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Kann der Silberkurs dank Waffenruhe die 100-USD-Marke überschreiten: Schwacher Dollar bietet Chancen

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Geschrieben von
Ananda Banerjee

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Redigiert von
Phil Haunhorst

08 April 2026 18:44 CET
  • Silberkurs bildet Tassen-Formation im 12-Stunden-Chart, Ausbruchs-Projektion von 32 % mit Ziel über 100 USD, da Waffenruhe den Dollar schwächt
  • Das Put-Call-Verhältnis bei SLV fiel innerhalb einer Sitzung von 0,67 auf 0,47, was auf eine schnelle Auflösung bärischer Positionen vor dem erwarteten Ausbruch hinweist.
  • Futures-Contango bei -0,55 und verdeckte bearishe RSI-Divergenz: Kursrückgang möglich, bevor ein bestätigter Ausbruch erfolgt
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Der Silber-Kurs (XAG/USD) notiert am 8. April bei 77,31 USD und bildet auf dem 12-Stunden-Chart ein Tassenmuster mit einem möglichen Ausbruch nach oben um 32%, sodass sogar ein dreistelliger Kursbereich erreichbar scheint.

Diese Entwicklung erfolgt, nachdem der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran den Brent-Ölpreis um 15% sinken ließ und den US-Dollar-Index (DXY) seit dem Hoch vom 6. April um 1,63% zurückgehen ließ. Ein schwächerer Dollar lässt den Silber-Kurs erfahrungsgemäß steigen, da das Metall für Käufer aus dem Ausland günstiger wird. Ob dieser makroökonomische Rückenwind auch wirklich zu einem bestätigten Ausbruch führt, hängt davon ab, wie sich der „Henkel“ des Musters bildet und welche Signale der Terminmarkt gibt.

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Silber-Kurs bildet eine Tasse, der RSI formt den Henkel

Der Silber-Kurs bildet seit Mitte März auf dem 12-Stunden-Chart ein Tassenmuster. Der abgerundete Boden entstand durch die Korrektur Ende März, der jüngste Anstieg hat die „Tasse“ nun vervollständigt. Nun fehlt nur noch der „Henkel“, und ein kleiner Rücksetzer vom letzten Hoch bei 77,73 USD deutet auf diese Entwicklung hin.

Der Relative Strength Index (RSI), ein Momentum-Indikator, der die Geschwindigkeit von Kursveränderungen misst, spricht für die Ausbildung des „Henkels“. Zwischen dem 9. März und dem 7. April bildete der Kurs ein tieferes Hoch, der RSI jedoch ein höheres Hoch. Diese verborgene bärische Divergenz deutet darauf hin, dass der aktuelle Rücksetzer vom „Nacken“ des Musters noch anhalten könnte.

Silber Tassenmuster und RSI
Silber Tassenmuster und RSI: TradingView

Ein tieferer „Henkel“ würde das Tassenmuster nicht ungültig machen. Ein Rücksetzer vor dem Ausbruch nach oben gehört bei diesem Muster dazu. Die Frage ist nur, wie tief die Korrektur wird und ob das generelle makroökonomische Umfeld dem Silber genügend Unterstützung gibt, damit der „Henkel“ eher flach bleibt.

Futures-Contango zeigt bisher keinen Lieferdruck

Die Differenz zwischen kurzfristigen und zweitnächsten Silber-Futures (SIL1! minus SIL2!) liegt aktuell bei -0,55. Diese Situation wird als Contango bezeichnet, also wenn Silber-Futures für die Zukunft teurer gehandelt werden als für den kurzfristigen Zeitraum. Das bedeutet, dass die Käufer derzeit nicht auf eine sofortige Lieferung drängen.

Zum Vergleich: Diese Differenz lag Anfang Februar bei 7,875 und Anfang März bei 6,515, jeweils in Phasen, in denen der Silber-Kurs stark gestiegen ist und die physische Nachfrage angespannt war. Der aktuelle Rückgang in den negativen Bereich zeigt, dass der Lieferdruck nachgelassen hat.

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SIL1- SIL2 Futures Spread
SIL1 minus SIL2 Futures Spread: TradingView

Ein Contango verhindert keine Rallye, deutet aber darauf hin, dass die aktuelle Bewegung eher von makroökonomischen Faktoren als von Lieferengpässen getrieben ist. Für einen nachhaltigen Ausbruch mit dem Tassenmuster müsste sich die Differenz wieder Richtung null bewegen oder sogar positiv werden. Das würde darauf hindeuten, dass die echte Nachfrage mit dem Preisanstieg Schritt hält.

Die makroökonomische Positionierung ändert sich jedoch gerade schnell. Grund dafür liegt beim Dollar und im Optionsmarkt.

