Da der Kurs von Ethereum (ETH) gerade stark fällt, gibt es kaum ein Unternehmen, das so im Fokus steht wie BitMine Immersion Technologies (BMNR). Der Vorsitzende ist Tom Lee von Fundstrat.
Früher war BitMine nur ein kleiner Hersteller von Mining-Hardware. Allerdings hat sich das Unternehmen neu erfunden und hält nun am meisten Ethereum unter den Firmen. Es besitzt etwa 4,24 Mio. ETH, also ungefähr 3,5 Prozent der gesamten Menge.
BitMine: 6-Mrd.-USD-Verlust bringt Tom Lees ETH-Treasury ins Wanken
Da der ETH-Kurs gerade bei einem Mehrmonatstief liegt und in sozialen Medien über 5–7 Mrd. USD an nicht realisierten Verlusten gesprochen wird, stellt sich auf Krypto Twitter eine wichtige Frage: Was passiert, wenn BitMine jetzt sein Ethereum verkauft?
SponsoredDie kurze Antwort: Das wäre wohl eines der größten und schwierigsten Verkaufsereignisse in der Geschichte von Ethereum.
Ein Verkauf, den der Markt nicht verkraftet
Bei aktuellen Kursen von 2.408 USD ist BitMines ETH-Bestand ungefähr 10,2 Mrd. USD wert. Dies ist ein starker Rückgang von den geschätzten 15,6 Mrd. USD. BitMine hat im Durchschnitt zu Kursen von etwa 3.600 bis 3.900 USD gekauft.
Wenn BitMine alles auf einmal verkaufen würde, kämen mehr als 4 Mio. ETH auf den Markt. Normalerweise werden pro Tag zwar mehrere Milliarden USD gehandelt, aber auf viele kleine Verkäufer verteilt, nicht auf einen einzigen.
Selbst wenn BitMine langsam verkauft, würde diese Menge die Orderbücher überfordern. Laut Analysten haben schon viel kleinere Verkäufe zu 10 bis 30 Prozent Kurseinbruch innerhalb weniger Stunden geführt.
Falls BitMine gezwungen wäre zu verkaufen, könnte das einen zusätzlichen Preisrückgang von 20 bis 40 Prozent bedeuten. Auch würden die heutigen Buchverluste dann echte Verluste für das Unternehmen.
Anstatt nach dem Verkauf 10 Mrd. USD zu erhalten, bliebe BitMine wegen schlechter Kurse wohl nur 5 bis 7 Mrd. USD übrig. So schätzen es Experten anhand der Markttiefe ein – das wären mehrere Mrd. USD Verlust.
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Rund 2 Mio. ETH von BitMines Beständen sind gestakt. Dafür bekommt BitMine etwa 2,8 Prozent Zinsen pro Jahr im Staking-System von Ethereum. Diese Einnahmen, die pro Jahr einige Hundert Mio. USD ausmachen, gingen beim Verkauf sofort verloren.
Hinzu kommt: Gestakte ETH können nicht sofort verkauft werden. Die Auszahlungs-Warteschlange bei Ethereum könnte Tage oder sogar Wochen dauern. Dadurch ist es für BitMine unmöglich, alles auf einmal zu verkaufen.
Ironischerweise könnte diese Verzögerung zwar einen plötzlichen Kurssturz verhindern, aber die Unsicherheit am Markt würde dadurch länger andauern. Viele Trader würden wahrscheinlich vorher verkaufen, weil sie mit mehr Verkaufsdruck rechnen.
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Strategisch gesehen wäre ein Verkauf eine komplette Abkehr vom eigentlichen Plan von BitMine. Das Unternehmen sieht sich als „Ethereum Supercycle“-Projekt und plant sogar ein Validator-Netzwerk aus den USA (MAVAN), das 2026 starten soll. Würde BitMine ETH verkaufen, gäbe es diesen Plan nicht mehr.
Nach dem Verkauf wäre BitMine einfach ein Unternehmen mit viel Bargeld: Einige Mrd. USD an liquiden Mitteln, etwas Bitcoin-Bestand (ungefähr 193 BTC) und ein paar Investitionen außerhalb von Krypto, zum Beispiel bei Beast Industries.
Die Kursschwankungen würden dann zwar geringer, aber mögliche Gewinne auch. Wenn sich ETH demnächst wieder erholt – was Lee für sehr wahrscheinlich hält – profitiert BitMine dann nicht mehr davon.
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Für die Anleger wäre das ein schlechtes Bild. Die BMNR-Aktie ist schon deutlich zusammen mit ETH gefallen. Ein Komplettverkauf würde wie eine Niederlage wirken.
Weitere Kursverluste oder sogar Angst vor einem Rauswurf aus der Börse könnten folgen – selbst wenn BitMine keine Schulden hat.
Es gibt auch den steuerlichen Aspekt. Obwohl die aktuellen Kurse auf realisierte Verluste hindeuten, könnten frühere, günstiger gekaufte Tranchen trotzdem steuerpflichtige Gewinne auslösen. Dadurch verringern sich die Einnahmen. Aufsichtsbehörden könnten zudem eine so große Liquidierung stark kontrollieren, denn der Markt könnte dadurch beeinflusst werden.
Am Ende geht es auch um Tom Lee selbst. Kaum ein Stratege war so öffentlich bullisch bei Ethereum. Ein Verkauf jetzt würde seiner langjährigen Meinung widersprechen. Dadurch stellt sich die Frage, ob Überzeugung oder Risikosteuerung wichtiger ist.
Theoretisch würde ein Verkauf die Verluste stoppen. In der Praxis aber würden dadurch die Verluste festgeschrieben. Gleichzeitig würde der Kurs von ETH stark sinken und BitMines gesamte Strategie zerstört. Deshalb könnte BitMine trotz der vielen Kommentare auf X (Twitter) weiter kaufen und staken – und nicht verkaufen.
Daher bleibt, wenn der Ethereum-Kurs so wie Bitcoin an diesem Wochenende weiter abstürzt, eine fortgesetzte Liquidierung die letzte Notlösung.