Standard Chartered sagt, der Bitcoin-Boden liege bei 59.000 USD, während Galaxy Research meint, das wahre Tief sei erst in einigen Monaten erreicht. Beide Unternehmen gehen heute jedoch nicht mehr von einem massiven Einbruch um 80% aus, wie er bisher nach jedem vorherigen Marktzyklus folgte.
Geoffrey Kendrick von Standard Chartered äußerte sich dazu in einer Mitteilung an Kunden am Freitag. Gleichzeitig veröffentlichte Alex Thorn von Galaxy diese Woche eine datenbasierte Analyse zum aktuellen Zyklus und rät zur Geduld.
Standard Chartered: Der Bitcoin-Boden liegt bei 59.000 USD
Kendrick, globaler Leiter der Digital-Asset-Analyse der Bank, sagt, dass der Kursrückgang auf 59.000 USD das Tief dieses Zyklus markierte. Dieser Wert liegt 53% unter dem Allzeithoch von 126.000 USD im Oktober.
„Ich glaube, wir haben nun das Tief der Kryptowährungs-Preise für diesen Zyklus gesehen. Das wären 59.000 USD für Bitcoin (53% Rückgang vom 126.000-USD-Hoch)… Der Winter ist vorbei. Willkommen zurück im Krypto-Frühling”, schrieb Kendrick in der Mitteilung an Kunden.
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Zwei Ereignisse stützen seine Einschätzung. US-Präsident Trump sagte geplante Angriffe auf den Iran am Donnerstag ab und kündigte an, dass eine Einigung noch vor dem G7-Gipfel vom 15. bis 17. Juni in Evian unterzeichnet werden könnte.
Eine Einigung könnte die Öl-Rallye beenden, die Treasury-Renditen nach oben trieb und Risiko-Vermögenswerte belastete.
Das zweite Ereignis ist das Rekord-Listing von SpaceX mit 75 Milliarden USD, das größte in der Geschichte. Kendrick argumentiert, einige ETF-Halter hätten Fondsanteile verkauft, um für das Nasdaq-Debüt am Freitag Liquidität zu schaffen.
Tatsächlich verloren die US-Spot-Bitcoin-ETFs rund 4,3 Milliarden USD während der Rekordserie von Nettoabflüssen über 13 aufeinanderfolgende Sessions.
Bemerkenswert ist, dass diese Marke von 59.000 USD über Kendricks eigener Prognose aus Februar liegt, in der er eine Kapitalulation nahe 50.000 USD als Kaufbereich für ein Jahresziel von 100.000 USD sah.
Zum Zeitpunkt dieses Artikels wurde der Bitcoin bei etwa 63.854 USD gehandelt.
Galaxy sieht das Tief näher bei 40.000 USD
Thorn, Leiter der Analysen von Galaxy, kommt zu einem gegenteiligen Ergebnis. Er erklärt, dass sich der Vier-Jahres-Zyklus verkürzt und dies das Kursniveau des Bodens verschiebt.
Galaxy stützt diese Analyse auf die Bitcoin-Halvings, welche das neue Angebot alle vier Jahre verringern. Es wurde festgestellt, dass nur vier der 13 Signale, die alle bisherigen Tiefpunkte markierten, aktiviert wurden.
Außerdem beträgt der aktuelle Rückgang nur 51% und ist damit deutlich geringer als die 77% bis 85% Einbrüche am Ende früherer Zyklen.
Zudem spielt auch das Timing eine Rolle. Bisher traten Tiefpunkte in der Regel zwölf bis 13 Monate nach dem jeweiligen Hoch auf, aktuell sind seit dem Top im Oktober aber erst acht Monate vergangen.
Deshalb schätzt Galaxy das Tief zwischen 40.000 und 46.000 USD, zu erwarten spätestens Ende 2026. Dieser Zeitrahmen ähnelt Prognosen, die ein Tief im Oktober 2026 sehen.
„Ein ruhigerer Höchststand hat das Tief angehoben, aber nicht beseitigt”, heißt es in einem Auszug des Galaxy-Berichts.
Im Bericht wird auch davor gewarnt, dass das Tief noch weiter sinken kann, falls echte Panik auf den Märkten aufkommt.
Wo sich beide Prognosen treffen
Trotz der unterschiedlichen Meinungen sagen beide Unternehmen, dass der Vier-Jahres-Zyklus weiterhin besteht, allerdings etwas schwächer. Daten von Galaxy zeigen, dass jeder Bärenmarkt weniger stark ausgeprägt war und die Verluste von 85% auf 84% und schließlich auf 77% in drei Zyklen zurückgegangen sind.
Der Grund dafür liegt in der Markstruktur.
Galaxy stellt fest, dass die durchschnittlichen Kosten der Halter bei 43,7% des vorherigen Höchststands liegen, während es in früheren Zyklen etwa ein Drittel war.
Daher würde eine typische Kapitulation heute bei einem deutlich höheren Preis enden.
ETF-Nachfrage und Unternehmens-Treasurys stützen dieses höhere Kostenniveau. Im Gegensatz dazu führten durch Retail getriebene Zyklen zu den starken Kursrückgängen in 2015, 2018 und 2022.
Die nächsten Tage bieten einen schnellen Test. Standard Chartered setzt auf ETF-Zuflüsse am Freitag, niedrigere Ölpreise und einen Beweis dafür, dass Strategy’s Verkauf von 32 BTC ein Einzelfall war.
Diese Signale könnten zeigen, welche Prognose zuerst ihre Schwächen offenbart.