Fallender Dollar und sinkende Put-Call-Ratio stärken den bullischen Ausblick

Der Waffenstillstand bewirkte eine schnelle Neubewertung an den Rohstoffmärkten. Der Brent-Ölpreis fiel um 15% , da durch die Entspannung zwischen den USA und Iran der Kriegsaufschlag auf den Ölpreis entfiel. Sinkt der Ölpreis, reduziert sich auch der sogenannte Petrodollar-Effekt, bei dem ölimportierende Länder für den Ölimport vermehrt Dollar kaufen. Weniger Nachfrage nach dem Dollar bedeutet kurzfristig einen schwächeren Dollar.

Der DXY ist seit dem Hoch vom 6. April um 1,63% gefallen und notiert jetzt bei 98,69, also genau auf der technischen Unterstützung bei 0,382. Wird diese Marke unterschritten, folgen die nächsten Unterstützungen bei 98,09 und 97,50. Jede weitere Schwäche des Dollars wirkt sich erfahrungsgemäß positiv auf den Silber-Kurs aus, da das Metall für Käufer mit anderen Währungen günstiger wird.

DXY Dollar Index Unterstützung
DXY Dollar Index Unterstützung: TradingView

Auch der Optionsmarkt bestätigt diese Entwicklung. Das Put-Call-Verhältnis beim iShares Silver Trust (SLV), das bärische Put-Optionen mit bullischen Call-Optionen vergleicht, fiel von 0,67 am 6. April auf 0,47 am 7. April. Das Open-Interest-Verhältnis ging ebenfalls leicht zurück von 0,60 auf 0,59. Beide Werte liegen deutlich unter 1,0, das heißt, die Käufer von Call-Optionen dominieren aktuell gegenüber den Put-Käufern. Der Rückgang zwischen dem 6. und 7. April zeigt, dass viele bärische Investitionen abgebaut werden, da der Waffenstillstand die makroökonomische Lage verändert.

SLV Put-Call-Verhältnis
SLV Put-Call-Verhältnis: Barchart

Mit einem schwächeren Dollar, fallenden Ölpreisen und einer nun bullischen Optionspositionierung ist das Kursbild bei Silber entscheidend für den weiteren Verlauf.

Silber-Kurs: Welche Marken entscheiden, ob 100 USD erreichbar sind

Silber wird zu 77,31 USD gehandelt. Die Nackenlinie der Tasse liegt zwischen 77,29 USD und 77,73 USD. Ein Zwölf-Stunden-Schlusskurs über 77,73 USD würde den Ausbruch aus der Tassenformation bestätigen.

Oberhalb der Nackenlinie stellt das Level von 79,12 USD auf dem 0,618-Niveau die erste echte Bestätigungszone dar. Ein Schlusskurs über 79,12 USD würde den Ausbruch bestätigen und das Kursziel weiter nach oben verschieben. Das Niveau von 85,07 USD wird dadurch zum ersten wichtigen Ziel. Wenn das Momentum anhält, werden auch das 1,618-Erweiterungsziel bei 94,69 USD und das vollständige 32%-Kursziel bei 102,29 USD (die Zone über 100 USD) relevant.

Damit das Ziel von 100 USD realistisch wird, müssen zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein. Der Dollar muss weiter unter den Wert von 98,69 fallen. Zudem muss das Futures-Contango nachlassen, während die physische Nachfrage zurückkehrt. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, könnte die Rallye bereits an der 85-USD-Zone enden.

Analyse des Silberpreises
Analyse des Silberpreises:TradingView

Tassen-Formationen, die sich während eines Wandels im makroökonomischen Umfeld ausbilden, sind mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Schwächt sich der Auslöser ab, wie etwa durch einen Zusammenbruch des Waffenstillstands oder einen stärkeren Dollar, kann die Tassenformation scheitern und der Ausbruch bleibt aus. Die RSI-Divergenz deutet bereits auf dieses Risiko hin.

Auf der Unterseite bildet das Niveau von 75,45 USD beim 0,382-Level die erste Unterstützung. Eine größere Korrektur könnte bis 73,18 USD führen. Die Marke von 69,51 USD gilt als wichtige Untergrenze. Ein Bruch darunter würde das Muster erheblich abschwächen. Ein Rückfall unter 60,88 USD macht das Muster vollständig ungültig.

Derzeit trennt das Niveau von 77,73 USD einen bestätigten Ausbruch aus der Tassenformation mit Kurszielen bei 85,07 USD und möglicherweise 100 USD von einem erneuten Rückgang in Richtung 73,18 USD und der Untergrenze bei 69,51 USD.

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