Strategy (MicroStrategy) hat erklärt, dass sie ihre Schulden von 6 Mrd. USD selbst dann komplett abdecken könnten, wenn der Bitcoin-Kurs auf 8.000 USD fällt. Allerdings stellt sich die größere Frage: Was passiert, wenn der Bitcoin-Kurs noch weiter sinkt?
In dem Beitrag des Unternehmens werden die 49,3 Mrd. USD Bitcoin-Bestände (bei 69.000 USD pro BTC) und gestaffelte Fälligkeiten der wandelbaren Anleihen bis 2032 hervorgehoben. Diese Struktur soll einen sofortigen Verkauf verhindern.
Strategy erklärt: Das passiert, wenn der Bitcoin-Kurs auf 8.000 USD fällt
Nur wenige Tage nach dem Earnings Call hat Strategy zum zweiten Mal auf den möglichen Bitcoin-Kurs von 8.000 USD hingewiesen und was dann mit dem Unternehmen passieren würde.
Sponsored„Strategy kann einen Rückgang des BTC-Kurses auf 8.000 USD verkraften und hätte immer noch genug Vermögenswerte, um unsere Schulden komplett zu decken“, erklärte das Unternehmen.
Auf den ersten Blick zeigt die Ankündigung, dass das Unternehmen mit großen Schwankungen umgehen kann. Allerdings ist 8.000 USD eher eine theoretische „Stressgrenze“ als ein sicherer Schutz vor finanziellen Problemen.
Bei 8.000 USD entsprechen die Vermögenswerte von Strategy in etwa den Nettoschulden. Das Eigenkapital ist technisch gesehen null, aber die Firma könnte ihre Schulden weiterhin bedienen, ohne Bitcoin verkaufen zu müssen.
„Warum 8.000 USD? Das ist der Punkt, an dem der Gesamtwert ihrer Bitcoin-Bestände ungefähr ihren Nettoschulden entspricht. Bleibt der BTC-Kurs langfristig bei 8.000 USD, könnten die Reserven die finanziellen Verpflichtungen durch einen Verkauf nicht mehr abdecken“, erklärte Investor Giannis Andreou.
Wandelanleihen könnten weiterhin bedient werden, und die gestaffelten Laufzeiten geben dem Management etwas Zeit. Zudem betonte der CEO, Phong Le, dass selbst ein Absturz des BTC-Kurses um 90 Prozent wohl über mehrere Jahre passieren würde. So hätte das Unternehmen Zeit, um sich neu aufzustellen, neue Aktien auszugeben oder Schulden neu zu finanzieren.
„Im Extremfall, wenn wir einen Rückgang des Bitcoin-Kurses um 90 Prozent auf 8.000 USD hätten, was sehr schwer vorstellbar ist, wäre das der Punkt, an dem unsere BTC-Reserve unseren Nettoschulden entspricht. Dann könnten wir unsere Wandelanleihen nicht mehr mit unseren Bitcoin-Reserven abbezahlen. Wir würden dann über eine Umstrukturierung, die Ausgabe weiterer Aktien oder zusätzlicher Schulden nachdenken. Und lass mich daran erinnern: Das betrifft die nächsten fünf Jahre. Daher mache ich mir aktuell keine großen Sorgen, selbst wenn der Bitcoin fällt“, sagte Le.
Doch hinter dieser Zahl verbergen sich finanzielle Belastungen, die viel stärker werden können, falls der Bitcoin-Kurs noch stärker sinkt.
Sponsored SponsoredUnter 8.000 USD: Gefahr für Kredite und Margen
Erste Schwierigkeiten zeigen sich ab etwa 7.000 USD. Besicherte Kredite, die durch BTC als Sicherheit hinterlegt sind, verletzten die LTV-Klausel (Loan-to-Value-Ratio). Dadurch könnten zusätzliche Sicherheiten oder teilweise Rückzahlungen fällig werden.
„Bei einem starken Markteinbruch würden die Barreserven schnell schwinden, wenn es keine neuen Geldquellen gibt. Die Loan-to-Value-Ratio würde auf über 140 Prozent steigen, und die gesamten Verbindlichkeiten wären höher als die Vermögenswerte. Das Software-Geschäft der Firma erwirtschaftet rund 500 Mio. USD Umsatz pro Jahr – nicht genug, um die Schulden alleine zu bedienen“, erklärte Capitalist Exploits.
