet und „Projekt Krypto” zur Modernisierung der Regeln gestartet. Ziel ist es, die USA zur Krypto-Hauptstadt der Welt zu machen.