Stablecoins könnten bald den US-Anleihemarkt verändern. Ein neuer Bericht von Standard Chartered zeigt, dass eine steigende Nachfrage nach Staatsanleihen durch Herausgeber digitaler Dollar dazu führen könnte, dass Washington neue Wege finden muss, um seine Schulden zu finanzieren.
Wachsende Stablecoin-Nachfrage zwingt Washington zur Überprüfung der US-Schuldenstrategie
Stablecoins könnten schon bald den US-Treasury-Markt verändern. Standard Chartered schätzt, dass Herausgeber von Stablecoins bis Ende 2028 eine neue Nachfrage von 800 Mrd. bis zu 1 Bio. USD nach kurzfristigen US-Staatsanleihen (T-Bills) schaffen könnten.
Zudem könnte diese Entwicklung gemeinsam mit Käufen der US-Notenbank die gesamte Nachfrage nach kurzfristigen Anleihen auf rund 2,2 Bio. USD steigern.
Der Bericht warnt, dass die US-Regierung diese neue hohe Nachfrage nutzen könnte, um mehr kurzfristige T-Bills auszugeben und gleichzeitig weniger langlaufende Anleihen herauszugeben. Das könnte dazu führen, dass die US-Regierung drei Jahre lang alle Auktionen von 30-jährigen Anleihen aussetzt.
„Wir glauben, dass das US-Finanzministerium diese mögliche starke Nachfrage als Grund nutzen könnte, um mehr T-Bills auszugeben”, schrieb Geoff Kendrick im aktuellen Bericht von Standard Chartered. Darin hebt er Stablecoin-Herausgeber als wichtige Käufer von kurzfristigen US-Schulden hervor.
Stablecoins aus Schwellenländern werden voraussichtlich den Großteil dieser Nachfrage erzeugen. Standard Chartered schätzt, dass zwei Drittel der Nachfrage aus Schwellenländern kommen. Dort entsteht neue Nachfrage. Stablecoins in Industrieländern ersetzen dagegen meist bereits vorhandene Bestände.
Dieser Trend zeigt, dass digitale Vermögenswerte bei weltweiten Geldflüssen wichtiger werden und einen Einfluss auf klassische Anleihenmärkte haben.
Die Auswirkungen auf die Zinsstrukturkurve könnten groß sein. Werden etwa 9 Mrd. USD von langfristigen Anleihen in T-Bills verschoben, könnte dies die Zinskurve zunächst abflachen.
Risikodruck auf Zinskurve steigt: US-Finanzministerium plant höhere T-Bill-Quote
Standard Chartered betont jedoch, dass Faktoren wie langfristige Risikoaufschläge, Sorgen um das Haushaltsdefizit und die Stimmung der Märkte die Reaktion der Anleger im Laufe der Zeit beeinflussen können.
Die Bank warnt, dass eine bullische Abflachung am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve die direkteste Folge sein kann. Langfristig könnten aber strukturelle Einflüsse wie Risikoaufschläge und das Risiko beim Umtausch auslaufender Anleihen die Zinsen anders beeinflussen.
US-Finanzminister Scott Bessent könnte diese Lage nutzen, um den Anteil an T-Bills am Gesamtportfolio zu erhöhen.
Wenn der Anteil der T-Bills innerhalb von drei Jahren um nur 2,5 Prozent steigt, könnten etwa 900 Mrd. USD zusätzlich als kurzfristige Anleihen auf den Markt kommen. Dies würde die prognostizierte Übernachfrage ausgleichen.
Das könnte die Knappheit am kurzen Ende der Kurve mindern und die Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen auf einem guten Niveau halten.
Der Bericht zeigt zudem, dass T-Bills im Schnitt 26,1 Prozent der umlaufenden US-Schulden ausmachen. Das liegt deutlich über dem empfohlenen Bereich von 15 bis 20 Prozent, den das Treasury Borrowing Advisory Committee vorgibt. Hier gibt es also Spielraum für mehr kurzfristige Anleihen.
Obwohl der Stablecoin-Gesamtwert aktuell stagniert, wird erwartet, dass die Marktkapitalisierung von Stablecoins bis Ende 2028 rund 2 Bio. USD erreichen könnte. Das Wachstum liegt derzeit bei etwa 304 Mrd. USD. Gründe dafür sind schwächere Kryptomärkte und Verzögerungen wegen neuer Regelungen wie dem US GENIUS Act.
Standard Chartered sieht diese Entwicklungen jedoch eher als Teil eines Zyklus und nicht als dauerhafte Veränderungen. Die Nachfrage nach Stablecoins, zusammen mit laufenden Käufen der US-Notenbank und dem Ersatz fälliger, mit Hypotheken besicherter Wertpapiere, könnte so zu einer grundlegenden Veränderung bei kurzfristigen US-Anleihen führen.
Im Bericht steht außerdem: Auch wenn das Aussetzen von Auktionen für 30-jährigen Anleihen nicht einmalig wäre – denn die Regierung hat das von 2002 bis 2006 schon gemacht – ist die aktuelle Haushaltslage eine ganz andere.
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