Der Silber-Preis hatte einen harten, aber spannenden Start ins Jahr 2026. Nach einem starken Anstieg bis fast 121 USD am 29. Januar stürzte das Edelmetall bis zum 6. Februar um fast 47 Prozent ab. Seitdem hat Silber jedoch ununterbrochen um 32 Prozent zugelegt und lag am 20. Februar bei etwa 84 USD.
Da die Märkte am 21. und 22. Februar geschlossen sind, ist die Frage für März klar: Ist diese Erholung echt oder? Die technischen Daten und die Positionierungen zeigen ein gemischtes Bild. Wahrscheinlich gibt es eine Phase der Seitwärtsbewegung, bevor die nächste starke Bewegung kommt. Trotzdem gibt es mehr Anzeichen für eine bullische Entwicklung.
Tassenformation, versteckte bärische Divergenz und Hinweise auf eine Konsolidierung
Der Tages-Chart von XAG/USD zeigt eine entstehende Tassen-Formation. Die starke Aufwärtsbewegung begann am 21. November 2025, erreichte ihren Höhepunkt bei 121 USD am 29. Januar und fiel dann auf 63,85 USD am 6. Februar zurück. Die aktuelle Erholung auf etwa 84 USD nähert sich nun dem „Hals“ dieser Formation.
Zwischen dem 4. und 20. Februar bildet Silber ein Muster aus tieferen Hochs. Der Relative-Stärke-Index (RSI), also ein Schwung-Indikator, zeigt im gleichen Zeitraum aber höhere Hochs. Das ist eine versteckte bärische RSI-Divergenz.
Dies bedeutet, dass der Trend trotz starkem RSI eher auf eine Seitwärtsbewegung hinweist, bevor es weitergeht. Das Muster bleibt bestehen, solange die nächste Kerze unter 92 USD liegt (das vorherige Hoch), der RSI aber trotzdem weiter steigt.
Auch die sogenannten „Smart Money“-Wetten setzen auf eine Konsolidierung.
Falls sich die aktuelle Konsolidierung zu einem „Henkel“ ausbildet, muss der Kurs oberhalb von 75 USD bleiben, damit der bullische Trend nicht gebrochen wird.
Das Tassen-und-Henkel-Muster bestätigt sich, wenn der Kurs am Tagesschluss deutlich über 84 USD liegt. Allerdings wird zunächst eine Seitwärtsbewegung erwartet – die Indikatoren zeigen, dass eine Pause hier eher gesund ist als ein Warnzeichen.
Miner vorne, Silber-Futures hinken hinterher: Die Kluft zwischen physischem Silber und Papiermarkt
Der Global X Silver Miners ETF (SIL), der über 107 USD gehandelt wird, unterstützt aus technischer Sicht die bullische These. SIL erreichte sein Hoch von 119 USD am 26. Januar – drei Tage bevor Silber-Spot am 29. Januar das Top machte. Wenn Miner bei einer Erholung besonders stark sind, ist das oft ein Zeichen für einen kommenden Bullenmarkt.
Mining-Unternehmen kennen die Auftragsbücher und die Produktion aus erster Hand. Ihre Stärke deutet darauf hin, dass die Fundamentaldaten trotz der Verkäufe im Januar stimmen. Halten Miner, während das Metall eher seitwärts läuft, ist das meist ein Signal für steigende Kurse in naher Zukunft.
Die Lücke zwischen der Stärke des physischen Marktes und der Vorsicht am Terminmarkt bestimmt aktuell das Bild beim Silber.
COMEX Silber-Futures werden bei rund 82 USD gehandelt – das liegt unter dem Spot-Preis bei 84 USD. Diese sogenannte Backwardation (Futures unter Spot) ist selten und sehr wichtig. Das zeigt: Käufer sind bereit, jetzt einen Aufschlag für physisches Silber zu zahlen, anstatt auf eine spätere Lieferung zu warten.
Das deutet auf Engpässe in der Lieferkette hin: Die Nachfrage nach physischem Silber ist groß.
Seit dem 6. Februar sinkt jedoch das offene Interesse an den Kontrakten, obwohl der Silberpreis von 63 USD auf 82 USD gestiegen ist. Ein steigender Kurs bei fallendem offenem Interesse ist typisch für eine sogenannte Eindeckungs-Rally: Trader, die nach dem Crash auf fallende Kurse gesetzt hatten, kaufen jetzt zurück, was den Kurs nochmals nach oben treibt.
Bisher kommt also noch kein neues Geld in den Markt. Das ist lediglich die Nachwirkung der heftigen Verkäufe im Januar, die jetzt „bereinigt“ werden. Solche Eindeckungs-Rallyes haben ein natürliches Ende. Ist das meiste gedeckt, braucht es neue Käufer, damit der Kurs weiter steigen kann.
Deshalb ist jetzt eine Phase der Seitwärtsbewegung am wahrscheinlichsten – die Dynamik aus dem Short-Covering ist bald vorbei, doch der nächste Schub kauffreudiger Anleger ist noch nicht in Sicht, wie später erklärt wird.
