Sind Kundengelder auf Binance wirklich sicher? Die Kritik am Proof of Reserves wächst

25. Januar 2023, 11:09 GMT+0100
25. Januar 2023, 11:10 GMT+0100
IN KÜRZE
  • Binance hielt Reserven für B-Token in einer für Kundengelder vorgesehenen Wallet.
  • Eine solche Vermischung kann die Sicherheit der Kundengelder gefährden.
  • Der Wirtschaftsprüfer PwC kam kürzlich zu dem Schluss, dass Proof of Reserves Berichte die Gesundheit eines Unternehmens nicht ausreichend belegen.
  • promo

Binance gibt zu, während seiner jüngsten Reserveprüfung Sicherheiten von 94 Krypto-Vermögenswerten für seine BNB Smart Chain und BNB Beacon Chain mit Kundengeldern in einer Wallet aufbewahrt zu haben.

Laut aktuellem Eintrag auf der eigenen Website übersteigt der Vermögensbestand in der Binance 8 Wallet die auf der BNB Smart Chain und BNB Beacon Chain ausgegebenen Kryptowährungen. Folglich gehört ein Teil des Vermögensbestandes wahrscheinlich den Kunden.

Binance mischt 1,3 Mrd. USD an Kundenvermögen mit B-Token

Binance minted B-Token (repräsentative Token) von Kryptos, wie Bitcoin, Ether, USDC und Tether, um sie auf anderen Blockchains zu verwenden. Laut Bloomberg muss die Börse die Reserven der ursprünglichen Token in separaten Kunden-Wallets aufbewahren.

Die Börse räumte die Vermischung der Vermögenswerte ein und meinte, sie werde die B-Token in eine Wallet für Sicherheiten verschieben. In besagter 8-Wallet befinden sich etwa 1,3 Milliarden US-Dollar an Kundengeldern. Ohne entsprechend separate Aufbewahrung dieser haben Kunden jedoch keine absolute Sicherheit über ihre Anlagen.

Nachdem die Börse Berichten zufolge auch noch fast 350 Millionen US-Dollar für die russische Börse Bitzlato bewegt hatte, steht der Ruf der Börse nun auf dem Prüfstand. Die jüngste Verbindung mit Geldwäsche ließen auch Zweifel an den tatsächlichen Maßnahmen der Börse zur Bekämpfung derartiger illegaler Aktivitäten aufkommen.

Die Kryptoindustrie lernt die Bedeutung der Rechenschaftspflicht auf die harte Tour

Der Fehler von Binance unterstreicht, wie wichtig die sorgfältige Prüfung einer zentralisierten Börse ist, bevor man dieser sein Geld anvertraut.

Sam Bankman-Fried, ehemaliger CEO von FTX, wird beschuldigt, Kundengelder absichtlich mit denen seines Trading Unternehmens Alameda Research vermischt zu haben, um dessen Solvenz zu erhöhen. Kunden zahlten ihre Gelder also auf das Alameda-Konto bei Silvergate, statt bei FTX ein. Silvergate Exchange Network verbindet die Bankkonten von Kryptoanlegern mit Börsen.

Erst vor kurzem veröffentlichte Binance einen Merkle Proof of Reserves (PoR) Bericht, um die ausreichende Besicherung der Kundengelder zu belegen. Allerdings erklärte sich keine der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY, PricewaterhouseCoopers (PwC) oder KPMG dazu bereit, diese Prüfung durchzuführen.

Schließlich veröffentlichte die weniger bekannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars den Bericht, welcher jedoch bei Krypto- und Buchhaltungsexperten, wie dem ehemaligen Kraken CEO Jesse Powell, auf Kritik stieß. Ihnen zufolge habe ein PoR ohne Einblick in die Verbindlichkeiten und internen Finanzkontrollen einer Börse wenig Bedeutung.

Kurz nach der unabhängigen Prüfung von Binance schloss Mazars seine PoR-Aktivitäten und hinterließ weitere Fragen zur Sicherheit der Kunden. 

Laut PwC-Bericht sind die Grenzen von Proof of Reserves schmerzlich offensichtlich

PwC untersuchte kürzlich, ob Proof of Reserves Berichte einen sinnvollen Beitrag zum Kundenvertrauen leisten. 

Laut Studie spiegeln PoR-Berichte die Vermögenswerte der Börse nur zu einem bestimmten Zeitpunkt wider. Daher bieten sie keinen Einblick in deren Geschichte, den Umgang mit Kundengeldern oder die internen Prozesse sowie Kontrollen des Unternehmens. Diese Einblicke sind nur durch SOC 1- oder ISAE 3402 Typ 2-Berichte seriöser Wirtschaftsprüfer möglich. 

SOC-1-Berichte verifizieren bestimmte, vom Unternehmen angegebene interne Kontrollen. Ferner zeigen die ISAE 3402 Typ 2 Berichte auf, wie genau diese internen Kontrollen im Laufe der Zeit gehandhabt wurden. 

Wie der PwC Bericht betont, können nur geprüfte Jahresabschlüsse eventuelle Befürchtungen über einen drohenden Konkurs zerstreuen. Darüber hinaus wird auch die Notwendigkeit branchenweiter, professioneller Rechnungslegungsstandards unterstrichen. Zum einen würde dadurch mehr Transparenz für die Kunden geschaffen, zum anderen wären die Berichte der verschiedenen Börsen vergleichbar.

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