SpaceX, OpenAI und Anthropic bereiten ihren Börsengang vor. Das wäre die größte Welle von IPOs in der Geschichte, mit Gesamtbewertungen von fast 3 Billionen USD.
Die drei Unternehmen planen Börsengänge innerhalb weniger Monate, daher fragen sich viele, ob die öffentlichen Märkte so viel neues Angebot zu Spitzenpreisen aufnehmen können.
Der 3-Billionen-USD-Börsengang: Stresstest für den Markt
SpaceX reichte am 1.4.2026 eine vertrauliche Anmeldung bei der SEC ein. Das Unternehmen strebt eine Bewertung von 1,75 Billionen USD an und möchte im Juni an die Börse gehen.
Das Unternehmen hat 21 Banken beauftragt, das Angebot zu begleiten. Intern läuft das Projekt unter dem Namen „Project Apex”. Wenn der Börsengang stattfindet, könnten etwa 75 Milliarden USD eingenommen werden, das wären mehr als das 2,5-Fache des bisherigen Rekords von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019.
OpenAI plant den Börsengang im 4. Quartal 2026 oder im 1. Quartal 2027, mit einer Bewertung von fast 1 Billion USD. Anthropic spricht über ein Listing bereits ab dem 4. Quartal 2026. Banker erwarten hier eine Kapitalaufnahme von mehr als 60 Milliarden USD.
Zusammen haben die drei Unternehmen eine Marktkapitalisierung von etwa 2,9 Billionen USD. Analyst Tomasz Tunguz merkt an, dass bei gängigen Streubesitzquoten 432 bis 576 Milliarden USD innerhalb eines Quartals an den öffentlichen Märkten aufgenommen werden müssten.
Von 2016 bis 2025 lag das gesamte IPO-Volumen aller US-Märkte bei nur 469 Milliarden USD.
Wer bleibt auf den Verlusten sitzen
Kritiker befürchten, dass die frühen Investoren bereits den Großteil des Gewinns erzielt haben. Anleger am öffentlichen Markt würden zu Rekordbewertungen einsteigen.
Laut einer durchgesickerten Beteiligungsliste ist Microsofts Investition von rund 13 Milliarden USD in OpenAI heute etwa 228 Milliarden USD wert, also etwa das 18-Fache.
Kleinere Fonds erzielen sogar noch höhere Vielfache. Sound Ventures etwa wandelte 20 bis 30 Millionen USD in 1,3 Milliarden USD um.
„Die SpaceX- und OpenAI-IPOs sehen beide wie massive Liquiditätsbeschaffungen aus. Private-Equity-Fonds, VCs und andere Investoren wollen aussteigen. Man kann es ihnen kaum verdenken. Die Bewertungen, die die Unternehmen anstreben, sind kaum nachvollziehbar. Viele bleiben auf ihren Anteilen sitzen”, sagte Analyst Markets & Mayhem.
OpenAI wird voraussichtlich allein 2026 rund 14 Milliarden USD Verlust machen. Erst 2029 oder 2030 wird Profitabilität erwartet.
Finanzchefin Sarah Friar soll intern davor gewarnt haben, OpenAI sei noch nicht bereit für einen Börsengang und das Umsatzwachstum könne die geplanten Ausgaben nicht decken.
Der Marktanteil von OpenAI im Enterprise-API-Geschäft fiel von 50% im Jahr 2023 auf 25% Mitte 2025. Anthropic konnte im gleichen Zeitraum von 12% auf 32% steigen.
Der Wettstreit um die Reihenfolge der IPOs
Wie beim Kurs ist auch das Timing entscheidend. OpenAI hofft, vor Anthropic zu listen. Anthropic könnte jedoch eine überzeugendere Geschichte für die Börse vorweisen.
Anthropic hat den Jahresumsatz innerhalb von weniger als vier Monaten von 9 Milliarden auf 19 Milliarden USD verdoppelt. Rund 80% des Umsatzes stammen von Unternehmenskunden, was von öffentlichen Investoren meist positiver bewertet wird als umsatzstarke Endkundenmodelle.
Anthropic rechnet bereits 2027 mit positivem Free Cashflow. OpenAI verschiebt das Erreichen der Gewinnzone auf 2030.
Dennoch sind beide Unternehmen derzeit nicht profitabel. Zudem könnte die SEC verlangen, dass Anthropic die Erfassung von Cloud-Guthaben als Umsatz neu darstellt, was sich vor dem Börsengang auf die ausgewiesenen Zahlen auswirken kann.
Ob Anleger aus dem Retail-Bereich faire Chancen haben oder am Ende nur als Ausstiegskanal für frühe Investoren genutzt werden, bleibt die zentrale Frage der IPO-Welle 2026.