Der Silberpreis (XAG/USD) ist um etwa 18% von seinem Tief in 2026 gestiegen und liegt aktuell über 72 USD. Der Anstieg erfolgte nach einer versteckten bullischen Divergenz, die sich seit Dezember gebildet hat. Zudem zeigen die neuesten Positionsdaten, dass Spekulanten beginnen, auf eine Untergrenze zu setzen.
Allerdings sieht der übergeordnete Tages-Chart weiterhin wie eine Bärenflagge aus, bei der ein möglicher Rückgang von 36% droht. Ob die Erholung in eine echte Umkehr übergeht oder sich zu einer größeren Korrektur entwickelt, hängt von mehreren Marken und Signalen zum April ab.
Verborgene Divergenz und neue COT-Longs stützen die Kursrallye
Der Tages-Chart zeigt zwischen dem 12. Dezember und 26. März, dass der Silberkurs ein höheres Tief markiert hat, während der Relative Strength Index (RSI), ein Dynamikindikator, ein tieferes Tief gebildet hat. Das vorherige Tief des RSI stammte aus einer stark überkauften Region. Das bedeutet, dass die Dynamik eher strukturell als panikgetrieben angepasst wurde. Diese versteckte bullische Divergenz deutet darauf hin, dass der Verkaufsdruck, der seit dem Rückgang von 121 USD bestanden hat, allmählich nachlässt.
Der Commitments of Traders (COT)-Report, der wöchentlich von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht wird, bestätigt jetzt eine Veränderung der Positionierungen. Die Übersicht vom 24. März zeigt, dass die Long-Positionen der Nicht-Handelsteilnehmer um 2.813 Kontrakte auf 33.938 gestiegen sind — der erste deutliche Anstieg nach mehreren Wochen mit aufeinanderfolgenden Rückgängen. Die Short-Positionen bewegten sich kaum und erhöhten sich nur um 21 auf 9.265 Kontrakte.
Im vorherigen Silberpreis-Analyseartikel hat BeInCrypto bereits darauf hingewiesen, dass ein Anstieg der Long-Positionen im Bereich „Managed Money“ das früheste Signal für eine Bodenbildung wäre. Dieses Signal wurde nun sichtbar. Das Open Interest ist im Vergleich zum letzten Bericht um 1.594 Kontrakte gefallen, das bedeutet, die neuen Long-Positionen wurden parallel zu einer breiteren Positionsauflösung aufgebaut. Dies spricht meist eher für Investitionen mit Überzeugung als für spekulatives Nachlaufen.
Der Spread der COMEX-Silber-Futures (SI1 minus SI2) liefert ebenfalls einen unterstützenden Faktor. Silber befindet sich weiterhin im Contango, sodass künftige Preise über den kurzfristigen Preisen liegen, was darauf hindeutet, dass aktuell keine unmittelbare Kaufnotwendigkeit besteht.
Der Spread ist jedoch von einem lokalen Tief bei -0,82 am 20. März (noch vor dem Tief von 2026) auf aktuell -0,52 gestiegen. Das schmaler werdende Contango deutet darauf hin, dass eine gewisse Dringlichkeit bei der Nachfrage langsam zurückkehrt.
Dollar-Überhang: Gold zeigt aktuell relative Stärke
Der US-Dollar-Index (DXY) liegt weiterhin über 100 und hat im vergangenen Monat etwa 3% zugelegt. Der Grund ist unter anderem der anhaltende Iran-Konflikt, der die Ölpreise steigen lässt und den US-Dollar über die Petrodollar-Blockchain stärkt. Ein stärkerer Dollar lastet in der Regel auf dem Silberpreis, weil Silber für internationale Käufer dann teurer wird.
Allerdings zeichnet sich eine kleine Veränderung ab. In der vergangenen Woche stieg der DXY um etwa 1% und auch Silber konnte um ungefähr 1% zulegen. Dass Silber gemeinsam mit dem Dollar steigt und nicht gegen ihn fällt, spricht dafür, dass die Korrelation zum aktuellen Jahrestief oder Boden etwas nachlässt.
Golds relative Entwicklung bekräftigt die schwächere Performance von Silber. Gold hat in der vergangenen Woche um 1,76% zugelegt, ist im Monatsvergleich aber um ungefähr 13,7% gefallen.
Silber ist im gleichen monatlichen Zeitraum um 23% gefallen, also fast doppelt so stark wie Gold. Erst wenn Silber langfristig besser als Gold abschneidet, ist die Erholung stabiler.
Silber-Kursmarken: Diese Werte sind im April entscheidend
Die wichtigste Silberpreis-Marke für April ist 74 USD. Dieser Wert markiert einen wichtigen technischen Widerstand im Tages-Chart und stellt das erste große Hindernis über dem aktuellen Kurs dar. Ein Tagesschluss über 74 USD wäre das erste strukturelle Signal für einen Trendwechsel und würde die 20-Tage- und 50-Tage-EMA ins Spiel bringen. Die EMA ist ein Trendindikator, der jüngste Preisentwicklungen stärker gewichtet. Die 20-EMA befindet sich aktuell bei 75 USD, die 50-Tage-EMA bei 78 USD.
Wenn beide EMAs überwunden werden, wäre der Weg bis auf 88,96 USD offen. Damit würde die Bärenflagge komplett negiert.
Dennoch steigt das Risiko eines bärischen EMA-Crossovers. Die 20-Tage-EMA nähert sich der 100-Tage-EMA, die aktuell bei 73 USD liegt, einem weiteren wichtigen Widerstand. Beim letzten bärischen EMA-Crossover im Tages-Chart um den 19. März fiel der Silberpreis auf das 60-USD-Tief. Sollte dieses Crossover vor einem erneuten Anstieg über 74 USD erfolgen, könnte der Kurs wieder auf die beiden letzten Zwischentiefs bei 66 USD und 60 USD zurückfallen.
Allerdings würde sogar ein Tagesschlusskurs unter 68 USD die untere Trendlinie der bärischen Flagge durchbrechen. Dadurch würde die erwartete Bewegung von 36 % ausgelöst, wobei zunächst etwa 52 USD als wichtiger Bereich angesteuert werden.
Die COT-Daten und die versteckte Divergenz deuten darauf hin, dass sich ein Boden ausbilden könnte. Die Kursstruktur bestätigt dies jedoch noch nicht. Ein anhaltender Tagesschlusskurs über 74 USD trennt eine echte Erholung in Richtung 88 USD von einem Ausbruch der bärischen Flagge in Richtung 52 USD.