Wenn die Märkte illiquide sind, könnte Strategy gezwungen sein, Bitcoin zu verkaufen, um Gläubiger zufriedenzustellen. Dieser Kreislauf könnte den BTC-Kurs noch weiter drücken.
In diesem Stadium ist das Unternehmen technisch gesehen noch zahlungsfähig. Doch jeder erzwungene Verkauf erhöht das Risiko am Markt und könnte eine Kettenreaktion auslösen.
Strategy-Pleite droht ab 6.000 USD
Ein weiterer Rückgang auf 6.000 USD würde die Situation deutlich verschärfen. Dann würden die gesamten Vermögenswerte unter die Summe der Schulden fallen. Nicht besicherte Anleihegläubiger müssten mit Verlusten rechnen.
Aktionäre würden einen extremen Werteverlust erleben. Ihr Anteil wäre vergleichbar mit einer Put-Option auf eine Erholung des BTC-Kurses.
SponsoredEine Umstrukturierung wird hier sehr wahrscheinlich, auch wenn der Betrieb weitergeht. Das Management könnte dann Strategien wie die folgenden anwenden:
- Schulden-gegen-Aktien-Tausch
- Verlängerung der Fälligkeiten
- Teilweiser Schuldenschnitt zur Stabilisierung der Bilanz.
Unter 5.000 USD: Droht jetzt die Liquidationswelle?
Fällt der Kurs unter 5.000 USD, überschreitet die Situation eine Schwelle, an der besicherte Kreditgeber eine Verwertung von Sicherheiten erzwingen könnten. In Verbindung mit wenig Liquidität am Markt kann das zu weiteren Notverkäufen von BTC führen und große Auswirkungen auf das gesamte System haben.
In diesem Szenario:
- wird das Eigenkapital des Unternehmens voraussichtlich wertlos
- sind ungesicherte Schulden stark betroffen, und
- wird eine Umstrukturierung oder sogar Insolvenz sehr wahrscheinlich.
Sponsored Sponsored„Nichts ist unmöglich… Eine Zwangsliquidation wäre nur dann ein Risiko, wenn das Unternehmen seine Schulden nicht mehr bedienen kann – nicht allein wegen der Schwankungen”, kommentierte Lark Davis.
Tempo, Hebel und Liquidität: Das wahre Risiko
Wichtig ist zu verstehen: 8.000 USD ist keine klare Grenze zwischen Leben und Tod für das Unternehmen. Das Überleben hängt von folgenden Faktoren ab:
- Tempo des Bitcoin-Kurs-Rückgangs: Schnelle Verluste erhöhen den Margendruck und können zu mehr Verkäufen führen.
- Schuldenstruktur: Stark besicherte oder kurzfristige Schulden machen das Risiko bei Bitcoin-Kursen unter 8.000 USD größer.
- Zugang zu Liquidität: Wenn Märkte geschlossen sind oder Kredite blockiert werden, steigt der Druck. So können sogar schon über der nominellen Grenze Zwangsliquidationen ausgelöst werden.
Was würde das für den Markt bedeuten?
Strategy ist ein großer Bitcoin-Halter. Zwangsliquidationen oder verkaufsbedingte Verluste durch Margin Calls könnten sich auf den gesamten Krypto-Markt auswirken. So betrifft es unter anderem ETFs, Miner und Trader mit Hebel.
Auch wenn Strategy überlebt, müssen Aktieninhaber mit starken Kursschwankungen rechnen. Zudem kann sich die Stimmung am Markt schnell ändern, wenn es Anzeichen für Probleme gibt.
Deshalb zeigt Strategy mit der aktuellen Aussage zwar Zuversicht und eine geplante Bilanzstrategie. Allerdings geht es bei Kursen unter 8.000 USD nicht mehr nur um den Bitcoin-Kurs. Hier entscheidet das Zusammenspiel aus Fremdkapital, Anforderungen aus Verträgen und verfügbarer Liquidität über das tatsächliche Überleben.