Das US-Justizministerium hat eine Anklageschrift veröffentlicht. Sie beschuldigt den Super Micro Computer (SMCI)-Mitgründer Yih-Shyan „Wally“ Liaw und zwei weitere Personen, KI-Server im Wert von 2,5 Milliarden USD mit Nvidia (NVDA) Technologie in die Volksrepublik China geschmuggelt zu haben.
Die SMCI-Aktie fiel um 28%, Nvidia verlor 4,8%. Der Fall ist der bisher bekannteste US-Strafprozess zum Export von KI-Chips. Er sorgte für erhebliche Unruhe an den Märkten.
So funktionierte das mutmaßliche System
Laut DOJ nutzte Liaw eine nicht genannte Scheinfirma in Südostasien als fiktiven Endabnehmer.
Diese Scheinfirma bestellte wohl in großem Umfang SMCI-Server mit speziellen Nvidia-GPUs wie den B200- und H200-Serien. Der Export dieser Chips nach China ist seit 2022 verboten.
Die Server wurden in den USA zusammengebaut, gingen dann über SMCI-Standorte in Taiwan an die Scheinfirma, dort in neutralen Kartons umverpackt und schließlich an Käufer in China weitergeleitet. In nur drei Wochen wurden dabei im Frühjahr 2025 Systeme im Wert von 510 Millionen USD bewegt.
Sowohl die NVDA-Aktie als auch die SMCI-Aktie gaben nach.
Videoaufnahmen aus Dezember 2025 zeigen, wie ein Angeklagter mit einem Haartrockner Seriennummer-Aufkleber von echten Servern entfernt und auf Attrappen überträgt.
Um Kontrollen zu täuschen, platzierte die Gruppe Tausende von gefälschten Nachbildungen der Server in Lagerhallen, um Prüfer irrezuführen.
„Diese Chips sind ein Ergebnis amerikanischer Kreativität und die NSD wird weiterhin die Exportkontrollgesetze durchsetzen, um diesen Vorteil zu schützen”, sagte John A. Eisenberg, stellvertretender Justizminister für Nationale Sicherheit.
Marktfolgen: Wie es jetzt weitergeht
Liaw, 71 Jahre alt, besitzt SMCI-Aktien im Wert von etwa 464 Millionen USD. Ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft wegen dreier Verschwörungsvorwürfe.
Mittäterschaft wird auch Ruei-Tsang „Steven“ Chang, dem SMCI-Vertriebsleiter in Taiwan, vorgeworfen. Er ist derzeit flüchtig.
SMCI hat Liaw und Chang beurlaubt. Das Unternehmen erklärte, das mutmaßliche Verhalten „widerspricht den Unternehmensrichtlinien”.
Gegen das Unternehmen selbst liegt keine Anklage vor. SMCI arbeitet nach eigenen Angaben mit den Behörden zusammen.
Der Fall wird jetzt vor Richter Edgardo Ramos am US-Bezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York verhandelt.
Ob die Ankläger weitere Vorwürfe gegen SMCI selbst erheben oder ob Nvidia in der Lieferkette stärker geprüft wird, dürfte die Diskussion über KI-Chip-Politik in den kommenden Monaten beeinflussen.