„Dollar“-Abkopplung, Risiken beim Gold-Verhältnis und Hedgefonds warten ab
Aus Sicht von Makro und Positionierungen zeigt sich, dass eine Seitwärtsphase gesund und nicht gefährlich ist.
Der US-Dollar-Index (DXY) liegt über 97 und ist seit dem 11. Februar stetig gestiegen. Doch ab dem 17. Februar zog Silber trotz des kletternden Dollars mit nach oben. Das ist ein sehr starkes Zeichen in der aktuellen Lage. Wenn Silber trotz Gegenwind durch den Dollar steigt, steckt echte Nachfrage dahinter. Käufer wollen jetzt Silber haben, egal was der Dollar macht.
Das Gold-Silber-Verhältnis (XAUXAG) zeigt gerade Vorsicht. Aktuell steht das Verhältnis bei 60. Seit dem 17. Februar fällt es, das heißt, Silber schneidet besser ab als Gold.
Allerdings bildet das Verhältnis im Moment eine bullische Flagge aus. Ein Ausbruch über die obere Trendlinie kann es in Richtung 70 oder noch höher treiben.
Wenn das passiert, würde Gold wieder stärker als Silber werden. Dann würde der Markt wieder von der riskanteren Anlage in Silber zu Gold als sicherem Hafen zurückwechseln.
Das würde den Aufwärtstrend von Silber begrenzen oder sogar eine Korrektur auslösen. Solange die Flagge aber hält und es keinen Ausbruch nach oben gibt, kann Silber weiter besser laufen.
Eine wichtige Entscheidungshilfe ist der COT-Bericht (Commitment of Traders) vom 17. Februar. Das sogenannte Managed Money – also Hedgefonds und Commodity Trading Advisors – hält aktuell nur 5.472 Netto-Long-Kontrakte. Beim Anstieg auf 121 USD hatten die Hedgefonds das Mehrfache dieser Position.
So wenige Kontrakte bedeuten, dass große Spekulanten abwarten. Sie wollen eine stabile Basis und einen klaren Ausbruch sehen, bevor sie Geld investieren.
Das ist zugleich das bullischste Signal für den mittelfristigen Ausblick und die beste Erklärung für die Seitwärtsphase auf kurze Sicht. Denn es gibt viel Platz für neue Käufe von großen Investoren, wenn die Hedgefonds zurückkommen. Doch vorher wollen sie stabile Kurse und einen klaren Ausbruch – wahrscheinlich über 92 USD – sehen.
Silber-Ausblick März 2026: Diese Kursmarken sind jetzt wichtig
Vier von sieben wichtigen Marktsignalen sind bullisch. Dazu zählen starke Miner (über den SIL-Index), , Backwardation die eine hohe physische Nachfrage zeigt, die Lücke zwischen Dollar und Silber – sie zeigt anhaltenden Kaufdruck – sowie Hedgefonds, die kaum investiert sind und viel Potenzial nach oben bringen.
Außerdem mahnen drei Zeichen zur Vorsicht. Das sind das sinkende offene Interesse an der COMEX, eine versteckte bärische Divergenz und die bullische Flagge beim Gold-Silber-Verhältnis. Diese könnte das Momentum wieder zu Gold zurückschieben.
Der wahrscheinlichste Verlauf im März: Silber bewegt sich seitwärts zwischen 75 USD und 92 USD. Der Markt baut wohl eine Basis auf, die dem Managed Money neue Sicherheit verschafft.
Ein Tagesschluss über 84 USD bestätigt den Cup-and-Handle-Halsbereich. Steigt der Kurs über 91 bis 92 USD, gilt der Ausbruch als bestätigt. Dann ist ein Anstieg bis 100 USD möglich. Dieser Wert ist psychologisch wichtig und könnte Mitte März erreicht werden.
Längere Ziele sind bei 121 USD (erneuter Test des Allzeithochs) und 136 USD (volle Fibonacci-Extension) möglich – aber nur, wenn die Rallye im März anhält und eine steigende Anzahl offener Kontrakte neue große Investoren bestätigt.
Auf der Unterseite ist 75 USD die entscheidende Grenze. Ein Tagesschluss unter 75 USD zerstört die Cup-Struktur und kann einen Test von 71 USD auslösen. Fällt Silber unter 71 USD, ist die Cup-Formation hinfällig. Dann wird der gleitende Durchschnitt der letzten 100 Tage bei 69 USD zum nächsten Ziel.
Darunter gilt der 200-Tage-Durchschnitt bei 57 USD als sehr starke Unterstützung.
Ein bärisches Szenario bekommt Auftrieb, wenn DXY deutlich über 100 steigt. Oder wenn das Gold-Silber-Verhältnis klar aus seiner bullischen Flagge ausbricht. Und auch, wenn neue US-Wirtschaftsdaten eine länger straffe Fed-Politik erwarten lassen und so Hoffnung auf Zinssenkungen dämpfen.