Präsident Donald Trump hat am Donnerstag gesagt, dass er am Freitagmorgen seinen Vorschlag für den neuen Chef der US-Notenbank bekanntgeben wird. Damit endet monatelanges Rätselraten darüber, wer die wichtigste Zentralbank der Welt leiten soll.
Der Favorit Kevin Warsh ist gegen die Geldpolitik namens QE. Dadurch könnte sich das Umfeld für viel Geld im Umlauf ändern, welches seit 2008 riskante Anlagen – darunter Krypto – unterstützt hat.
SponsoredTrump kündigt Überraschung für Freitag an
„Ich werde morgen früh den Fed-Chef bekanntgeben”, sagte Trump am Donnerstagabend im Kennedy Center. Er deutete an, dass die Wahl „nicht sehr überraschend“ und „jemand aus der Finanzwelt, den alle kennen“ sein wird. Der Präsident ergänzte: „Viele Leute denken, dass diese Person schon vor ein paar Jahren da hätte sitzen können.”
Warsh legt auf Prognosemärkten deutlich zu
Der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh gilt nun klar als Favorit, nachdem er am Donnerstag das Weiße Haus besucht hat. An den Wettmärkten gab es einen deutlichen Wechsel. Auf Polymarket lag Warsh bei 87 Prozent Wahrscheinlichkeit bei 289 Mio. USD Handelsvolumen. Kalshi zeigte ähnliche Werte mit 86 Prozent bei 74 Mio. USD Volumen.
Der Wechsel geschah sehr schnell. Am Mittwoch galt der BlackRock-CIO Rick Rieder noch als Favorit, bevor Warsh ihn überholt hat. Wirtschaftsexperte Justin Wolfers erklärte auf X, dass der Besuch im Weißen Haus „ausreichte, damit Wettmärkte” die Wahrscheinlichkeit für Warsh stark anpassten.
Weitere Namen auf Trumps Liste sind Fed-Gouverneur Christopher Waller, der diese Woche gegen das Beibehalten der Zinsen gestimmt hat, sowie der Leiter des Nationalen Wirtschaftsrates, Kevin Hassett. Donald Trump hat aber angedeutet, dass er Hassett lieber in dessen jetziger Funktion behalten möchte.
Warshs Kurs: Zinssenkungen ohne neue Geldflut
Warsh war von 2006 bis 2011 Fed-Gouverneur. Er fordert große Veränderungen bei der Notenbank. Der Makro-Analyst Alex Krüger beschrieb Warshs Standpunkte auf X: Warsh glaubt, dass Fortschritte durch Künstliche Intelligenz die Preise sinken lassen. Darum seien starke Zinssenkungen gerechtfertigt. Allerdings meint er auch, dass die Fed mit ihrer Bilanz die Wall Street unterstützt hat und diese daher deutlich schrumpfen sollte.
Diese Mischung aus lockerer Zinspolitik, aber harter Linie bei der Bilanz, unterscheidet Warsh von anderen. Matthew Luzzetti von der Deutschen Bank schrieb im Dezember, Warsh wolle „niedrigere Leitzinsen und dafür eine kleinere Bilanz“. Dafür bräuchte es allerdings neue Regeln.
RSM-Chefökonom Joseph Brusuelas äußerte sich kritischer. Auf X erklärte er, dass Warshs „erste Reaktion meist sehr streng ist“ und er „nach der Finanzkrise die falsche Politik hatte“.
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Warshs Ablehnung von QE könnte für Krypto problematisch werden. Bislang sind Kurse meist gestiegen, wenn die Fed ihre Bilanz ausgeweitet hat. Die Bilanzsumme liegt aktuell bei etwa 6,5 Bio. USD, im Jahr 2022 lag sie noch bei 8,9 Bio. USD.
Seine Meinung zu digitalen Anlagen ist kompliziert. 2018 hat Warsh in das Stablecoin-Projekt Basis investiert, 2021 bei der Anlagefirma Bitwise, wo er weiter als Berater tätig ist.
Dennoch schrieb er in einem WSJ-Beitrag von 2022, dass private Kryptowährungen in Wahrheit „nur als Geld auftreten“ würden. Seiner Meinung nach ist „Kryptowährung ein falscher Begriff – das ist kein Geld, sondern Software“. Er unterstützte auch eine digitale Zentralbankwährung in den USA – was der pro-Bitcoin-Haltung von Trump widerspricht.
SponsoredSenatsbestätigung ungewiss
Auch wenn Warshs Nominierung wahrscheinlich erscheint, bleibt die Bestätigung offen. Polymarket sieht 39 Prozent Chance, dass genau 52 Senatoren zustimmen – das ist das wahrscheinlichste Ergebnis. Allerdings gibt es auch eine 18-Prozent-Wahrscheinlichkeit für eine Ablehnung, da Senator Tillis eine Blockade angekündigt hat.
Der republikanische Senator Thom Tillis aus dem Bankausschuss hat angekündigt, jeden Fed-Kandidaten zu blockieren, bis das Justizministerium seine Untersuchung zu Powell abschließt. Es geht bei der Untersuchung um Renovierungskosten am Fed-Hauptquartier und Powells Aussagen, die Tillis nur als „Vorwand“ sieht, um Druck zu machen.
Powells Amtszeit als Chef endet am 15. Mai, sein Mandat als Gouverneur läuft allerdings bis Januar 2028. Trump hätte Warsh schon 2018 fast ernannt, entschied sich aber dann doch für Powell. Das hat er später bereut.
Die Fed hat am Mittwoch die Zinsen bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, nachdem sie schon drei Mal im Jahr 2025 gesenkt wurden. Trump will, dass die Zinsen „um zwei oder sogar drei Punkte niedriger“ sind.