Eine Goldhandelsplattform aus Shenzhen ist zusammengebrochen, nachdem sie im Grunde genommen ein gehebeltes Wettsystem ohne echte Goldabsicherung betrieben hat. Mehr als 150.000 Anleger versuchen jetzt, ihr Geld zurückzubekommen.
Der Zusammenbruch von Jereh – es ist der größte von mehreren aktuellen Fällen nicht lizenzierter Goldplattformen in China – spitzt sich gerade zu. Viele Geschädigte weigern sich, ein Rückzahlungsangebot anzunehmen, bei dem sie nur einen kleinen Teil ihres eingesetzten Geldes bekommen und dafür auf alle weiteren Rechte verzichten sollen.
SponsoredSo arbeitet Jereh
Jereh hatte seinen Sitz in Shuibei, dem größten Gold- und Schmuckhandelszentrum Chinas. Viele Privatleute wurden angelockt, da es keinen Tauschgebühren gab, die Rückkaufpreise ansprechend waren und ein Produkt namens „Handel zum vorher festgelegten Preis“ angeboten wurde. Dabei konnte man schon mit einer Anzahlung ab 4 USD den Preis für ein Gramm Gold sichern.
In Wirklichkeit funktionierte das System wie ein nicht genehmigter Optionshandel. Die Plattform setzte immer gegen die Nutzer und bot dabei einen Hebel bis zum 40-fachen Einsatz an. Doch echtes Gold wurde nie wirklich gehandelt. Wenn Nutzer Gewinne machten, musste Jereh deren Wert auszahlen. Stiegen die Goldpreise, wurden diese Verbindlichkeiten zu groß für die Plattform.
Der Bank-Run
Ab dem 20. Januar wurden Auszahlungen zuerst eingeschränkt. Maximal 69 USD oder ein Gramm Gold durfte pro Tag abgehoben werden. Tausende Anleger, viele reisten extra aus anderen Provinzen an, kamen zum Büro der Firma in Shenzhen und forderten ihr Geld. Es gab auch Auseinandersetzungen mit der Polizei. Laut Medienberichten sind die meisten Geschädigten Hausfrauen und Anleger aus der Arbeiterklasse.
Sponsored SponsoredAuszahlungen bleiben deutlich hinter Erwartungen zurück
Die Lokalregierung gründete eine Sondergruppe und gab am 31. Januar bekannt, dass Jereh nach dem Verkauf von Vermögenswerten mit Rückzahlungen begonnen habe. Ein unabhängiger Prüfer wurde beauftragt. Die oft genannte Gesamtschuldsumme von 13,4 Milliarden Yuan sei laut Regierung jedoch „stark übertrieben“.
Doch für die geschädigten Anleger ist die Auszahlung wenig erfreulich.
Die Plattform bot anfangs zwei Rückzahlungsmodelle an: Einmalzahlung in Höhe von 20 Prozent des Einsatzes oder 40 Prozent verteilt auf zwölf Monate. Tatsächlich liegen die Auszahlungsquoten aber sogar unter diesen 20 Prozent.
Ein Anleger aus Henan, der 5.100 USD investiert hatte, stellte zwei Auszahlungsanträge. Das erste Angebot lag bei 1.219 USD, das zweite bei nur noch 244 USD. Eine andere Anlegerin, die rund 44.400 USD, 5,2 Gramm Gold und 1.000 Gramm Silber im Konto hatte, bekam nur etwas mehr als 2.800 USD angeboten – also etwa sechs Prozent ihres Guthabens.
Sponsored SponsoredKunden, die Platin über die Plattform gekauft haben, wurden ganz von den Auszahlungen ausgeschlossen. Daher glauben viele, dass Jereh gar nicht im Besitz des Edelmetalls war.
Begnadigungsklausel für Straftäter sorgt für Empörung
Der Ärger wird durch die Bedingung noch größer, dass Geschädigte für die Rückzahlung drei Dokumente unterschreiben müssen. Darunter ist auch ein sogenannter „Strafnachlass-Brief“. Nach Aussage mehrerer Anleger würde dieses Dokument verhindern, dass sie später noch einmal vor Gericht klagen können – egal, wie hoch die Auszahlung ausfällt.
„Selbst wenn man unterschreibt, gibt es keine Garantie, das Geld wirklich zu bekommen. Dafür gibt man das Recht ab, zu klagen. Und das alles für 1.700 Yuan (236 USD)?“, sagte ein Anleger aus Zhengzhou zu lokalen Medien.
SponsoredViele weigern sich daher, diese Vereinbarung zu unterschreiben und befinden sich nun in einer Pattsituation mit der Plattform. Einige bereiten zudem eigene Klagen vor.
Kein Einzelfall
Jereh ist nicht die einzige Firma, die Probleme hat. Auch andere Plattformen in China stecken derzeit in einer Liquiditätskrise, weil die steigenden Goldpreise für Anbieter ohne Absicherung zu einem Problem wurden. Viele Betreiber hatten gegen ihre Kunden gewettet.
Die Social-Media-Konten von Jereh wurden bereits gelöscht. Telefonisch ist die Firma nicht zu erreichen, und auch der Besitzer Zhang Zhiteng konnte nicht kontaktiert werden.
Die Sondergruppe im Bezirk Luohu sammelt weiterhin Ansprüche der Geschädigten. Die Ermittlungen laufen noch.